
In Anbetracht der globalen Herausforderung des Klimawandels ist es für medizinische Einrichtungen unerlässlich, nachhaltige Strategien zur Ressourcenschonung zu entwickeln. Das Gesundheitswesen ist für etwa vier bis fünf Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, wobei insbesondere die Anästhesiologie und Intensivmedizin als energie- und ressourcenintensive Fachrichtungen hervortreten. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat ein Forschungsteam am Universitätsklinikum Bonn (UKB) unter der Leitung von Dr. Florian Windler und Dr. Pascal Siegert innovative Ansätze zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks in der Anästhesie erforscht.
Ein zentrales Anliegen der Forschung ist die Minimierung von Abfällen, die bei der Anästhesie anfallen. Laut Dr. Windler produziert ein Intensivpatient täglich bis zu 17 Kilogramm Abfall, wobei viele Medikamente ungenutzt verworfen werden. Der Fokus auf Nachhaltigkeit wurde in der Anästhesiologie lange Zeit vernachlässigt. Ein Beispiel sind Inhalationsnarkotika wie Lachgas, die unterschiedliche Treibhauspotenziale aufweisen. Dr. Windler betont, dass bei gleichwertigen Anästhesieverfahren die umweltfreundlichere Option gewählt werden sollte, um die damit verbundenen Emissionen um 80 bis 90 Prozent zu senken, ohne dabei die Patientensicherheit zu gefährden.
Das Green-Team der Klinik für Anästhesiologie am UKB verfolgt das Ziel, die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung, die sich in den „5-R“ – Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln, Überdenken und Forschen – widerspiegeln, in den Klinikalltag zu integrieren. Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf der Reduktion des Abfalls von Propofol, einem häufig verwendeten Anästhetikum, das in der Operationspraxis oftmals ungenutzt verworfen wird. Dr. Siegert erklärt, dass zwischen 23 und 50 Prozent des aufgezogenen Propofols nicht verbraucht werden und somit Abfall verursachen. Es wurde festgestellt, dass eine mögliche Lösung darin besteht, kleinere Ampullen zu verwenden, um den Medikationsverbrauch zu optimieren, jedoch könnte dies zu einem Anstieg von Kunststoffabfällen führen.
Die Attraktivität von Propofol als Anästhetikum liegt in seiner Wirksamkeit. Es reduziert postoperative Übelkeit und Erbrechen und ermöglicht ein sanfteres Aufwachen nach der Narkose. Ein entscheidender Vorteil von Propofol im Vergleich zu inhalativen Anästhetika ist, dass es keine direkten Treibhausgasemissionen freisetzt. Dennoch ist der hohe Verwendungsgrad von Propofol, der zu einem erheblichen Abfall führt, ein bedeutendes Problem.
Um den Propofol-Verwurf zu minimieren, zeigt die Forschung des Teams, dass die Verwendung einer einzigen Spritzenpumpe sowohl für die Einleitung als auch für die Aufrechterhaltung der Narkose die Abfallmenge um 30 bis 50 Prozent senken kann. Die moderne Methode der Zielkontrollierten Infusion (TCI) nutzt patientenspezifische Daten, um eine präzise Dosierung des Anästhetikums zu gewährleisten. Simulationen haben gezeigt, dass TCI-Verfahren den individuellen Propofol-Bedarf genau vorhersagen können, was das Potenzial hat, den Abfall signifikant zu reduzieren.
Auf Basis dieser Erkenntnisse könnte ein Krankenhaus, das täglich 15 intravenöse Narkosen durchführt, durch den Einsatz dieser Technik jährlich bis zu 2.340 Propofol-Ampullen und rund 16.000 Euro einsparen. Um diese Methoden zu unterstützen, stellt das Team eine Berechnungstabelle sowie eine kostenfreie App namens „Propofol-Dreams“ zur Verfügung, die in gängigen App-Stores erhältlich ist. Derzeit wird in einer klinischen Studie untersucht, wie dieses Vorhersagesystem im regulären OP-Betrieb implementiert werden kann.
Insgesamt zeigt die Forschung am Universitätsklinikum Bonn, dass durch gezielte Maßnahmen und innovative Technologien der ökologische Fußabdruck der Anästhesie signifikant gesenkt werden kann, ohne die Sicherheit der Patienten zu beeinträchtigen. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines nachhaltigeren Gesundheitswesens, das sich der Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst ist und aktiv zur Reduzierung seines ökologischen Fußabdrucks beiträgt.


















































