Insektenfreundliche Stadtgestaltung: Mehr als nur Blumen erforderlich**

Insektenfreundliche Stadtgestaltung: Mehr als nur Blumen erforderlich**

In den urbanen Räumen sind Insekten wie Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen entscheidend für die Bestäubung von Pflanzen. Eine neue Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat untersucht, welche Bedingungen in Stadtgärten gegeben sein müssen, damit diese Insekten optimal gedeihen und effektiv zur Bestäubung beitragen können. Die Erkenntnisse zeigen, dass es nicht ausreicht, nur Blumen zu pflanzen; vielmehr sind insektenfreundliche Lebensräume auf Quartier-Ebene nötig.

Die Forschung fand in Zürich statt, wo über einen Zeitraum von einem Monat 30 Freiwillige in 24 verschiedenen Gärten aktiv waren. Sie protokollierten und fingen Insekten über einen Zeitraum von jeweils neun Stunden. Diese detaillierte Untersuchung zielt darauf ab, zu verstehen, welche Insektenarten in den unterschiedlichen Gärten präsent sind und wie erfolgreich sie die Pflanzen bestäuben. Merin Reji Chacko, eine Ökologin und Gastwissenschaftlerin bei WSL, stellte fest, dass große Unterschiede in der Insektenvielfalt in Abhängigkeit von der Dichte der Bebauung und dem Blütenangebot existieren.

Die Studie ergab, dass in den blütenreichen Gärten der verdichteten Stadt besonders viele Hummeln anzutreffen sind, die aufgrund ihrer Größe in der Lage sind, größere Distanzen zu überbrücken. Sie fliegen über asphaltierte Flächen zu den „Blüteninseln“ und profitieren von einem breiten Nektarangebot. Kleinere Wildbienen, die ebenfalls auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot angewiesen sind, finden in diesen Gärten ausreichend Ressourcen und Nistplätze. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass eine Vielzahl von Pflanzen für die Bestäuber von großer Bedeutung ist, da verschiedene Arten unterschiedliche Nektarzugänge benötigen.

Während es in blütenreichen Gärten viele Hummeln gibt, ist die Lage für Schwebfliegen und Käfer jedoch weniger günstig. Diese Insektenarten sind in stark urbanisierten Gebieten deutlich seltener anzutreffen, unabhängig von der Attraktivität der angebotenen Blumen. Schwebfliegen benötigen eine Vielzahl von Grünflächen, um sich wohlzufühlen, und viele Käfer, die in abgestorbenem Holz brüten, haben in betonierten Umgebungen keine geeigneten Brutstätten. Dies führt dazu, dass Pflanzen, die auf diese Insekten zur Bestäubung angewiesen sind, in dicht bebauten Stadtteilen kaum bestäubt werden, was sich negativ auf die Samen- und Fruchtproduktion auswirkt.

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Notwendigkeit eines koordinierten Ansatzes zur Förderung der Biodiversität in städtischen Gebieten. Es reicht nicht aus, dass Einzelpersonen in ihren Gärten aktiv werden; vielmehr müssen auch Stadtplaner und Entscheidungsträger auf kommunaler Ebene eingebunden werden. David Frey, ein Ökologe und Co-Autor der Studie, betont, dass schon kleine Maßnahmen in privaten Gärten große positive Effekte auf die Biodiversität haben können. Er empfiehlt, unterschiedliche Pflanzenarten anzupflanzen, um nicht nur die Insekten anzulocken, sondern auch die Bodenqualität und den Erholungswert der Gärten zu verbessern.

Die Co-Autorin Reji Chacko fügt hinzu, dass es von großer Bedeutung ist, die vorhandenen Grünflächen in den Städten zu schützen, insbesondere in Zeiten der Verdichtung. Es gibt eine beeindruckende Vielfalt an Insekten in urbanen Räumen, und es ist wichtig, dass diese Lebensräume nicht nur erhalten, sondern auch aktiv gefördert werden. Der Richtplan 2040 der Stadt Zürich, der auf eine Verdichtung der Stadt abzielt, sollte daher auch Maßnahmen zum Schutz und zur Schaffung insektenfreundlicher Lebensräume berücksichtigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Gestaltung von Stadtgärten und -vierteln entscheidend für das Überleben und die Gesundheit von Bestäuberpopulationen ist. Die Studie macht deutlich, dass eine vielfältige und gut geplante Pflanzengestaltung in den Städten notwendig ist, um die Bestäuber zu unterstützen und die Bestäubungsdienste zu sichern, die für die Nahrungsmittelproduktion und die Erhaltung der Biodiversität unerlässlich sind.