Zukunftsweisende Messewirtschaft: Nachhaltigkeit als Schlüssel für Umwelt und Wirtschaft**

Zukunftsweisende Messewirtschaft: Nachhaltigkeit als Schlüssel für Umwelt und Wirtschaft**

In der heutigen Zeit, in der der Schutz der Umwelt und die Förderung nachhaltiger Praktiken immer wichtiger werden, wendet sich auch die Messewirtschaft neuen, umweltfreundlicheren Ansätzen zu. Ein innovatives Projekt der Hochschule Osnabrück hebt hervor, wie die Integration von Kreislaufwirtschaft in die Messebranche nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich vorteilhaft sein kann. Gemeinsam mit der Leipziger Messe OTWorld, die als Leitmesse für medizinische Hilfsmittel gilt, wird ein Modell entwickelt, das zeigt, wie nachhaltig gestaltete Messen realisiert werden können.

In Deutschland spielt die Messebranche eine bedeutende Rolle als Plattform für Networking und Innovation in verschiedenen Wirtschaftssektoren. Im Jahr 2026 sind insgesamt 320 Messen in Planung, darunter mehr als 160 nationale und internationale Veranstaltungen. Im Jahr 2024 zogen ähnliche Messen über elf Millionen Besucher an. Diese Reichweite macht die Messewirtschaft zu einem potenziellen Vorbild für nachhaltiges Wirtschaften. Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), betont die Möglichkeit, dass die Messebranche eine Vorreiterrolle im Bereich der Nachhaltigkeit übernehmen kann. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen können sich durch eine Umstellung auf eine erweiterte Kreislaufwirtschaft diverse finanzielle Vorteile ergeben.

Das Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Kim Werner und Prof. Dr. Kai-Michael Griese zielt darauf ab, eine optimale Strategie zur Implementierung der Kreislaufwirtschaft in der Messewirtschaft zu entwickeln. Hierbei stehen die Vermeidung von Abfall, die Wiederverwendung von Materialien und die effiziente Gestaltung von Transport und Lagerung im Fokus. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist der entwickelte „Circular Event Scan“, der dazu dient, die Leipziger Messe anhand von rund 100 Indikatoren in Bezug auf ihre Zirkularität zu analysieren.

Das Team arbeitet eng mit den Organisatoren der OTWorld zusammen, um praxisnahe Erfahrungen zu sammeln. Durch die detaillierte Beobachtung der Materialströme und Abläufe an den über 600 Ständen der Messe soll die entwickelte Strategie zur nachhaltigen Veränderung der Messewirtschaft konkretisiert werden. Klara Lüttringhaus, eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Projekts, hebt hervor, dass der Schlüssel zur Überzeugung der Messeindustrie in den finanziellen Vorteilen der Kreislaufwirtschaft liegt. Der Aufbau von Messeständen mit zirkulären Materialien kann wirtschaftlich gleichwertig oder sogar günstiger sein als die Verwendung herkömmlicher Einwegbauteile.

Trotz der Vorteile gibt es einige Herausforderungen, die der nachhaltigen Ausrichtung der Messewirtschaft entgegenstehen. Dazu zählen etablierte Abläufe, die über Jahrzehnte gewachsen sind, sowie die oft begrenzte Zeit für den Aufbau und Abbau der Stände. Viele Unternehmen sind zudem an die einfache Handhabung von Einwegbauteilen gewöhnt, die schnell montiert und demontiert werden können. Dies führt dazu, dass reusable Komponenten aus Kostengründen oft nicht in Betracht gezogen werden.

Um die Messebranche von den Vorteilen nachhaltiger Lösungen zu überzeugen, arbeitet das Projektteam daran, einen vollständig zirkulären Messestand zu entwickeln. Hierbei wird auch der Transport sowie der Aufbau und Abbau als integrale Bestandteile betrachtet. Eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Messeunternehmen könnte den Austausch von Mehrwegbauteilen fördern und neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen. Die Erkenntnisse aus der OTWorld sind für das Projekt von großer Bedeutung und sollen helfen, die Strategie zur Schaffung eines nachhaltigen Messestands weiterzuentwickeln.

Die Entwicklung dieser innovativen Ansätze wird bis Ende des Jahres andauern und umfasst die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Partnern aus der Praxis, darunter der Verband der deutschen Messewirtschaft (AUMA), die Agentur für Nachhaltigkeit in der Veranstaltungswirtschaft 2bdifferent und weitere Unternehmen. Durch diesen interdisziplinären Ansatz soll nicht nur die Messewirtschaft selbst, sondern auch das Bewusstsein für nachhaltige Praktiken in der breiteren Öffentlichkeit gestärkt werden.