
Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution veröffentlicht wurde, befasst sich mit der intensiven Nutzung pflanzlicher Ressourcen durch die Bewohner der tropischen Regenwälder Sri Lankas, und zwar lange bevor die Landwirtschaft ihren Anfang nahm. Forscher untersuchten menschliche und tierische Überreste aus einem Zeitraum von etwa 20.000 bis 3.000 Jahren und nutzten die Zinkisotopenanalyse des Zahnschmelzes, um die Ernährung und die trophische Position dieser Organismen zu rekonstruieren.
Die Ergebnisse dieser Forschung zeigen, dass Menschen in der Region stets eine omnivore Ernährungsweise pflegten, die sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrungsquellen umfasste. Über die Zeit hinweg konnten die Wissenschaftler eine allmähliche Zunahme des pflanzlichen Konsums feststellen, die bereits im späten Pleistozän begann und bis ins Holozän andauerte. Dies geschah lange bevor die ersten Anzeichen domestizierter Pflanzen in der Region dokumentiert wurden. Statt eines plötzlichen Wandels hin zur Landwirtschaft deutet die Studie vielmehr auf einen langwierigen Prozess hin, in dem Jäger- und Sammlergesellschaften ihre pflanzlichen Ressourcen zunehmend intensivierten.
Dr. Nicolas Bourgon, der Hauptautor der Studie und Postdoktorand am Max-Planck-Institut für Geoanthropologie, erklärt: „Unsere Erkenntnisse zeigen, dass die Nutzung von Pflanzen nicht lediglich eine späte Entwicklung im Rahmen der Landwirtschaft war, sondern Teil eines deutlich längerfristigen Prozesses.“ Die Forscher argumentieren, dass die Bewohner der Regenwälder bereits Jahrtausende vor der landwirtschaftlichen Revolution eine bedeutende Rolle in der Nutzung pflanzlicher Ressourcen spielten.
Die Studie stützt sich auf die umfassende archäologische Forschung an bedeutenden Höhlenfundstätten in Sri Lanka, darunter Fa-Hien Lena, Batadomba-lena und Balangoda Kuragala. Diese Fundorte belegen die kontinuierliche menschliche Besiedlung in tropischen Regenwaldgebieten über Zehntausende von Jahren. Während frühere Interpretationen häufig den Fokus auf die Jagd legten, aufgrund der besseren Erhaltung von Tierüberresten, blieben direkte Nachweise für den Pflanzenkonsum rar, da organische Materialien in diesen klimatischen Bedingungen oft nicht erhalten bleiben.
Um diese Forschungslücke zu schließen, verwendeten die Wissenschaftler moderne Zinkisotopenanalysen (δ⁶⁶Zn) an Zahnschmelzproben von 24 Menschen und 57 Tieren. Diese Methode ermöglicht es, die trophische Ebene eines Individuums zu bestimmen und ist besonders geeignet für tropische Umgebungen. Die geochemischen Daten belegen, dass pflanzliche Nahrung durchgängig einen bedeutenden Teil der menschlichen Ernährung darstellte und im Laufe der Zeit an Bedeutung gewann. Dies deutet auf eine schrittweise Veränderung in der Ressourcennutzung des Regenwaldes hin, die nicht als unmittelbare Reaktion auf die spätere Einführung der Landwirtschaft interpretiert werden kann.
Dr. Oshan Wedage vom Institut für Geschichte und Archäologie der Universität Sri Jayewardenepura betont die Bedeutung der archäologischen Funde aus Sri Lanka, da sie einzigartige Einblicke in die langfristigen Mensch-Umwelt-Interaktionen in tropischen Gebieten bieten. Die Ergebnisse zeigen, dass die lokale Bevölkerung ihre Ressourcennutzung im Laufe der Jahrhunderte anpasste, insbesondere im Hinblick auf die Nutzung pflanzlicher Nahrungsmittel.
Zusätzlich zu den regionalen Implikationen trägt diese Studie auch zu den breiteren Diskussionen über die Ursprünge der Landwirtschaft, die Landnutzung und die Rolle der Pflanzenverwertung in der menschlichen Evolution bei. Die Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass die Landwirtschaft eher aus langjährigen Sammelpraktiken hervorging, als dass sie von abrupten Veränderungen in der Subsistenzwirtschaft geprägt war.
Diese umfassenden Erkenntnisse bieten nicht nur neue Perspektiven auf die Lebensweise der frühzeitlichen Gesellschaften in Sri Lanka, sondern werfen auch Licht auf die Art und Weise, wie Menschen über Jahrtausende hinweg mit ihrer Umwelt interagierten und sich an die Verfügbarkeit von Ressourcen anpassten.


















































