
Eine aktuelle Analyse der Klimaneutralitätsstrategien von 103 europäischen Städten, darunter auch 22 Hauptstädte, zeigt, dass diese Städte planen, etwa 20 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen durch CO₂-Entnahme zu kompensieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wäre es notwendig, circa 61 Millionen Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen – eine Menge, die in etwa dem jährlichen Ausstoß von Österreich entspricht. Diese Erkenntnisse stammen aus einer Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht wurde und unter der Leitung der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission sowie dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung durchgeführt wurde.
Die Analyse verdeutlicht, dass der Großteil der verbleibenden Emissionen in den Bereichen Energie und Verkehr anfällt, die im Median 50 Prozent beziehungsweise 31 Prozent der städtischen Emissionen ausmachen. Diese beiden Sektoren gelten als relativ gut zu dekontaminieren, was Fragen über die Wirksamkeit der gewählten Strategien aufwirft. Die Autoren der Studie heben hervor, dass Städte möglicherweise dazu neigen, auf kurzfristige und kostengünstige Lösungen zurückzugreifen, anstatt grundlegende Veränderungen in ihren Energie- und Verkehrssystemen vorzunehmen. Quirina Rodriguez Mendez, eine Forscherin des PIK und Mitautorin der Studie, betont, dass trotz der ehrgeizigen Klimaziele der Städte oft unklar bleibt, wo genau die Restemissionen entstehen und ob diese Emissionen von Anfang an hätten vermieden werden können.
Ein neu entwickelter RESRI-Index wurde in der Studie vorgestellt, um die Qualität der Strategien zur Reduzierung von Restemissionen zu bewerten. Dieser Index zeigt auf, dass es oft an Planung und Kontrolle der CO₂-Entnahmen mangelt. In vielen Fällen ist unklar, wann und in welchem Umfang CO₂-Entnahmen in den Städten tatsächlich umgesetzt werden können. Aktuelle Schätzungen besagen, dass die vorhandenen Kapazitäten zur CO₂-Entnahme lediglich 18 Prozent der verbleibenden Emissionen abdecken können. Rodriguez Mendez weist darauf hin, dass es entscheidend sei, dass diese CO₂-Entnahmen nicht nur theoretisch existieren, sondern auch tatsächlich in der Praxis umgesetzt und transparent bilanziert werden.
Die Studie gibt den Städten spezifische Empfehlungen zur Verbesserung ihrer Pläne. Dazu gehört, Emissionen frühzeitig und umfassend zu senken, sodass nur in schwer vermeidbaren Bereichen Restemissionen verbleiben. Darüber hinaus wird empfohlen, nachfrageseitige Maßnahmen zu ergreifen, wie beispielsweise die Reduktion von Langstreckenflügen oder die Verringerung des Fleischkonsums, die je nach Kontext die Emissionen um 40 bis 80 Prozent senken könnten.
Bei der CO₂-Entnahme setzen die 103 untersuchten Städte überwiegend auf vegetationsbasierte und andere landbasierte Methoden. Es bleibt jedoch unklar, wie das entnommene CO₂ langfristig gespeichert werden kann und ob ausreichend Flächen im urbanen Raum für solche Maßnahmen zur Verfügung stehen, zumal der Raum auch für Wohnungsbau, Gesundheitsversorgung und Energieerzeugung benötigt wird. Die Klimaneutralitätspläne der Städte berücksichtigen bislang nicht genau, wie viel Fläche tatsächlich für CO₂-Entnahmen zur Verfügung steht.
Dauerhafte CO₂-Entnahmeverfahren finden in den Planungen der Städte eine geringere Berücksichtigung, wobei nur 32 Prozent der Städte solche Ansätze erwähnen. Zu diesen Verfahren zählen unter anderem Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung (27 Prozent), Pflanzenkohle (13 Prozent) und die direkte CO₂-Entnahme aus der Luft mit anschließender Speicherung (7 Prozent). Eine Analyse zeigt zudem, dass CO₂-Zertifikate in 40 Prozent der Pläne vorkommen, jedoch oft unklar bleibt, wie und in welchem Umfang sie eingesetzt werden sollen. Viele Städte betrachten diese Zertifikate lediglich als letzte Option und stehen ihnen skeptisch gegenüber.
Um Klimaneutralität zu erreichen und langfristig aufrechtzuerhalten, sollten die Städte vorübergehende CO₂-Entnahmen schrittweise durch dauerhafte Verfahren ersetzen. Hierzu sind klare Regeln, die notwendige Infrastruktur sowie verlässliche Förderungen erforderlich. Insbesondere bei dauerhaften Maßnahmen zur CO₂-Entnahme ist eine enge Zusammenarbeit zwischen nationalen und internationalen Institutionen von großer Bedeutung.
In der EU-Mission „Klimaneutrale und intelligente Städte“ wird 100 europäischen Städten Unterstützung gewährt, um bis 2030 klimaneutral zu werden. Die gewonnenen


















































