Der Amazonas-Regenwald als Kohlenstoffquelle: Die Auswirkungen der Dürre von 2023**

Der Amazonas-Regenwald als Kohlenstoffquelle: Die Auswirkungen der Dürre von 2023**

Im Jahr 2023 erlebte der Amazonas-Regenwald eine beispiellose Hitzewelle und extreme Trockenheit, die seine Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf drastisch veränderte. Forscher des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie unter der Leitung von Santiago Botia fanden heraus, dass der Regenwald in diesem Jahr von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle wurde. Diese Umstellung war vor allem auf die überdurchschnittlichen Temperaturen und die unzureichende Feuchtigkeit zurückzuführen, die durch die Erwärmung der Ozeane im Atlantik und Pazifik verursacht wurden. Diese Veränderungen verringerten den Transport von Feuchtigkeit nach Südamerika, wodurch die Region in eine schwere Dürre geriet, insbesondere zwischen September und November.

Der Amazonas-Regenwald spielt eine entscheidende Rolle im globalen Klimasystem, da er große Mengen Kohlenstoff speichert. In den ersten Monaten des Jahres 2023 nahm die Vegetation des Regenwaldes zwar überdurchschnittliche Mengen an Kohlenstoff auf, jedoch brach diese Fähigkeit während der Trockenzeit dramatisch ein. Messungen vom Amazon Tall Tower Observatory (ATTO) sowie Satellitendaten zeigten, dass der Regenwald zwischen 10 und 170 Millionen Tonnen Kohlenstoff freisetzte, anstatt ihn zu absorbieren.

Eine der Hauptursachen für die Kohlenstoffemissionen war nicht nur die reduzierte Kohlenstoffaufnahme durch die Vegetation, sondern auch die Tatsache, dass heiße und trockene Bedingungen häufig zu einer Zunahme von Waldbränden führen. Allerdings stellten die Forscher fest, dass die Anzahl der Brände im Jahr 2023 im Vergleich zu den letzten zwei Jahrzehnten im normalen Bereich lag. Professor Susan Trumbore, die das ATTO-Projekt auf deutscher Seite leitet, erklärte, dass die anomale Kohlenstofffreisetzung hauptsächlich auf die verminderte Fähigkeit der Vegetation zurückzuführen sei, Kohlenstoff zu absorbieren, nicht auf eine erhöhte Brandaktivität.

Die Daten zeigen, dass die Vegetation von Januar bis April 2023 mehr Kohlenstoff als üblich aufnahm, was den gesamten Verlust bis zum Jahresende etwas abmilderte. Ab Mai jedoch kam es zu einem dramatischen Wechsel, als die Kohlenstoffaufnahme der Pflanzen stark zurückging. Im Oktober erreichte dieser Trend seinen Höhepunkt, da die hohen Temperaturen und die niedrige Luftfeuchtigkeit dazu führten, dass der Regenwald mehr Kohlenstoff freisetzte, als er aufnehmen konnte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die reduzierte Kohlenstoffaufnahme des Amazonas im Jahr 2023 etwa 30 Prozent der Netto-Kohlenstoffquellen in allen tropischen Regionen ausmachte.

Die ATTO-Station, die sich nördlich von Manaus in einem relativ unberührten Gebiet des Amazonasbeckens befindet, bietet wertvolle In-situ-Daten zum Kohlenstoffkreislauf und dient als Referenz für Satellitendaten. Die vielfältigen Messmethoden an dieser Station ermöglichen ein besseres Verständnis dafür, wie Regenwälder und angrenzende Gebiete auf extreme klimatische Bedingungen reagieren. Botia betonte die Bedeutung dieser Daten, um zukünftige Reaktionen des Regenwaldes auf anhaltende Erwärmungsvorgänge besser vorhersagen zu können.

Die Erkenntnisse aus dieser Studie, die in der Fachzeitschrift AGU Advances veröffentlicht wurden, werfen ein beunruhigendes Licht auf die zukünftige Rolle des Amazonas im globalen Klimasystem. Wissenschaftler erwarten mit Spannung die Daten und Analysen der Folgejahre, um zu verstehen, wie sich die Kohlenstoffdynamik unter dem Druck des Klimawandels weiter entwickeln wird. Diese Veränderungen haben nicht nur Auswirkungen auf die lokale Biodiversität, sondern auch auf das globale Klima, da der Amazonas als wesentlicher Kohlenstoffspeicher eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel spielt.

Die Ergebnisse verdeutlichen die Dringlichkeit, Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung des Amazonas-Regenwaldes zu ergreifen, um seine Fähigkeit zur Kohlenstoffspeicherung langfristig zu erhalten und die globalen Klimaziele zu erreichen.