Der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) hat sich kürzlich zu den Plänen für einen European Research Area (ERA) Act geäußert. In seiner Stellungnahme betont der RfII die Notwendigkeit eines strukturierten und kohärenten Aufbaus von wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen innerhalb der Europäischen Union. Dies sei entscheidend, um Synergien über nationale Grenzen hinweg zu nutzen. Dabei ist es dem Rat wichtig, die Vielfalt der nationalen Forschungssysteme zu respektieren. Diese Diversität sollte als ein grundlegendes Prinzip im ERA Act verankert werden.
Barbara Helwing, die neue Vorsitzende des RfII, unterstreicht die Bedeutung dieser Vielfalt, indem sie darauf hinweist, dass die unterschiedlichen Förderansätze und institutionellen Strukturen der Mitgliedstaaten eine wesentliche Quelle für Innovationskraft in der europäischen Forschung darstellen. Ihr zufolge ist es unerlässlich, diese Vielfalt zu bewahren und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für eine optimale Zusammenarbeit zu schaffen. Dies steht im Einklang mit dem Motto der Europäischen Union: „In Vielfalt geeint“.
Um die angestrebten Ziele zu erreichen, empfiehlt der RfII, dass Wissenschaftsorganisationen aus allen Mitgliedsstaaten frühzeitig in den Prozess der Gesetzgebung einbezogen werden. Dies würde sicherstellen, dass die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen der verschiedenen Forschungseinrichtungen angemessen berücksichtigt werden. Des Weiteren hebt der Rat die Bedeutung nachhaltiger Strukturen und einer langfristigen finanziellen Absicherung für die Entwicklung und den Erhalt wissenschaftlicher Informationsinfrastrukturen hervor. Eine solide finanzielle Perspektive sowie die Harmonisierung rechtlicher Rahmenbedingungen werden als entscheidende Faktoren angesehen, um die europäische Souveränität zu stärken.
Der RfII begrüßt ausdrücklich die Anerkennung der Relevanz von Forschungs- und Informationsinfrastrukturen durch die Europäische Kommission. In ihrem Vorschlag für das zehnte Forschungsrahmenprogramm (FP10) wird diesen Infrastrukturen eine neue, vierte Säule zugewiesen, was als wichtiger Schritt in die richtige Richtung gewertet wird. Diese Stellungnahme wurde im Januar 2026 im Rahmen einer öffentlichen Konsultation an die EU-Kommission übermittelt und am 27. Februar 2026 während einer Sitzung des RfII zur Veröffentlichung genehmigt. In dieser Sitzung beschloss der Rat zudem eine Stellungnahme zu einem Referentenentwurf für ein Forschungsdatengesetz und wählte eine neue Führungsspitze. Barbara Helwing wird nun als erste Vorsitzende fungieren, unterstützt von Petra Gehring und Katrin Stump als stellvertretenden Vorsitzenden.
Der RfII wurde von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) ins Leben gerufen, um Bund, Länder und Wissenschaftseinrichtungen bei der Weiterentwicklung wissenschaftlicher Informationsinfrastrukturen sowie in Fragen des digitalen Wandels in der Wissenschaft zu beraten. Der Rat besteht aus 24 ehrenamtlichen Mitgliedern, die aus den Bereichen der Informationsinfrastrukturen, der forschenden Nutzer sowie der Wissenschaftsministerien auf Bundes- und Länderebene berufen werden.
Die Stellungnahme des RfII ist ein bedeutender Beitrag zur Diskussion über die zukünftige Gestaltung der wissenschaftlichen Landschaft in Europa. Sie reflektiert nicht nur die aktuellen Herausforderungen, sondern auch die Chancen, die sich aus einer engen Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten ergeben können. Der Rat fordert alle Beteiligten auf, die Vielfalt der nationalen Systeme zu würdigen und gleichzeitig eine integrative und kooperative Herangehensweise zu fördern, um die europäische Forschungslandschaft weiterzuentwickeln und zu stärken.
Insgesamt ist die Initiative für den ERA Act ein wichtiger Schritt, um die wissenschaftliche Zusammenarbeit in Europa zu intensivieren und die Grundlagen für eine zukunftsfähige Forschung zu legen. Die Stimmen des RfII und die Empfehlungen zur Einbeziehung aller relevanten Akteure sind entscheidend, um einen erfolgreichen und nachhaltigen ERA Act zu gestalten, der den Bedürfnissen der europäischen Forschungsgemeinschaft gerecht wird.


















































