
Permafrost ist ein faszinierendes und gleichzeitig besorgniserregendes Phänomen, besonders in den Alpen, wo er eine zentrale Rolle im geologischen Gleichgewicht spielt. Robert Kenner, ein renommierter Permafrost-Forscher, hat kürzlich eine umfassende Analyse des Verhaltens von Permafrost und seinen Auswirkungen auf die alpine Landschaft veröffentlicht. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass das Schmelzen des Permafrosts und die Gletschererwärmung eng miteinander verknüpft sind und ernsthafte Folgen für die Stabilität der Bergregionen haben können.
Ein Bergsturz, wie er in den Alpen beobachtet wird, entsteht durch eine besondere Kombination von geologischen Faktoren. Zunächst müssen die Eigenschaften des Gesteins sowie die Struktur und die Steilheit des Hangs stimmen, um eine Instabilität zu begünstigen. Jeder Berg weist Schwächezonen auf, die, wenn sie ungünstig ausgerichtet sind, durch die Schwerkraft über lange Zeiträume hinweg zu Brüchen führen können. Die Gletscher haben in der Vergangenheit durch Erosion die Basis der Hänge geschwächt, was dazu geführt hat, dass einige von ihnen zu steil geworden sind, um langfristig stabil zu bleiben.
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Permafrost als „Kleber“ fungiert, der die Berge zusammenhält. In Wirklichkeit spielt Permafrost eine komplexe Rolle im Gebirge. Er kann zwar kleine Mengen von Lockergestein stabilisieren, hat jedoch bei größeren Belastungen eine plastische Verhaltensweise und gibt dem Druck nach. Langfristig kann Permafrost sogar destabilisierende Effekte haben, weil das langsame Wachstum von Eis in Rissen zur Zerrüttung des Gesteins führt. In kalten Bedingungen kann Permafrost jedoch als eine Art Dichtstoff fungieren, der das Eindringen von Wasser verhindert.
Wasser, das in die Klüfte eindringt, kann erhebliche Spannungen im Gestein erzeugen. In bestimmten Fällen kann das Wasser in den tieferen Schichten wieder gefrieren, was zu enormen Eisdrücken führt, die vergleichbar sind mit dem Druck in einer Tiefe von 1000 Metern unter Wasser. Ein Beispiel dafür ist der Spitzen Stei in Kandersteg, wo das eindringende Wasser eine Mergelschicht an der Basis der Felsmasse geschwächt hat, während gleichzeitig im Sommer durch die Schneeschmelze hoher Wasserdruck im Berg entsteht, was die Hangbewegung beschleunigt.
Diese Phänomene sind nicht auf Einzelfälle beschränkt. Der Bergsturz am Pizzo Cengalo im Jahr 2011 offenbarte massive Eiskeile, die auf eine langfristige schädliche Wirkung des Permafrosts hinweisen. In den folgenden Jahren wurden an diesem Ort hohe Wasserdrücke festgestellt, die im Anriss von 2017 sogar Höhen von über 80 Metern erreichten. Ein weiterer Bergsturz am Piz Scerscen 2024 verdeutlicht die Problematik, als die Gletscheroberfläche so stark erwärmte, dass Schmelzwasser in den Berg eindringen konnte, wo es dann wieder gefror.
Im Gegensatz dazu wurden am Kleinen Nesthorn keine Anzeichen der zuvor beschriebenen Prozesse festgestellt. Die Felsmasse in diesem Gebiet war trocken und eisfrei, was darauf hindeutet, dass der Permafrost hier möglicherweise zu kalt war, um Wasser eindringen zu lassen. Diese geologischen Bedingungen führten dazu, dass der Materialabsturz in kleinen Paketen erfolgte, ohne signifikante Hanginstabilität.
Die Frage, ob große Bergstürze durch die Erderwärmung zunehmen werden, ist komplex. Im Permafrostgebiet, das sich in Höhenlagen über 3000 Metern erstreckt, scheint dies wahrscheinlich, doch bleibt die Häufigkeit solcher Ereignisse ungewiss. Bisher fehlen systematische Erfassungen von Felsstürzen im Hochgebirge, was eine statistische Bewertung erschwert. Während kleinere Felsstürze im Zusammenhang mit dem Klimawandel zunehmen, deuten die Daten darauf hin, dass große Bergstürze in Zukunft weiterhin seltene Ereignisse bleiben werden.
Permafrost, der als gefrorener Boden, Fels oder Schutt definiert ist, bleibt konstant unter 0 Grad Celsius und erstreckt sich mehrere hundert Meter tief in den Alpen. Die Oberfläche, die sogenannte Auftauschicht, wechselt jedoch saisonal und taut jeden Sommer bis zu zwei Meter tief auf. In der Schweiz findet sich Permafrost oberhalb von 2500 Metern über dem Meeresspiegel und ist an Block- und Hängeg


















































