
In der heutigen Zeit hat sich die Art und Weise, wie wir essen, grundlegend gewandelt. Essen ist nicht mehr nur ein Akt der Nahrungsaufnahme, sondern wird stark von digitalen Angeboten und sozialen Medien beeinflusst. Besonders in großen Städten, wo Fast-Food-Lieferdienste und digitale Plattformen dominieren, hat sich die Verfügbarkeit und Attraktivität von Lebensmitteln verändert. Ein Forschungsprojekt an der Universität Augsburg, genannt „NutriAIDE“, hat diese Entwicklungen in indischen Städten sowie in Mexiko untersucht. Ziel des Projekts war es, durch eine appbasierte Lösung die Essensentscheidungen der Menschen gesünder und nachhaltiger zu gestalten. Die ersten Ergebnisse des Projekts sind vielversprechend, und es wird weiterhin an der Auswertung der gesammelten Daten gearbeitet.
Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, welche Faktoren die Essensentscheidungen der Menschen beeinflussen und wie diese so verändert werden können, dass gesündere und umweltfreundlichere Optionen leichter zugänglich sind. Hierbei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle, darunter das Angebot an Lebensmitteln, deren Verfügbarkeit, Werbung, soziale Normen und die digitale Vermittlung von Informationen.
Ein auffälliger Trend, der in den Forschungsarbeiten festgestellt wurde, ist der zunehmende Konsum von „outside foods“, also von Lebensmitteln, die außerhalb des eigenen Haushalts zubereitet werden. Diese Entwicklung ist besonders in Ländern wie Indien und Mexiko zu beobachten und hängt eng mit den sozialen Erwartungen, digitalen Plattformen und den veränderten Alltagsroutinen der Menschen zusammen. Durch Interviews mit 53 Personen in Hyderabad und Mérida konnte das Forschungsteam wertvolle Einblicke gewinnen. Dr. Merle Müller-Hansen, die an dem Projekt mitarbeitet, betont, dass digitale Plattformen oft mehr Einfluss auf Essensentscheidungen haben, als den meisten Menschen bewusst ist. Sie formen nicht nur die Sichtbarkeit von Lebensmitteln, sondern auch deren Verfügbarkeit und gesellschaftliche Wahrnehmung.
Interessanterweise zeigt das Projekt, dass viele Nutzer von digitalen Angeboten hoffen, bessere Informationen über gesunde Ernährung zu erhalten. Dennoch gaben etwa 70 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Essgewohnheiten durch Online-Lieferdienste negativ verändert haben und sie sich ungesünder ernähren. Vor diesem Hintergrund wurde die „NutriAIDE“-App entwickelt, die als Gegenentwurf zu kommerziellen Angeboten fungiert. Diese App zielt darauf ab, den Nutzern wissenschaftlich fundierte und verlässliche Informationen zu bieten, um ihre Ernährungsgewohnheiten zu verbessern.
Die „NutriAIDE“-App ermöglicht es den Nutzern, ihre Essgewohnheiten in verschiedenen Alltagssituationen zu dokumentieren und zu bewerten. Das Ziel ist es, von stark verarbeiteten Lebensmitteln mit hohen Zucker-, Salz- und Fettgehalten hin zu nahrhaften, lokal produzierten und pflanzlichen Lebensmitteln zu wechseln. Anstatt Kalorien zu zählen, konzentriert sich die App auf die Nährstoffqualität und die Umweltbelastung der Lebensmittel, um nachhaltigere Entscheidungen zu fördern.
Das Projekt ist transdisziplinär angelegt und verbindet verschiedene Fachrichtungen wie Ernährungswissenschaft, Geographie, Psychologie sowie Forschung zu Nachhaltigkeit und Klimaresilienz. Die App wird in Zusammenarbeit mit dem indischen Softwarepartner Calvry Wellness Solutions Ltd. entwickelt. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat fördert das Projekt, an dem neben der Universität Augsburg auch das Wuppertal Institut, das ICMR National Institute of Nutrition und das Deutsche Institut für Ernährungsforschung beteiligt sind. Die Universität Augsburg spielt eine Schlüsselrolle im Projekt, indem sie das Management und die Koordination übernimmt und die Beziehung zwischen Konsumverhalten, Essgewohnheiten und Gesundheitszustand analysiert.
Professor Dr. Markus Keck, der das Projekt leitet, hebt hervor, dass die Initiative Gesundheitsforschung, Klimaresilienz und digitale Innovation vereint, um die Entscheidungsfindung im Alltag zu verbessern. Das Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse so aufzubereiten, dass die Menschen ihre Routinen nachhaltig verändern können und somit die Städte gesünder werden.
Die Forschungsergebnisse sind nicht nur für Indien von Bedeutung. Sie zeigen, dass sich Essgewohnheiten in urbanen Lebensräumen schnell verändern können und dass die Digitalisierung diesen Prozess beschleunigt. Normen, Angebote und Alltagspraktiken verschieben sich gleichzeitig, was das Projekt sichtbar macht. Auch nach dem Abschluss der Studie werden die Ergebnisse weiter analysiert und veröffentlicht, um einen wertvollen Beitrag zur Diskussion über gesunde und nachhaltige Ernährung zu leisten.


















































