Elektromagnetische Störungen und ihre Auswirkungen auf die Orientierung von Mückenfledermäusen**

Elektromagnetische Störungen und ihre Auswirkungen auf die Orientierung von Mückenfledermäusen**

Eine neue Studie, die im renommierten Wissenschaftsjournal Science veröffentlicht wurde, beleuchtet die Auswirkungen von elektrosmog auf die Orientierung von Mückenfledermäusen. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Oliver Lindecke von der Universität Oldenburg hat herausgefunden, dass schwache elektromagnetische Felder, die im Frequenzbereich von Langwellen bis Ultrakurzwellen liegen, die Navigationsfähigkeiten dieser kleinen Säugetiere erheblich beeinträchtigen können. Diese Erkenntnisse werfen ein neues Licht auf die möglichen Veränderungen im Verhalten von Tieren, die durch menschliche Aktivitäten verursacht werden.

Die Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf wildlebende Tiere sind bislang kaum ausreichend erforscht. Bisherige Studien hatten vor allem den Einfluss von Elektrosmog auf Zugvögel untersucht, bei denen bereits seit 2014 bekannt ist, dass dieser den Magnetkompass stören kann. Die Auswirkungen auf andere Tierarten, insbesondere Säugetiere wie die Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus), standen jedoch bislang im Schatten.

Die Mückenfledermaus nutzt das Erdmagnetfeld für ihre Wanderungen, was Dr. Lindecke und sein Team dazu veranlasste, die Reaktionen dieser Tiere auf elektromagnetische Störfelder zu untersuchen. In der vorliegenden Studie wurden 34 Mückenfledermäuse in einer kontrollierten Umgebung zunächst für 30 Minuten schwache elektromagnetische Strahlung ausgesetzt, während sie den Sonnenuntergang erlebten. Anschließend wurden die Tiere einzeln in einem Feldlabor freigelassen, um ihre Abflugrichtung zu bestimmen. Die Forscher konnten dabei beobachten, dass die Fledermäuse, die dem Elektrosmog ausgesetzt waren, ihre Abflugrichtung zufällig wählten, während die Tiere aus der Kontrollgruppe in eine bevorzugte Richtung flogen.

In einem weiteren Experiment wurden 28 Mückenfledermäuse erst nach Sonnenuntergang elektromagnetischem Rauschen ausgesetzt. Auch hier zeigte sich, dass die Orientierung der Tiere beeinträchtigt war. Überraschenderweise hielt dieser Effekt mehrere Stunden an, obwohl die Tiere nur kurzzeitig dem Störfeld ausgesetzt waren und ihre Kompasskalibrierung bereits stattgefunden hatte. Dr. Lindecke äußerte sich überrascht über diese Ergebnisse, da frühere Studien an Zugvögeln darauf hindeuteten, dass deren Magnetsinn sofort wieder funktionierte, sobald sie nicht mehr in einem elektromagnetischen Störfeld waren.

Die Studie legt nahe, dass Elektrosmog möglicherweise auf komplexere Weise das Verhalten von Tieren beeinflusst, als bisher angenommen. Bisher war man der Meinung, dass elektromagnetische Störungen vor allem dann Einfluss auf wandernde Tiere haben könnten, wenn diese während ihrer Migration in die Nähe von Störquellen gelangen. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung deuten jedoch darauf hin, dass bereits eine kurze Exposition zu signifikanten und langanhaltenden Beeinträchtigungen führen kann.

Die Forschung zeigt darüber hinaus, dass das Orientierungssystem der Mückenfledermäuse anders auf elektromagnetische Störungen reagiert als das der Vögel. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Magnetsinn bei Säugetieren auf eine andere Art funktioniert, als man es von Zugvogelarten kennt. Ein nachwirkender Effekt, wie er bei Vögeln in der Regel nicht zu erwarten ist, deutet darauf hin, dass die Mechanismen, die dem Magnetkompass zugrunde liegen, möglicherweise sehr unterschiedlich sind.

Die Wissenschaftler warnen, dass die zunehmende Urbanisierung und die steigende Verbreitung drahtloser Technologien die elektromagnetische Belastung für Wildtiere erhöhen könnten. Diese Entwicklung könnte das Zugverhalten von Tieren zusätzlich negativ beeinflussen. Dr. Lindecke betont, dass die geltenden Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung vor allem auf den Schutz des Menschen abzielen und die Bedürfnisse der Tierwelt nicht ausreichend berücksichtigen.

Die Ergebnisse dieser Studie eröffnen neue Perspektiven für das Verständnis der Interaktionen zwischen Mensch und Natur und unterstreichen die Notwendigkeit, die Auswirkungen menschlicher Technologien auf die Tierwelt eingehender zu erforschen. Es bleibt abzuwarten, wie diese Erkenntnisse in zukünftige Naturschutzstrategien integriert werden können, um die Lebensräume und Wanderungen der Mückenfledermäuse und anderer wildlebender Tiere zu schützen.