
Die geplante Erweiterung von Erdgaskraftwerken in Deutschland, wie sie in der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung festgelegt ist, erweist sich als deutlich übertrieben, wenn man alternative Flexibilitätslösungen in Betracht zieht. Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Studie des Wuppertal Instituts, die im Auftrag von Greenpeace Deutschland durchgeführt wurde. Die Forschung legt dar, dass flexible und umweltfreundliche Lösungen wie Strom- und Wärmespeicher, die Verbesserung der Energieeffizienz sowie flexible Biogaskraftwerke eine kostengünstige und zuverlässige Möglichkeit bieten, um potenzielle Engpässe in der Energieversorgung zu bewältigen. Dadurch könnte der Bedarf an neuen Kraftwerken erheblich reduziert werden.
In dieser Analyse mit dem Titel „Studie zur Lastabdeckung und Versorgungssicherheit in einem zukünftigen Energiesystem mit hohem Anteil von fluktuierenden erneuerbaren Energien“ wird die Diskussion um den Bau neuer Gaskraftwerke erweitert und ein alternativer Weg aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aufgezeigt. Ein integrierter Ansatz, der verschiedene Flexibilitätsoptionen kombiniert, könnte die Schwankungen von Wind- und Solarenergie zumindest mittelfristig zuverlässig ausgleichen. Die Forscher untersuchen in ihrer Studie eine Vielzahl von Optionen, die als Alternativen zu konventionellen, steuerbaren Gaskraftwerken in Betracht gezogen werden können. Dazu zählen unter anderem gezielte Maßnahmen zur Energieeffizienz auf der Nachfrage- und Versorgungsseite, Demand Response in der Industrie, Batteriespeicher, flexible Elektrolyse, Geothermiekraftwerke, steuerbare Wärmepumpen und die Überbauung bestehender Biogasanlagen, um deren Kapazität zu erhöhen.
Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist, dass die genannten Flexibilitätsoptionen auch so genannte Dunkelflauten – also Perioden, in denen weder Wind weht noch die Sonne scheint – bis zu fünf Tage überbrücken können. Nur in den seltenen Fällen, in denen diese extreme Wetterlage länger anhält, könnten zusätzliche Backup-Kapazitäten erforderlich sein, um die sichere Stromversorgung in Deutschland aufrechtzuerhalten. Energiesystemanalysen prognostizieren, dass im Jahr 2035 eine Versorgungslücke von rund 12 Gigawatt entstehen könnte, wenn die Residuallast – der Teil des Strombedarfs, der nicht durch erneuerbare Energien gedeckt wird – stark ansteigt. Die tatsächliche Größe dieser Lücke und der Umfang, in dem sie durch steuerbare Gaskraftwerke geschlossen werden muss, hängen maßgeblich vom weiteren Ausbau der alternativen Flexibilitätsoptionen ab.
Die Studie hebt hervor, dass durch eine verstärkte Umsetzung von Maßnahmen zur Energieeffizienz, insbesondere in der Wärmedämmung von Gebäuden und in der Nutzung effizienter Industrie- und Beleuchtungstechnologien, die Versorgungslücke signifikant verringert oder sogar ganz geschlossen werden kann. Wenn weitere Backup-Kapazitäten benötigt werden, sollten diese primär durch die Überbauung bestehender Biogasanlagen bereitgestellt werden. Neue Gaskraftwerke sollten nur dann errichtet werden, wenn eine vollständige Umstellung auf grünen Wasserstoff in der Zukunft möglich ist. Dieser Ansatz könnte sowohl die Versorgungssicherheit als auch den Klimaschutz fördern. Die Umstellung auf Wasserstoff wird von den Autoren der Studie ab etwa 2035 als machbar eingeschätzt.
Für den Zeitraum von 2035 bis 2045 wird in vielen langfristigen Szenarien mit einer wachsenden Deckungslücke gerechnet, was den Bedarf an neuen Wasserstoffkraftwerken als Backup-Lösungen erhöhen könnte, insbesondere aufgrund des steigenden Strombedarfs durch die Elektrifizierung. In diesem Kontext ist der rechtzeitige Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur von entscheidender Bedeutung.
Dr. Stefan Thomas, Leiter der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut, betont: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass es fraglich ist, ob die von der Bundesregierung im Rahmen der Kraftwerksstrategie geplanten neuen Kapazitäten bis 2032 tatsächlich erforderlich sind.“ Er fügt hinzu, dass anstelle einer primären Fokussierung auf neue Gaskraftwerke die Potenziale alternativer Flexibilitätslösungen für die Reduzierung oder Deckung der Residuallast vorrangig genutzt werden sollten. Diese Optionen sind nicht nur kostengünstiger und schneller umsetzbar, sondern tragen auch zur Bereitstellung von Regelleistung, Schwarzstartfähigkeit und Redispatch bei, die für eine zuverlässige und effiziente Stromversorgung in Deutschland unerlässlich sind.
Die Studie ist online verfügbar und lädt zur Diskussion über einen nachhaltigeren Umgang mit der Energiezukunft ein, die die


















































