Der digitale Produktpass: Ein neuer Standard für transparente Produktinformationen**

Der digitale Produktpass: Ein neuer Standard für transparente Produktinformationen**

Der digitale Produktpass (DPP) ist ein Konzept, das zunehmend an Bedeutung gewinnt und nun mit den neuesten europäischen Standards konkretisiert wurde. Diese Standards wurden kürzlich auf der internationalen Fachkonferenz DPP4EU 2026 in Brüssel vorgestellt. Das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK hat eine zentrale Rolle bei der Entwicklung dieser Standards gespielt und bietet Unterstützung für Unternehmen und Verbände an, die den DPP implementieren möchten.

Der digitale Produktpass basiert auf der Idee, dass Verbraucher, Unternehmen und Behörden während des gesamten Lebenszyklus eines Produkts, von der Herstellung über die Nutzung bis hin zur Wiederverwertung, transparente Informationen erhalten. Die Einführung des Batteriepasses im Jahr 2023 durch die EU-Batterieverordnung war der erste Schritt in diese Richtung. In den kommenden Jahren sollen weitere Produktkategorien folgen, darunter Textilien, Elektronikgeräte, Möbel und Baumaterialien. Um eine einheitliche und effektive Implementierung zu gewährleisten, ist es entscheidend, dass die zugrunde liegenden technischen Normen harmonisiert und interoperabel gestaltet werden.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Knothe, Leiter des Geschäftsprozess- und Fabrikmanagements am Fraunhofer IPK und Vorsitzender des CEN CLC JTC 24, betont die Wichtigkeit, die entwickelten Standards mit konkreten Anwendungen zu füllen. Ein Standard allein bewirkt noch keine Veränderung. Daher ist es unerlässlich, konkrete Implementierungen, offene Werkzeuge und spezifische Lösungen zu schaffen, die Unternehmen den Einstieg erleichtern.

Um die Barrieren für Unternehmen zu verringern, hat das Team von Knothe in Zusammenarbeit mit Partnern wie der GEFEG mbH und der Technischen Universität Berlin ein Open-Source-Testsystem entwickelt. Dieses System ermöglicht es Organisationen, ihre DPP-Implementierungen zu validieren. Darüber hinaus wurden sektorspezifische Referenzsysteme, insbesondere für den Bereich Batterien, erstellt. Diese Referenzsysteme bieten einen gemeinsamen Orientierungsrahmen für Unternehmen und Verbände, um die Implementierung des DPP zu beschleunigen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der Aufbau eines Systems mit diesen Referenzen deutlich schneller und einfacher gelingt als mit herkömmlichen Methoden.

Die Konferenz DPP4EU 2026 bietet eine Plattform, um diese Themen vertiefend zu erörtern. Am ersten Tag der Konferenz wird im Stream zur Standardisierung diskutiert, wie die erarbeiteten Standards bereits heute offen implementiert werden können. In der Session „Solutions for Challenges“ präsentieren Systemanbieter konkrete technische Lösungen, die es Unternehmen erleichtern, die neuen Standards wirtschaftlich und konform umzusetzen. Hierbei werden verschiedene Systeme vorgestellt, die von technischen Ökosystemen bis hin zu spezifischen Testumgebungen reichen.

Ein wichtiges Ziel des digitalen Produktpasses ist die internationale Standardisierung, um eine globale Interoperabilität zu gewährleisten. Prof. Knothe engagiert sich aktiv in der internationalen Standardisierungslandschaft unter dem Dach von ISO und IEC. Dies ist entscheidend, denn nur durch eine aktive Mitgestaltung der internationalen Standards kann sichergestellt werden, dass europäische DPP-Lösungen auch weltweit kompatibel sind. Die Diskussionen im Abschluss-Panel der Konferenz werden die Bedeutung dieser Interoperabilität unterstreichen und den Austausch zwischen verschiedenen Akteuren fördern.

Am zweiten Tag der Konferenz werden die Herausforderungen und Chancen, die mit der Umsetzung des DPP verbunden sind, im Vordergrund stehen. Ein hochrangiges Panel wird die nächsten Schritte in der Entwicklung des DPP erörtern und die Vision einer globalen Produktdateninfrastruktur vorstellen. Das Fraunhofer IPK sieht den digitalen Produktpass nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt für die Schaffung eines globalen Produktdatenökosystems. Diese Offenheit und Interoperabilität sind nicht nur für Unternehmen von Vorteil, sondern kommen auch den Verbrauchern zugute.

Das Team am Fraunhofer IPK arbeitet unter anderem an einer KI-gestützten DPP-Lösung zur Sanierung von Elektroinstallationen in Gebäuden. Diese Lösung ermöglicht Handwerksunternehmen, schon vor Beginn der Arbeiten effiziente und nachhaltige Ansätze zu wählen, was besonders angesichts der vielen energetisch sanierungsbedürftigen Gebäude in Deutschland von großer Bedeutung ist.

Insgesamt bietet der digitale Produktpass die Chance, Transparenz und Effizienz in der Produktinformation zu fördern und stellt somit ein wichtiges Instrument für die Industrie und den Handel dar.