
In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Schildkrötenarten, von denen die meisten nicht heimisch sind. Eine neue Studie hat ergeben, dass unter den insgesamt 15 Schildkrötenarten, die in Deutschland nachgewiesen wurden, 14 Arten aus anderen Regionen eingeführt wurden. Diese Ergebnisse basieren auf einer umfassenden Analyse von 1.770 Beobachtungen und zeigen, dass nur die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) tatsächlich als heimisch gelten kann. Die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta) ist unter den eingeführten Arten die am häufigsten vorkommende und ist hauptsächlich das Resultat von Aussetzungen.
Die Studie, die von Dr. Melita Vamberger von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen geleitet wurde, zeigt, dass die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte in Deutschland weit verbreitet ist. Diese Art ist ursprünglich in der Mississippi-Region der USA beheimatet und hat sich mittlerweile weltweit ausgebreitet, mit Ausnahme der Antarktis. Im Jahr 2016 wurde sie in die Liste der unerwünschten Arten der EU aufgenommen. In Deutschland hat sich diese Schildkröte mit einer Panzerlänge von etwa 13 bis 25 Zentimetern in vielen Gewässern etabliert.
Die Forscher haben sich nicht nur auf die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte konzentriert, sondern auch andere nicht-heimische Wasserschildkrötenarten untersucht. Dr. Vamberger und ihre Kollegen, einschließlich der Erstautorin Hedi Schloddarick, haben sich gefragt, wie viele verschiedene nicht-heimische Schildkrötenarten in Deutschland leben, wie deren Verbreitung aussieht und inwiefern menschliche Aktivitäten dabei eine Rolle spielen. Aus ihrer Untersuchung geht hervor, dass 14 nicht-heimische Arten in Deutschland identifiziert wurden. Die Europäische Sumpfschildkröte, obwohl ursprünglich hier beheimatet, ist in den meisten Beständen das Ergebnis von Aussetzungen und gilt daher als nicht heimisch.
Von den 1.770 Nachweisen entfallen allein 1237 auf die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte, was etwa 70 Prozent der gesamten Beobachtungen ausmacht. Weitere häufig vorkommende Arten sind die Gewöhnliche Schmuckschildkröte (Pseudemys concinna) und die Falsche Landkarten-Höckerschildkröte (Graptemys pseudogeographica).
Die Studie zeigt auch einen klaren Zusammenhang zwischen Urbanisierung und der Verbreitung dieser Schildkrötenarten. Besonders in städtischen Gebieten wie Hamburg, dem Ruhrgebiet, Frankfurt, Heidelberg, Freiburg, Stuttgart und München gibt es eine hohe Dichte an nicht-heimischen Schildkröten. Im Osten Deutschlands ist die Verbreitung auf Berlin und einige Gebiete bei Leipzig beschränkt. Dieses Muster deutet darauf hin, dass menschliche Präsenz und Aktivitäten, insbesondere das Aussetzen von Haustieren, maßgeblich zur Verbreitung dieser Schildkrötenarten beigetragen haben.
Ein Grund für die weite Verbreitung bestimmter Arten könnte ihre Beliebtheit als Haustiere sein. Schildkröten wie die Trachemys scripta sind pflegeleicht, ansprechend im Aussehen und wurden lange Zeit günstig angeboten. Seit den 1950er Jahren wurden Millionen dieser Art weltweit verkauft. Nachdem die EU 1997 den Import dieser Unterart aufgrund ihres hohen Invasionsrisikos verbot, stieg der Handel mit anderen Unterarten und Hybriden.
Bislang haben sich drei der 14 nicht-heimischen Schildkrötenarten in Deutschland erfolgreich etabliert und fortgepflanzt, wobei die Trachemys scripta als invasiv eingestuft ist. Angesichts des Klimawandels könnte es in Zukunft jedoch zu einer weiteren Ausbreitung kommen, was möglicherweise negative Auswirkungen auf die heimischen Ökosysteme haben könnte.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind Dialoge zwischen verschiedenen Interessengruppen erforderlich, um praktikable Lösungen für den Umgang mit nicht-heimischen Arten zu entwickeln. In diesem Zusammenhang wurde das Projekt „AquaSchild“ ins Leben gerufen, das sich mit der Entwicklung von Strategien zur Kontrolle und Aufklärung über invasive Arten beschäftigt. Zudem können Bürger über Plattformen wie iNaturalist zur Beobachtung und Dokumentation von Schildkrötenarten beitragen, um die Verbreitung dieser Arten besser zu verstehen und gezielte Schutzmaßnahmen zu entwickeln.


















































