Acht Strategien zum Schutz und zur Wiederherstellung von Seegraswiesen in Europa**

Acht Strategien zum Schutz und zur Wiederherstellung von Seegraswiesen in Europa**

Die Erhaltung und Wiederherstellung von Seegraswiesen in Europa ist ein drängendes Anliegen, das nun durch ein gemeinsames Forschungsprojekt von über 50 Wissenschaftlern aus 17 europäischen Ländern in Angriff genommen wird. Diese Experten haben die „European Seagrass Recommendations 2026“ entwickelt, die einen klaren Handlungsrahmen für politische Entscheidungsträger, Behörden, Förderinstitutionen und die Praxis bieten. Ziel dieser Empfehlungen ist es, den Rückgang der Seegraswiesen zu stoppen und deren Wiederansiedlung in europäischen Gewässern zu fördern.

Seegraswiesen sind von größter ökologischer Bedeutung. Sie tragen zur Filtration des Meerwassers bei, speichern Kohlenstoff, bieten zahlreichen Meeresarten Lebensraum und Nahrung und mildern die Wellenkraft an den Küsten. Trotz ihrer unbestreitbaren Vorteile sind viele Seegraswiesen in den letzten Jahrzehnten erheblich geschrumpft. Die Ursachen sind vielfältig: Ansteigende Wassertemperaturen, übermäßiges Algenwachstum, Küstenbebauung und intensive menschliche Nutzung haben diesen Lebensraum stark gefährdet. Um dieser bedrohlichen Entwicklung entgegenzuwirken, hat die European Seagrass Restoration Alliance (ESRA) jetzt umfassende Empfehlungen veröffentlicht, die auf den Ergebnissen des zweiten European Seagrass Restoration Workshops im April 2025 basieren.

Die „European Seagrass Recommendations 2026“ stellen den ersten europaweiten Konsens dar, wie Seegraswiesen effektiv geschützt, überwacht und wiederhergestellt werden können. Laut Dr. Esther Thomsen, einer Meeresbiologin am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, besteht ein klarer wissenschaftlicher Kenntnisstand sowie die notwendigen Werkzeuge, um positive Veränderungen herbeizuführen. Auch Dr. Maike Paul vom Ludwig-Franzius-Institut der Leibniz Universität Hannover betont die Notwendigkeit politischer Unterstützung und günstiger Rahmenbedingungen, um eine erfolgreiche Umsetzung der Empfehlungen zu gewährleisten. Diese Strategie könnte nicht nur die Einhaltung der EU-Wiederherstellungsverordnung unterstützen, sondern auch für Nicht-EU-Staaten von Bedeutung sein.

Die Empfehlungen erstrecken sich über den gesamten Prozess der Wiederherstellung von Seegraswiesen. Dazu gehört der Schutz bestehender Wiesen, die Minderung menschlicher Belastungen, die Durchführung großflächiger Wiederansiedlungsmaßnahmen, die langfristige Überwachung der Bestände sowie der Aufbau nachhaltiger Quellen für Pflanzmaterial. Die Autor:innen fordern zudem eine bessere Integration von Umweltpolitik und praktischer Umsetzung, eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren sowie eine langfristige Finanzierung der Maßnahmen. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Einbindung lokaler Gemeinschaften, um Transparenz in der Datennutzung zu gewährleisten und gemeinsame ethische Standards zu entwickeln.

Die europäische Zusammenarbeit wird als Schlüssel zu den angestrebten Zielen hervorgehoben. Durch die Vernetzung und den Austausch über Fachgrenzen hinweg können größere Fortschritte erzielt werden. Prof. Dr. Thorsten Reusch vom GEOMAR, der den Prozess als wissenschaftlicher Berater begleitete, hebt hervor, dass kollektive Anstrengungen weitreichendere Auswirkungen haben können als isolierte Maßnahmen. Die ESRA fördert aktiv den Dialog zwischen Forschung und Politik, um die Umsetzung der Empfehlungen voranzutreiben.

Insgesamt tragen die jetzt veröffentlichten Empfehlungen dazu bei, das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Seegraswiesen zu stärken und bieten praktische Ansätze, um den Rückgang dieser wertvollen Ökosysteme zu stoppen. Die Zusammenarbeit innerhalb Europas wird als unabdingbar erachtet, um den Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Schutz und der Wiederherstellung von Seegraswiesen erfolgreich zu begegnen. Die „European Seagrass Recommendations 2026“ sind damit nicht nur ein wissenschaftliches Dokument, sondern auch ein Aufruf zur gemeinsamen Verantwortung für die Erhaltung eines der wertvollsten Lebensräume der Meere.

Für weitere Informationen über die europäische Seegrasforschung und die entsprechenden Empfehlungen können interessierte Parteien die Webseite des GEOMAR Helmholtz-Zentrums besuchen, auf der auch Materialien zur Seegrasforschung bereitgestellt werden.