
Forschende des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), haben kürzlich eine umfassende Studie veröffentlicht, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die arktischen Flussdeltas untersucht. Diese Deltas, die durch große Flüsse wie die Lena in Sibirien und den Mackenzie River in Kanada gebildet werden, spielen eine entscheidende Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Sie speichern große Mengen Kohlenstoff, der in gefrorenen Böden und Sedimenten gebunden ist, und sind daher von großer Bedeutung für das Verständnis der Klimaveränderungen in der Arktis.
In ihrer Studie, die im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht wurde, haben die Wissenschaftler erstmals detaillierte Informationen über die Kohlenstoffspeicher in diesen Deltas zusammengetragen. Dabei stellten sie fest, dass in arktischen Flussdeltas etwa 57,5 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert sind, was rund 5 Prozent des gesamten in Permafrost gebundenen Kohlenstoffs ausmacht. Diese beeindruckende Menge ist auf nur ein Prozent der globalen Permafrostfläche konzentriert, was die Bedeutung dieser Region unterstreicht.
Die Permafrostregion der Arktis erstreckt sich über etwa ein Viertel der Landfläche der Nordhalbkugel und enthält große Mengen organischen Kohlenstoffs, der über Jahrtausende in Form von abgestorbenen Pflanzenresten angereichert wurde. Bislang war dieser Kohlenstoff relativ stabil, doch die steigenden globalen Temperaturen führen zu einem Tauprozess des Permafrosts. Dies hat zur Folge, dass Mikroorganismen aktiv werden, die das organische Material abbauen und dabei Kohlenstoff in Form von CO2 und Methan freisetzen. Dies könnte die Erderwärmung weiter beschleunigen, was die Forscher alarmiert.
Das Forschungsteam um Matthias Fuchs, einen Postdoc am AWI, hat sich darauf spezialisiert, die Kohlenstoffvorräte in arktischen Deltas zu quantifizieren. In der Vergangenheit war die Forschung auf diese spezifischen Gebiete eher begrenzt, und viele Studien konzentrierten sich auf die großen Flüsse. In ihrer neuen Untersuchung haben die Wissenschaftler jedoch Daten von mehr als 1.600 Bodenproben aus 17 verschiedenen arktischen Deltas zusammengetragen, was die Anzahl der untersuchten Proben im Vergleich zu vorherigen Studien fast verdreifacht.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Flussdeltas nicht nur immense Mengen Kohlenstoff speichern, sondern auch stark gefährdet sind. Mehrere Faktoren, die durch den Klimawandel bedingt sind, setzen diese empfindlichen Ökosysteme zusätzlich unter Druck. Dazu gehören der Rückgang des Meereises, der Anstieg des Meeresspiegels, die Absenkung des Landes, das Tauen des Permafrosts, längere Tauperioden und steigende Wassertemperaturen der Flüsse. Diese destabilisierenden Elemente wirken in einem ohnehin schon dynamischen und komplexen System zusammen und gefährden die Speicherung des Kohlenstoffs in den Deltas.
Guido Grosse, der Leiter der Sektion Permafrostforschung am AWI, erklärt, dass die Deltas von arktischen Flüssen ein kritisches Element im globalen Kohlenstoffkreislauf darstellen. Sie speichern auf einer relativ kleinen Fläche eine bedeutende Menge Kohlenstoff und sind gleichzeitig den vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt. Daher ist es für zukünftige Klimamodelle entscheidend, die Mündungsgebiete dieser Flüsse intensiver zu untersuchen, um die Auswirkungen dieser Veränderungen besser vorhersagen zu können.
Insgesamt verdeutlicht diese Forschung die Dringlichkeit, die Vulnerabilität der arktischen Flussdeltas zu erkennen und die potenziellen Folgen des Klimawandels auf diese wichtigen Kohlenstoffspeicher zu verstehen. Die Erkenntnisse aus dieser Studie könnten dazu beitragen, gezielte Schutzmaßnahmen zu entwickeln, um die Stabilität dieser empfindlichen Ökosysteme zu bewahren und somit die globalen Klimaziele effektiver zu erreichen.


















































