
Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) haben in einer bahnbrechenden Studie im Illgraben im Kanton Wallis den ersten umfassenden Überblick über Murgänge und deren Wellenbildung auf einer Strecke von zwei Kilometern gewonnen. Diese Messungen bieten wertvolle Einblicke in das Verhalten von Murgängen und deren mögliche Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden, insbesondere in Bezug auf die Sicherheit vor Hochwasser.
Murgänge sind eine besondere Form von Erdrutschen, die durch eine Mischung aus Wasser, Schlamm und Gestein charakterisiert sind. Sie können sich mit enormer Geschwindigkeit und Kraft in Bachbetten oder Rinnen bewegen und entstehen oft in Gebieten mit steilen Hängen und starkem Niederschlag. In der Schweiz sind Murgänge im Illgraben besonders häufig, was diesen Ort zu einem idealen Forschungsfeld macht. Hier können Wissenschaftler die Dynamik dieser Naturphänomene systematisch untersuchen.
Traditionell werden Daten über Murgänge oft nur punktuell erfasst, da die Installation von Messstationen aufwendig und kostspielig ist. Bisher war es schwierig, die genauen Abläufe und die Entstehung von Wellen innerhalb eines Murgangs zu verstehen. Um diese Lücke in der Forschung zu schließen, haben die WSL-Forschenden eine innovative Methode entwickelt, bei der entlang des Illgrabens Geofone installiert wurden. Diese kleinen Messgeräte sind in der Lage, Bodenerschütterungen aufzuzeichnen und ermöglichen so eine umfassende Analyse der Murgänge über eine längere Distanz.
Die gesammelten Daten zeigen, dass die Wellen, die sich während eines Murgangs bilden, mit zunehmender Entfernung zum Ausgangspunkt größer werden. Zudem wandert der Bereich, in dem die Wellen entstehen, ebenfalls talwärts. Diese Erkenntnisse sind neu und tragen dazu bei, das Verständnis der Wellenbildung in Murgängen erheblich zu erweitern. Der Geophysiker Christoph Wetter, einer der Hauptautoren der Studie, betont die Bedeutung dieser neuen Messmethoden: „Wir können jetzt den gesamten Verlauf eines Murgangs sowohl zeitlich als auch räumlich nachvollziehen.“
Ein weiteres interessantes Ergebnis der Forschung ist, dass die Wellen nicht an Größe verlieren, wenn sie Wildbachsperren passieren. Diese Sperren sind nicht dazu gedacht, die Murgänge abzumildern, sondern vielmehr, sie in eine bestimmte Richtung zu lenken und die Stabilität des Bachbetts zu gewährleisten. Diese Erkenntnis ist besonders relevant für Gemeinden, die sich in der Nähe von murganggefährdeten Wildbächen befinden. Während die bestehende Infrastruktur am Illgraben einen gewissen Schutz bietet, ist es wichtig, dass auch andere betroffene Orte ähnliche Schutzmaßnahmen ergreifen, um potenzielle Risiken zu minimieren.
Die Ergebnisse dieser Studie sind nicht nur für die wissenschaftliche Gemeinschaft von Bedeutung, sondern auch für die Planung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen in den betroffenen Regionen. Die gewonnenen Daten ermöglichen es den Gemeinden, fundiertere Entscheidungen darüber zu treffen, wie sie ihre Infrastruktur gestalten und anpassen können, um den Gefahren von Murgängen besser zu begegnen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Forschung der WSL im Illgraben entscheidende Fortschritte im Verständnis der Murgangdynamik ermöglicht hat. Die neu entwickelten Messmethoden und die daraus gewonnenen Daten könnten einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung des Hochwasserschutzes in der Schweiz leisten. Künftige Studien könnten darauf aufbauen und weitere Erkenntnisse liefern, die sowohl für die Wissenschaft als auch für die betroffenen Gemeinden von großem Nutzen sein könnten.


















































