
Fressen Hyänen tatsächlich Nutztiere oder gefährdete Arten wie Nashörner? Diese Frage hat Forscher interessiert, insbesondere im Kontext des Artenschutzes und der Konflikte zwischen Mensch und Tier. Eine umfassende Studie des Ngorongoro-Hyänen-Projekts, das am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) angesiedelt ist, hat sich mit dieser Thematik auseinander gesetzt. Die Forscher verwendeten über 24 Jahre hinweg DNA-Analysen von Kotproben, um das Nahrungsverhalten der Tüpfelhyänen im Ngorongoro-Krater in Tansania zu untersuchen.
Die Ergebnisse der Studie sind aufschlussreich: Hyänen verzehren nur in seltenen Fällen Nutztiere, und es gibt praktisch keinen Nachweis dafür, dass sie Nashörner fressen. Diese Erkenntnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Wildlife Biology“ veröffentlicht. Das Ngorongoro-Hyänen-Projekt wurde vor 30 Jahren ins Leben gerufen, um die Tüpfelhyänenpopulation in diesem einzigartigen Ökosystem zu erforschen. Das Projekt hat sich zu einem der umfassendsten Langzeitstudien über wilde Säugetiere entwickelt, mit detaillierten Aufzeichnungen über mehr als 3.300 individuelle Hyänen und deren Lebensgeschichten.
Von 1996 bis 2019 sammelten die Forscher über 500 Kotproben von Tüpfelhyänen und analysierten diese mit der sogenannten Metabarcoding-Methode. Diese Technik ermöglicht es, DNA von verschiedenen Beutetieren aus komplexen Proben zu identifizieren. In 371 Proben lieferten die Analysen verwertbare Ergebnisse, wobei insgesamt 434 Nachweise von Beutetierarten aus 20 verschiedenen Arten erbracht wurden.
Besonders auffällig war, dass lediglich vier Prozent der Beutetiere Nutztiere waren, und kein einziges Nashorn in den Proben nachgewiesen wurde. Die häufigste Beute der Hyänen im Ngorongoro-Krater sind Gnus, gefolgt von Zebras und Büffeln. Esel wurden als das am häufigsten nachgewiesene Nutztier identifiziert, gefolgt von Rindern und Ziegen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hyänen in einem Ökosystem, das reich an Wildtieren ist, keinen nennenswerten Einfluss auf die Bestände an gefährdeten Arten wie den Spitzmaulnashörnern haben.
Projektleiter Dr. Oliver Höner betont die Bedeutung dieser Erkenntnisse für das Management von Mensch-Wildtier-Konflikten und den Artenschutz: „Oft werden Entscheidungen über den Einfluss von Raubtieren auf Nutztiere und bedrohte Arten ohne ausreichende Evidenz getroffen. Unsere Forschung soll helfen, evidenzbasierte Entscheidungen zu fördern.“
Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie zeigt, dass ältere Hyänen tendenziell häufiger Nutztiere fressen als jüngere. Die Daten zeigten, dass Hyänen, bei denen DNA von Nutztieren gefunden wurde, im Durchschnitt fast drei Jahre älter waren als solche, die sich ausschließlich von Wildtieren ernährten. Dr. Eve Davidian, Co-Leiterin des Projektes, erklärt, dass ältere Hyänen möglicherweise Schwierigkeiten haben, die wendigen Wildtiere zu jagen und daher auf die leichter zu erlegenden Nutztiere zurückgreifen.
Obwohl Hyänen in der Lage sind, Nutztiere zu erbeuten, bleibt ihre Hauptnahrungsquelle in der Regel die Wildtierpopulation. Diese Präferenz für wilde Huftiere zeigt sich auch in den täglichen Beobachtungen der Forscher, die die Hyänengenerationen über die letzten drei Jahrzehnten hinweg begleitet haben. Die Intelligenz und das Sozialverhalten der Hyänen sind faszinierend und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für zukünftige Forschungen.
Insgesamt zeigt die Studie, dass das Verständnis der Nahrungsgewohnheiten von Hyänen von entscheidender Bedeutung ist, um die Beziehungen zwischen Menschen und Wildtieren zu verbessern und die notwendigen Maßnahmen zum Schutz bedrohter Arten zu entwickeln. Indem wir die tatsächlichen Nahrungsgewohnheiten dieser Tiere besser verstehen, können wir fundierte Entscheidungen treffen, die sowohl den Schutz der Hyänen als auch der bedrohten Arten fördern.


















































