
In einer aktuellen Untersuchung des Helmholtz-Zentrums Hereon zeigt sich, dass Meeresschwämme eine bedeutende Rolle im Umgang mit der Gefährdung durch Methylquecksilber in marinen Nahrungsketten spielen könnten. Diese Entdeckung könnte weitreichende Konsequenzen für die Umweltforschung und den Schutz maritimer Lebensräume haben. Methylquecksilber ist ein starkes Nervengift, das sich in der Nahrungskette anreichert und vor allem in Fischen hohe Konzentrationen erreicht. Diese Belastung stellt nicht nur ein Problem für die Umwelt dar, sondern gefährdet auch die menschliche Gesundheit.
Ein bemerkenswertes Phänomen, das Forscher seit Jahren beobachten, ist, dass Meeresschwämme im Vergleich zu anderen marinen Organismen nur geringe Mengen an Methylquecksilber aufweisen, während sie gleichzeitig hohe Konzentrationen an anorganischem Quecksilber speichern. Bisher wurde angenommen, dass Mikroben, die in Symbiose mit den Schwämmen leben, an diesem Prozess beteiligt sind, indem sie das Methylquecksilber abbauen. Die neue Studie legt jedoch nahe, dass die Ernährungsweise der Schwämme allein möglicherweise ausreichend ist, um dieses Muster zu erklären.
Das Forschungsteam verwendete ein neu entwickeltes Modell namens GOTM-ECOSMO E2E-MERCY, das den Transport verschiedener Quecksilberformen durch Nahrungsnetze simuliert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schwämme große Mengen an gelöster organischer Substanz aus dem Wasser aufnehmen, was dazu führt, dass sie mehr anorganisches Quecksilber und gleichzeitig weniger Methylquecksilber aufnehmen. Insbesondere Schwämme mit einer hohen Dichte an mikrobiellen Symbionten scheinen hierbei besonders effektiv zu sein. Diese Erkenntnisse könnten darauf hindeuten, dass die Funktion der Schwämme im Schadstoffkreislauf neu bewertet werden sollte.
Die Modellierungsergebnisse deuten darauf hin, dass die spezielle Nahrungsaufnahme der Schwämme die Methylquecksilberkonzentrationen in bodennahen Fischarten um mehr als 50 Prozent reduzieren könnte. Diese Erkenntnis ist von großer Bedeutung, da die Belastung durch Methylquecksilber in Europa jährlich volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe verursacht. In Anbetracht dieser ökonomischen und gesundheitlichen Risiken sehen die Forscher ihre Ergebnisse als wichtigen Beitrag zum Schutz mariner Lebensräume.
Zukünftig plant das Forschungsteam, das bisherige eindimensionale Modell in ein dreidimensionales Modell umzuwandeln, um die Auswirkungen von Schwammgemeinschaften unter realistischeren Bedingungen zu untersuchen. Die Hoffnung ist, dass diese Erkenntnisse weitere empirische Studien anregen, die die Rolle von Schwämmen im Schadstoffkreislauf beleuchten.
Das Helmholtz-Zentrum Hereon hat sich zum Ziel gesetzt, eine lebenswerte Welt zu erhalten. Hierzu arbeiten etwa 1000 Mitarbeiter an der Erforschung neuer Technologien und Wissensgenerierung, die die Resilienz und Nachhaltigkeit von Klima, Küste und Mensch fördern. Der interdisziplinäre Ansatz, der von experimentellen Studien über Modellierungen bis hin zu digitalen Zwillingen reicht, soll dazu beitragen, komplexe Systeme besser zu verstehen und praktische Anwendungen zu entwickeln.
Die Ergebnisse dieser aktuellen Studie verdeutlichen die Notwendigkeit, die Rolle von Meeresschwämmen im Umgang mit Umweltgiften zu berücksichtigen. Angesichts ihrer Schlüsselposition in marinen Ökosystemen könnten sie als natürliche Filter fungieren und dazu beitragen, die Belastung durch schädliche Substanzen in marinen Lebensräumen zu reduzieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schwämme nicht nur faszinierende Organismen sind, sondern auch eine wichtige Funktion in der Erhaltung der marinen Gesundheit haben könnten. Ihre Fähigkeit, die Methylquecksilberbelastung in der Nahrungskette zu beeinflussen, könnte einen entscheidenden Beitrag zum Schutz sowohl der Meeresumwelt als auch der menschlichen Gesundheit leisten. Die Forschungsarbeit des Helmholtz-Zentrums Hereon eröffnet neue Perspektiven für den Schutz und die Erhaltung mariner Ökosysteme und ermutigt zu weiteren Studien in diesem Bereich.


















































