Der Insektentaschenrechner: Ein innovatives Tool zur Erfassung der Auswirkungen von Mahd auf die In…

Der Insektentaschenrechner: Ein innovatives Tool zur Erfassung der Auswirkungen von Mahd auf die In…

Darmstadt, 29. Juni 2026 – Forscher der Technischen Universität Darmstadt haben ein neues Online-Tool entwickelt, den sogenannten Insektentaschenrechner, das es ermöglicht, die Anzahl und Vielfalt von Insekten und Spinnen in Wiesen und Rasenflächen genau vorherzusagen. Diese innovative Anwendung bietet nicht nur eine praktische Möglichkeit zur Berechnung der Biodiversität in verschiedenen Grünflächen, sondern macht auch die tiefgreifenden Auswirkungen menschlicher Aktivitäten, insbesondere des Mähens, auf die Insektenpopulationen sichtbar.

Die zentrale Frage, die dieses Tool beantwortet, ist: Wie viele Insekten und Spinnen leben tatsächlich in einem Quadratmeter Wiese und wie beeinflussen unterschiedliche Mähtechniken diese Artenvielfalt? Die Antwort ist alarmierend: Ein einmaliges Mähen kann die Zahl der Insekten und Spinnen um bis zu 73 Prozent reduzieren. Die Relevanz dieser Erkenntnis wird durch die Veröffentlichung einer umfassenden Studie im Fachjournal „Ecological Solutions and Evidence“ untermauert, die die zugrunde liegende Berechnungsformel mit zwölf Einflussfaktoren detailliert darstellt.

Johanna Berger, die Erstautorin der Studie, betont, dass trotz eines wachsenden Bewusstseins für die Biodiversitätskrise wirksamere Maßnahmen zur Bekämpfung derartiger Probleme nach wie vor fehlen. Sie erklärt, dass es für die Wissenschaft entscheidend sei, Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen und durch digitale Werkzeuge wie den Insektentaschenrechner zugänglich zu machen. Wiesen gelten als einer der artenreichsten Lebensräume in Europa, weshalb die Entwicklung dieses Tools im Rahmen des Projekts BioDivKultur, das interdisziplinäre Ansätze verfolgt, von großer Bedeutung ist.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert und hat zum Ziel, die Artenvielfalt zu erhalten. In Kooperation mit anderen Wissenschaftlern aus Deutschland und der Schweiz wurde ein umfangreicher Datensatz von standardisierten Proben erstellt, der die Grundlage für die Vorhersagen des Taschenrechners bildet. Nico Blüthgen, der Seniorautor und Projektsprecher von BioDivKultur, hebt hervor, dass die Analyse der gesammelten Daten zeigt, wie verschiedene Mähmethoden und die Versiegelung von Flächen die Insekten- und Spinnenvielfalt beeinflussen.

Das Tool bietet zwei Benutzeroptionen: einen „Spaziermodus“ für die allgemeine Öffentlichkeit und einen „Profimodus“ für Fachleute in der Grünlandbewirtschaftung. Die Ergebnisse sind beeindruckend: In ungemähten Wiesen wurden bis zu 73 Prozent mehr Arthropoden gefunden als in gemähten Flächen. Diese Auswirkungen variieren jedoch stark je nach Art der Insekten und der spezifischen Mähtechnik. Des Weiteren zeigen die Daten, dass in weniger isolierten ländlichen Gebieten eine höhere Dichte an Insekten und Spinnen zu finden ist als in städtischen Gebieten mit vielen versiegelten Flächen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den die Studie hervorhebt, ist die Notwendigkeit von ungemähten Flächen, sogenannten Refugien. Diese Flächen sind für den Schutz von Insekten und Spinnen unerlässlich, da sie als Rückzugsorte fungieren, in die die Tiere während und nach dem Mähen fliehen können. Innovative Mähtechniken, wie die Rotationsmahd, bei der immer nur ein Teil der Fläche gemäht wird, können zur Erhaltung dieser wichtigen Lebensräume beitragen.

Das Webtool bietet zudem zusätzliche Informationen, einschließlich Verknüpfungen zu Beobachtungen aus dem Citizen-Science-Projekt iNaturalist, FAQs und Einblicke in die Forschungsprozesse hinter der Entwicklung des Insektentaschenrechners. Die Benutzer können selbst berechnen, wie sich unterschiedliche Mähstrategien auf die Insektenpopulationen auswirken. So zeigt eine Beispielrechnung, dass nach dem Mähen einer Fläche von 100 Quadratmetern etwa 13.000 Insekten und Spinnen verbleiben. Wenn jedoch 10 Prozent der Fläche ungemäht bleibt, steigt diese Zahl auf 14.350, und bei 30 Prozent ungemähter Fläche sind es sogar 17.050.

Insgesamt ermöglicht der Insektentaschenrechner eine evidenzbasierte Diskussion über die Nutzung von Grünflächen und trägt dazu bei, die Wichtigkeit der Biodiversität in der Landschaftspflege zu unterstreichen. Die Technische Universität Darmstadt, bekannt für ihre exzellente Forschung und ihren interdisziplinären Ansatz, spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung solcher Tools, die sowohl der Wissenschaft als auch