Energieeffizienz im industriellen Sektor: Ein Rückgang der Priorität trotz wachsender Investitionen…

Energieeffizienz im industriellen Sektor: Ein Rückgang der Priorität trotz wachsender Investitionen…

Die Bedeutung von Energieeffizienz in der Industrie scheint zu sinken, obwohl Unternehmen verstärkt in entsprechende Maßnahmen investieren. Dies ist das zentrale Ergebnis des Energieeffizienz-Index (EEI), der von der Universität Stuttgart erstellt wurde. Laut Professor Alexander Sauer, dem Leiter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP), betrachten viele Unternehmen Energieeffizienz zunehmend nur als ein Mittel zur Kostensenkung und zur Erfüllung gesetzlicher Anforderungen, während sie gleichzeitig andere betriebliche Themen wie Produktentwicklung als gleichwertig oder sogar wichtiger einstufen.

Der aktuelle EEI zeigt, dass die Investitionen in Energieeffizienz-Maßnahmen, die in den letzten Jahren stetig gestiegen sind, nicht mit einer entsprechenden Steigerung der Bedeutung des Themas einhergehen. Der Investitionsindex hat seine höchste Stufe seit der Energiekrise erreicht, während der Bedeutungsindex, der die relative Wichtigkeit von Energieeffizienz misst, fast auf den historischen Tiefstand von 2024 gesunken ist. Besonders auffällig ist, dass mittlerweile nur noch Großunternehmen Energieeffizienz als wichtig erachten, während kleinere Unternehmen dieser Thematik weniger Priorität einräumen.

Energieeffizienz wird heute vor allem durch ökonomische Überlegungen und gesetzliche Anforderungen vorangetrieben. Die Umfrage unter den Unternehmen zeigt, dass 71 % der Betriebe sich auf die Überwachung und Optimierung ihres Energieverbrauchs konzentrieren, während 70 % den CO2-Ausstoß reduzieren möchten. Die gesetzlichen Vorgaben, insbesondere das im November 2023 in Kraft tratene Energieeffizienzgesetz (EnEfG), spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Je nach Höhe des jährlichen Energieverbrauchs sind Unternehmen zu unterschiedlichen Maßnahmen verpflichtet. So müssen Betriebe mit einem Endenergieverbrauch von über 2,5 GWh Umsetzungspläne für Einsparmaßnahmen erstellen und veröffentlichen, während Unternehmen mit einem Verbrauch von mehr als 7,5 GWh ein zertifiziertes Energie- oder Umweltmanagementsystem einrichten müssen.

Die bevorstehende Novellierung des EnEfG könnte jedoch weitreichende Folgen haben, da die Schwellenwerte für die verpflichtenden Maßnahmen angehoben werden sollen. Dies könnte dazu führen, dass nur noch etwa die Hälfte der befragten Unternehmen zur Einrichtung eines zertifizierten Managementsystems verpflichtet wäre. Aktuell betreiben 55 % der Unternehmen ein solches System, und viele haben ihre internen Kapazitäten ausgebaut, sodass sie weniger auf externe Unterstützung angewiesen sind.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist das Thema Abwärme. Der EEI zeigt, dass 89 % der Unternehmen bereits über Potenziale zur Vermeidung und Nutzung von Abwärme informiert sind. Allerdings könnte die zukünftige Gesetzesänderung bedeuten, dass nur noch Betriebe mit einem Energieinput von mehr als 8 MWh pro Stunde betroffen wären, was die Zahl der Unternehmen, die Abwärme-Maßnahmen umsetzen müssen, erheblich verringern würde.

Die Unternehmen haben verschiedene Technologien zur Wärmerückgewinnung und -nutzung implementiert. Über 70 % der befragten Firmen nutzen Methoden wie Wärmerückgewinnung, Dämmung oder Isolierung, während etwa ein Drittel auf innovative Technologien wie Wärmepumpen oder Kraft-Wärme-Kopplung setzt. Diese Ansätze zeigen, dass die Industrie sich mit den Herausforderungen der Energieeffizienz auseinanderzusetzen versucht, jedoch oft nur aus der Notwendigkeit heraus, gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.

Trotz der steigenden Investitionen in Energieeffizienz-Maßnahmen zeigen die Unternehmen eine wachsende Skepsis gegenüber den langfristigen finanziellen Rückflüssen dieser Investitionen. Der Trend geht dahin, dass eine Amortisationszeit von maximal drei Jahren angestrebt wird, was einen signifikanten Rückgang der Akzeptanz für längerfristige Investitionen bedeutet. Immer mehr Unternehmen fordern die Abschaffung des Energieeffizienzgesetzes, was laut Professor Sauer jedoch nicht der richtige Weg wäre. Er argumentiert, dass das EnEfG ein wesentlicher Anreiz für die Industrie ist, sich weiterhin mit dem Thema Energieeffizienz zu beschäftigen.

Insgesamt spiegelt der Energieeffizienz-Index eine ambivalente Situation in der Industrie wider: Trotz steigender Investitionen wird die tatsächliche Priorität des Themas Energieeffizienz immer geringer. Die Unternehmen scheinen Energieeffizienz zunehmend nur als strategisches Werkzeug zur Kostenreduktion und zur Erfüllung gesetzlicher Anforderungen zu betrachten, anstatt es als integralen Bestandteil ihrer langfristigen strategischen Planung zu verankern.