
Eine aktuelle Untersuchung der IU Internationalen Hochschule offenbart, wie sehr digitale Geräte, insbesondere Smartphones, den Alltag der Menschen in Deutschland dominieren. Die Studie mit dem Titel „Always-on: Digitaler Stress in Deutschland“ basiert auf einer repräsentativen Umfrage, die im Januar 2026 unter 2.000 Personen durchgeführt wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass der Tag vieler Menschen in Deutschland vom ersten Blick auf das Smartphone am Morgen bis zur letzten Nachricht vor dem Schlafengehen geprägt ist. Diese digitalen Gewohnheiten sind tief in den Alltag integriert und oft unbewusst, was im Widerspruch zu den allgemeinen Empfehlungen zur Schlafhygiene steht.
Laut der Umfrage beginnt für 75,1 Prozent der Befragten der Tag digital, da sie innerhalb von weniger als 30 Minuten nach dem Aufwachen ein digitales Gerät nutzen. Besonders auffällig ist das Verhalten junger Menschen: Über 86 Prozent der 16- bis 30-Jährigen greifen direkt nach dem Aufstehen zu ihren Geräten. Dies verdeutlicht, wie stark das Smartphone bereits Teil der Morgenroutine geworden ist.
Doch nicht nur am Morgen, auch am Abend sind digitale Geräte omnipräsent. 73,8 Prozent verwenden ihre Smartphones in den 30 Minuten vor dem Schlafengehen, und fast 40 Prozent machen dies unmittelbar vor dem Zubettgehen. Nur eine kleine Minderheit von 9,5 Prozent hält sich an die Ratschläge zur Schlafhygiene und schaltet ihre Geräte mindestens eine Stunde vor dem Schlafen ab. Diese Tendenz ist bei jungen Erwachsenen noch ausgeprägter, was erhebliche Auswirkungen auf ihre Erholung und das Abschalten am Abend haben könnte.
Die Professorin für Gesundheitsmanagement, Stefanie André, weist darauf hin, dass die ständige Nutzung digitaler Geräte zu einem permanenten mentalen Zustand der Aktivierung führt. Besonders junge Menschen neigen dazu, das Smartphone als schnellen Emotionsregulator zu verwenden, was langfristig zu einem erhöhten Stresslevel führen kann. Es zeigt sich, dass echte Erholung zunehmend in den Hintergrund gedrängt wird.
Die Studie offenbart auch, dass digitale Geräte nicht nur in den Morgen- und Abendstunden, sondern durchgehend im Alltag präsent sind. 62,8 Prozent der Befragten nutzen ihr Smartphone gleichzeitig mit anderen Aktivitäten wie Essen oder Fernsehen. Bei den Befragten zwischen 16 und 30 Jahren liegt dieser Wert sogar bei fast 73 Prozent. Die ständige Überprüfung digitaler Inhalte ist weit verbreitet: 81 Prozent der Menschen in Deutschland schauen mindestens ein- bis zweimal pro Stunde auf ihre Geräte, wobei fast die Hälfte angibt, dies sogar dreimal oder mehr zu tun.
Ein entscheidender Faktor für diese intensive Nutzung ist die Gewohnheit. 71,3 Prozent der Befragten geben an, ihre digitalen Nachrichten oder Apps aus reiner Routine zu überprüfen, ohne dass ein konkreter Anlass vorliegt. Bei den 16- bis 30-Jährigen liegt dieser Wert sogar bei 79,6 Prozent. Dieser sogenannte „Habit Loop“ beschreibt den Kreislauf aus Auslöser, Routine und Belohnung, der dazu führt, dass das Überprüfen von Nachrichten und sozialen Medien zur Gewohnheit wird.
Ein weiterer Aspekt der Studie zeigt, dass viele Menschen digitale Geräte gezielt zur Ablenkung nutzen, insbesondere wenn sie sich schlecht fühlen. 64,6 Prozent der Befragten geben an, dies zu tun, wobei der Anteil bei den jungen Erwachsenen auf 78,2 Prozent ansteigt. Trotz dieser hohen Nutzung empfinden jedoch fast drei Viertel der Befragten, dass sie die Kontrolle über ihre digitale Nutzung behalten. Besonders ältere Befragte fühlen sich in dieser Hinsicht sicherer als jüngere.
Allerdings relativiert ein Blick auf das tatsächliche Nutzungsverhalten dieses Gefühl der Kontrolle. 64,6 Prozent der Befragten überprüfen sofort ihre Geräte, wenn eine neue Benachrichtigung eingeht, und über 50 Prozent finden es schwierig, digitale Benachrichtigungen zu ignorieren.
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass die digitale Dauerverfügbarkeit einen tiefgreifenden Einfluss auf den Alltag hat, der sowohl die Gesundheit als auch die Lebensqualität der Menschen beeinflussen kann. Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, sich bewusst mit der eigenen Nutzung digitaler Geräte auseinanderzusetzen, um negative Auswirkungen zu vermeiden und das Gleichgewicht zwischen digitaler und analoger Lebensweise zu fördern.


















































