In der heutigen Zeit ist die Suche nach nachhaltigen Rohstoffen von entscheidender Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen zwischen Nahrungsmittelproduktion und industrieller Nutzung. Eine internationale Forschungsgruppe, an der auch die Hochschule Bremen (HSB) beteiligt ist, hat in einer aktuellen Studie die Möglichkeiten untersucht, wie Brachflächen effektiv für den Anbau von Brennnesseln genutzt werden können. Diese Arbeit wurde im renommierten Fachjournal „Remediation“ veröffentlicht und liefert wichtige Erkenntnisse über die Vorteile des Anbaus von Brennnesseln in Kombination mit Pappeln auf belasteten Standorten.
Das Hauptaugenmerk der Studie lag auf der Verwendung von Brennnesseln (Urtica dioica L.) als Faserpflanze auf ehemaligen Industrie- und Brachflächen in Deutschland, Frankreich und Italien. Die Forscher verglichen das innovative System, bei dem Brennnesseln und Pappeln zusammen kultiviert werden, mit anderen landwirtschaftlichen Praktiken wie der konventionellen Landwirtschaft, der natürlichen Sukzession und der Installation von Photovoltaikanlagen. Die Ergebnisse zeigten deutlich, dass das Brennnessel-Pappel-System in Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit die besten Leistungen erbrachte.
Der Erstautor der Studie, Professor Paul Bardos, ist Direktor von r3 environmental technology Ltd und Gastprofessor an der University of Reading (Vereinigtes Königreich). Er ist ein anerkannter Experte für nachhaltige Landnutzung und die Sanierung von Altlasten. In seinen Ausführungen betont er die Notwendigkeit alternativer Rohstoffquellen für die Entwicklung einer nachhaltigen Bioökonomie. Auch Professor Dr. Jörg Müssig und sein Doktorand Jonas-Rumi Baumann von der Arbeitsgruppe Biologische Werkstoffe am Bionik-Innovations-Centrum (B-I-C) der HSB haben zur Studie beigetragen. Baumann hebt hervor, dass die Erschließung von Brachflächen ein bislang ungenutztes Potenzial für die Herstellung technischer Naturfasern bietet, ohne die Nahrungsmittelproduktion zu beeinträchtigen.
Die Ergebnisse der Untersuchung belegen nicht nur die ökologischen Vorteile des Anbaus von Brennnesseln, wie die Verbesserung der Bodenqualität, die Reduktion des Erosionsrisikos und die Förderung der Biodiversität, sondern sie zeigen auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Potenziale auf. Die Nutzung solcher Flächen könnte neue Wertschöpfungsmöglichkeiten schaffen und gleichzeitig zur nachhaltigen Entwicklung belasteter Standorte beitragen. Professor Müssig betont, dass sich durch diese Ansätze neue Perspektiven für die Verwendung von Naturfasern in technischen Anwendungen eröffnen. Er weist auch darauf hin, dass Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und die Entwicklung innovativer Werkstoffe Hand in Hand gehen müssen.
Die Publikation verdeutlicht die Bedeutung interdisziplinärer Forschung an der Schnittstelle zwischen nachhaltiger Landnutzung, Bioökonomie und Werkstoffentwicklung. Die Erkenntnisse aus der Studie liefern wertvolle Impulse zur Nutzung bislang wenig genutzter Flächen zur Erzeugung nachwachsender Rohstoffe und zur Entwicklung zukünftiger biobasierter Wertschöpfungsketten.
Insgesamt zeigt die Studie das große Potenzial auf, das in der Kombination aus Brennnesseln und Pappeln auf Brachflächen steckt. Diese innovative Herangehensweise könnte nicht nur zur Schaffung neuer industrieller Anwendungen führen, sondern auch zur Revitalisierung und ökologischen Aufwertung belasteter Standorte beitragen. Der Erfolg solcher Projekte könnte dazu beitragen, die Herausforderungen einer wachsenden Weltbevölkerung und der damit verbundenen Ressourcenknappheit zu bewältigen.
Die Erkenntnisse aus dieser Forschung sind nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern auch für die Industrie und die Gesellschaft, da sie neue Wege aufzeigen, um die Umwelt zu schonen und gleichzeitig wirtschaftliche Chancen zu nutzen. Die internationale Zusammenarbeit in diesem Forschungsbereich ist ein weiterer Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Zukunft.


















































