Fortschritte in der Kohlenstoffbilanzierung tropischer Wälder durch neue Datenbank**

Tropische Regenwälder sind von zentraler Bedeutung für das globale Ökosystem, da sie etwa 70 Prozent der weltweiten lebenden Biomasse speichern und somit eine entscheidende Rolle im Kohlenstoffkreislauf spielen. Eine neue Studie, die unter der Leitung des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung in Deutschland und der University of Cambridge in Großbritannien durchgeführt wurde, hat eine umfassende Datenbank erstellt, die auf der Analyse von 146 Studien seit 1988 basiert. Diese Untersuchung befasst sich mit den Auswirkungen von Walddegradation und Regeneration auf die Kohlenstoffbilanz dieser Wälder.

Die Studie, die im Fachjournal Science Advances veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass Walddegradation, also die teilweise Schädigung von Wäldern, signifikante Kohlenstoffverluste mit sich bringt. Dabei wird jedoch auch festgestellt, dass geschädigte Wälder, die teilweise erhalten geblieben sind, schneller Kohlenstoff binden können als vollständig gerodete Flächen. Diese Erkenntnisse sind besonders wichtig für die Entwicklung von Klimamodellen und für nationale Treibhausgasbilanzen, da sie eine genauere Bewertung der Kohlenstoffdynamik nach Waldschäden ermöglichen.

Tropische Regenwälder sind nicht nur für ihre Biodiversität bekannt, sondern auch für ihre Funktion als Kohlenstoffsenken. In der Vergangenheit haben sie etwa ein Drittel der globalen terrestrischen Kohlenstoffsenke ausgemacht. Allerdings führen Abholzung und Degradation dazu, dass das Potenzial dieser Wälder zur Kohlenstoffspeicherung verringert wird. Bei der Verbrennung oder dem Verrotten von toter Biomasse wird Kohlendioxid freigesetzt, was zusätzliche Emissionen verursacht.

Dr. Viola Heinrich, eine der Hauptautoren der Studie, betont die Notwendigkeit einer präzisen Bilanzierung der Kohlenstoffverluste und -gewinne, insbesondere für nationale und internationale Berichte wie die National Greenhouse Gas Inventories (NGHGI) und die Berichterstattung an die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC). Während die Kohlenstoffverluste durch großflächige Abholzung gut dokumentiert sind, war die quantitativen Erfassung der Verluste durch Walddegradation eine Herausforderung.

Die neu erstellte Datenbank, die aus einer umfassenden Metaanalyse besteht, enthält Daten zu Kohlenstoffverluste und -gewinne aus 146 Studien und bietet eine differenzierte Bewertung der Kohlenstoffdynamik in tropischen Wäldern. Die Forschung zeigt, dass verschiedene Störungen, wie Waldbrände oder selektiver Holzeinschlag, erhebliche Kohlenstoffverluste verursachen können. Die Analyse hat ergeben, dass Waldbrände durchschnittliche Kohlenstoffverluste von 49 Prozent verursachen, gefolgt von 34 Prozent durch selektiven Holzeinschlag und 31 Prozent durch Waldrandeffekte.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Studie betrifft die Regeneration der Wälder. Es wurde festgestellt, dass sich in zuvor degradierten Wäldern nach 20 Jahren mehr oberirdischer Kohlenstoff angesammelt hat als in Wäldern, die vollständig gerodet wurden. Die Kohlenstoffvorräte in sich erholenden Wäldern erreichten Werte, die bis zu 117 Prozent höher waren als in Sekundärwäldern nach vollständiger Rodung. Dies unterstreicht die Bedeutung der Erhaltung der Waldstruktur und der ökologischen Vernetzung für die Kohlenstoffspeicherung.

Die Autoren der Studie heben hervor, dass die gesammelten Daten und die quantitativen Analysen dazu beitragen werden, die Modellierung von Waldkohlenstoff zu verbessern und die Berichterstattung über Treibhausgase zu optimieren. Einige Länder, darunter Nigeria, haben bereits Interesse bekundet, die Ergebnisse der Studie in ihren nationalen Berichten zu nutzen, um die Emissionen aus Walddegradierung besser abzubilden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie zu einem entscheidenden Zeitpunkt veröffentlicht wurde, da die Regierungen der Welt zunehmend nach genaueren Schätzungen der Emissionen aus Wäldern streben. Die Erkenntnisse über Kohlenstoffverluste und -gewinne durch Walddegradation und -regeneration sind für die globale Klimapolitik von großer Bedeutung und könnten dazu beitragen, Maßnahmen zur Eindämmung der Walddegradation und zur Förderung der Regeneration zu unterstützen.