Die duale Berufsbildung im Wandel: Ein Vergleich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz**

Die duale Berufsbildung wird international als ein Erfolgsmodell angesehen, das eine praxisnahe Ausbildung mit theoretischem Wissen kombiniert. Dies gilt insbesondere für Deutschland, Österreich und die Schweiz, wo diese Form der Berufsausbildung tief verwurzelt ist. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt jedoch, dass sich die Entwicklung der dualen Ausbildung in diesen drei Ländern erheblich unterscheidet. Die gemeinsame Untersuchung, die in Kooperation mit Partnerinstituten aus Österreich und der Schweiz durchgeführt wurde, beleuchtet aktuelle Trends und länderübergreifende Entwicklungen.

In Deutschland ist die Zahl der Auszubildenden in den letzten zwei Jahrzehnten stark gesunken. Im Jahr 2024 lag sie um 22,1 Prozentpunkte unter dem Wert von 2004. Im Vergleich dazu ist der Rückgang in Österreich mit etwa 11 Prozent deutlich moderater ausgefallen, während die Schweiz im selben Zeitraum sogar einen Anstieg um 5 Prozentpunkte verzeichnen konnte. Diese Unterschiede lassen sich teilweise durch die demografische Entwicklung erklären. Die Zahl der 15-Jährigen in Deutschland ist in diesem Zeitraum um 19,4 Prozent gesunken, während der Rückgang in Österreich mit 9,8 Prozent deutlich geringer ausfiel. In der Schweiz hingegen stieg die Zahl der 15-Jährigen um 3,6 Prozent.

Ein weiterer entscheidender Faktor sind die unterschiedlichen Bildungssysteme der drei Länder. In Deutschland beginnen viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden, zunächst eine Übergangsphase, die oft in einem „Übergangssystem“ mündet. Österreich hingegen hat eine schulischere Berufsbildung etabliert, die es Jugendlichen ermöglicht, eine Berufsausbildung in einem schulischen Kontext zu absolvieren. Die Schweiz zeichnet sich durch besonders effiziente Übergänge von der Schule in die berufliche Ausbildung aus, was zu einer höheren Ausbildungsquote führt.

Ein auffälliger Aspekt ist der Anteil der Frauen unter den Auszubildenden. In Deutschland ist dieser Anteil zwischen 2004 und 2024 um 5,3 Prozentpunkte auf 34,8 Prozent gesunken. In Österreich lag der Frauenanteil im Jahr 2024 bei 32,5 Prozent, während er in der Schweiz bei 41,3 Prozent lag. In den beiden Nachbarländern blieb der Frauenanteil im Vergleich zum Jahr 2004 weitgehend stabil. Der höhere Anteil an Frauen in der Schweiz kann teilweise darauf zurückgeführt werden, dass dort Gesundheits- und Sozialberufe stärker in das duale Ausbildungssystem integriert sind. In Deutschland findet die Ausbildung in diesen Bereichen häufig außerhalb des dualen Systems statt.

Ein weiterer wichtiger Trend ist die zunehmende Internationalisierung der dualen Ausbildung. In den letzten Jahren ist der Anteil ausländischer Auszubildender in allen drei Ländern gestiegen. In Deutschland stieg dieser Anteil zwischen 2010 und 2024 um 7,3 Prozentpunkte auf 12,4 Prozent. In Österreich betrug der Anstieg 9 Prozentpunkte, sodass der Anteil 16,2 Prozent erreichte. In der Schweiz lag der Anstieg bei 8,4 Prozentpunkten, was zu einem Gesamtanteil von 24,8 Prozent führte. Diese Entwicklung zeigt, dass die duale Ausbildung eine wichtige Rolle bei der Integration von jungen Menschen mit ausländischem Hintergrund spielt und dazu beitragen kann, Fachkräftemangel zu beheben.

Der jetzt veröffentlichte Bericht ergänzt eine erste Untersuchung aus dem Jahr 2024. Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, eine kontinuierliche und datenbasierte Beobachtung der dualen Berufsbildung in der D-A-CH-Region zu etablieren. Dies stellt eine Herausforderung dar, da Begriffe, Definitionen und Messmethoden in den einzelnen Ländern variieren. Die Ergebnisse müssen daher im jeweiligen institutionellen und demografischen Kontext betrachtet werden. Der Mehrwert dieses Monitorings liegt darin, dass es länderübergreifende Entwicklungen aufzeigt und Unterschiede zwischen den dualen Ausbildungssystemen besser verständlich macht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die duale Berufsbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz trotz ihrer Anerkennung als Erfolgsmodell vor großen Herausforderungen steht. Die unterschiedlichen Entwicklungen und Strukturen erfordern eine differenzierte Betrachtung, um die Stärken und Schwächen der jeweiligen Systeme zu erkennen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.