Simulation von Klimaanpassungsmaßnahmen in Kommunen durch die Fraunhofer-Plattform OASITY**

Die Herausforderungen des Klimawandels stellen Städte und Gemeinden vor immense Aufgaben, insbesondere im Hinblick auf die Anpassung an steigende Temperaturen und extreme Wetterereignisse. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) die Webplattform OASITY entwickelt. Diese innovative Plattform unterstützt Kommunen und Planungsbüros dabei, unterschiedliche Maßnahmen zur Klimaanpassung zu simulieren und deren Wirkung zu bewerten, bevor sie in die Praxis umgesetzt werden.

In vielen urbanen Gebieten sind die Temperaturen oft deutlich höher als in den umliegenden ländlichen Regionen. Dies liegt vor allem an der dichten Versiegelung der Böden durch Asphalt und Beton, welche die Wärme über den Tag speichert und nur sehr langsam abgeben kann. In Anbetracht der zunehmenden Warnungen des Deutschen Wetterdienstes vor extremer Hitze und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken, wächst der Druck auf die Kommunen, wirksame Strategien zur Hitzeminderung zu entwickeln. Ab 2024 sind sie durch das Bundes-Klimaanpassungsgesetz sogar verpflichtet, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Die entscheidende Frage, die sich dabei für viele Städte stellt, ist, welche Maßnahmen an welchem Ort den größten Effekt erzielen. Die Plattform OASITY ermöglicht es, verschiedene Anpassungsstrategien, wie etwa die Begrünung von Flächen oder die Entsiegelung von Böden, zu simulieren und deren Auswirkungen auf das Stadtklima vorab zu analysieren. Matthias Winkler, Gruppenleiter für Stadtbauphysikalische Modellierung am Fraunhofer IBP, betont die Bedeutung dieser Simulationen: „Sie helfen, die Frage zu beantworten, welche Maßnahme an welchem Standort am wirkungsvollsten ist, und das, bevor hohe Investitionen getätigt werden.“

Die Grundlage für OASITY bildet das Stadtklimamodell PALM-4U, das stadtklimatische Prozesse wie thermischen Komfort, Luftströme und die Ausbreitung von Schadstoffen detailliert abbildet. Bisher waren derartige Simulationen größtenteils auf Forschungsanwendungen beschränkt, doch OASITY ermöglicht es nun den Planungsämtern, eigenständig Analysen durchzuführen und verschiedene Szenarien gründlich zu vergleichen. So können beispielsweise die kühlenden Effekte einer Baumreihe entlang einer Straße oder die positiven Auswirkungen der Entsiegelung eines asphaltierten Platzes konkret bewertet werden.

Die Vorteile von Begrünungsmaßnahmen sind durch zahlreiche Simulationen und Messungen belegt. Begrünte Fassaden können die Oberflächentemperaturen erheblich senken, an heißen Sommertagen bis zu 20 Grad Celsius weniger als bei unbewachsenen Wänden. Dies hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Temperatur im Inneren der Gebäude, wodurch der Bedarf an aktiver Kühlung sinkt, sondern auch auf die Effizienz von Klimaanlagen, die in einem kühleren Umfeld besser arbeiten. Darüber hinaus zeigen Simulationen, dass durch Begrünung die Hitzebelastung in dicht besiedelten Stadtgebieten signifikant vermindert werden kann. In Rosenheim etwa konnte durch Begrünungsmaßnahmen eine Reduktion der gefühlten Temperatur um bis zu fünf Grad Celsius an heißen Sommertagen erreicht werden.

Die Plattform OASITY schafft somit Entscheidungsgrundlagen, die es Kommunen ermöglichen, informierte Entscheidungen zu treffen, bevor sie in langfristige Projekte investieren. Winkler erläutert weiter: „Simulationen können politische Abwägungen nicht ersetzen, aber sie verdeutlichen die tatsächlichen Effekte verschiedener Maßnahmen und verringern somit Unsicherheiten in der Planung.“

Die Nachfrage nach solchen digitalen Lösungen wächst stetig. Bereits mehr als zehn Kommunen und Planungsbüros nutzen OASITY, und die Plattform wird kontinuierlich weiterentwickelt. Seit 2024 wurden zahlreiche Fachkräfte geschult, um das Potenzial der Plattform optimal auszuschöpfen. Für die Zukunft plant das Fraunhofer IBP, OASITY um zusätzliche Module zur Analyse weiterer Klimarisiken zu erweitern, um den Kommunen noch umfassendere Werkzeuge zur Verfügung zu stellen.

Insgesamt zeigt die Entwicklung der Fraunhofer-Plattform, wie wichtig innovative Ansätze sind, um den Herausforderungen des Klimawandels effektiv und nachhaltig zu begegnen.