Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat unter der Leitung der Abteilung für Wissenschaftspolitik und Internationalisierung des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen einen wichtigen Leitfaden in der Fachzeitschrift Scientific Data veröffentlicht. Der Artikel mit dem Titel „Wie können biologische Datenbanken den neuen UN-Mechanismus zur Gewinnverteilung aus digitalen Sequenzinformationen unterstützen?“ gibt konkrete Anleitungen, wie biologische Datenbanken zur gerechten Verteilung von Gewinnen aus digitalen Sequenzinformationen beitragen können, ohne den freien Austausch wissenschaftlicher Daten zu behindern. Diese Thematik wird im Rahmen der Verhandlungen zu einem neuen globalen Biodiversitätsabkommen der Vereinten Nationen erörtert.
Die Verhandlungen zielen darauf ab, einen multilateralen Mechanismus zu entwickeln, der sicherstellt, dass die finanziellen Erträge aus der Nutzung digitaler Sequenzinformationen fair mit den Herkunftsländern und indigenen Völkern geteilt werden. Dr. Amber Hartman Scholz, Leiterin der Abteilung Science Policy und Internationalisation an der DSMZ, erklärt, dass die Verhandlungsführer die Rolle der biologischen Datenbanken als wesentliche Forschungsinfrastruktur anerkannt haben. Gleichzeitig wird ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz dieser Datenbanken und der Schaffung von Transparenz sowie rechtlicher Sicherheit angestrebt, um die globale Verteilung der Vorteile zu verbessern.
Eines der größten Herausforderungen besteht darin, die Prinzipien der offenen Wissenschaft mit den Anforderungen eines gerechten Ausgleichs in Einklang zu bringen. Digitale Sequenzinformationen sind eine zentrale Grundlage für moderne Lebenswissenschaften wie Medizin und Pflanzenzüchtung. Dennoch fehlte es bislang an einer globalen Infrastruktur, um die rechtlichen Anforderungen ohne bürokratische Hürden in bestehende, öffentlich zugängliche Gendatenbanken zu integrieren.
Im Rahmen des Projekts untersuchten die Autoren globale Umfragen, Interviews und Workshops mit Vertretern internationaler Datenbanken. Die Studie identifiziert mehrere konkrete Maßnahmen, die sofort umgesetzt werden können, um die Nutzer besser zu informieren und die Compliance zu fördern. Dazu gehören:
1. Optimierung der Nutzerinformation: Forscher sollen beim Hochladen von Daten automatisch über geltende Compliance-Anforderungen und die UN-Mechanismen informiert werden.
2. Verbesserung geografischer Metadaten: Die Datenbanken müssen die Erfassung des Ursprungsorts einer Probe einfacher gestalten, um die Rückverfolgbarkeit zu erhöhen.
3. Anpassung der Nutzungsbedingungen: Die Integration der UN-Richtlinien in die rechtlichen Vereinbarungen der Datenbanken soll die rechtliche Sicherheit verstärken.
4. Erfassung nicht-monetärer Vorteile: Neue Ansätze sollen den Wissenstransfer dokumentieren, etwa durch Kapazitätsaufbau in Entwicklungsländern, gemeinsame Publikationen und kostenlose Schulungsprogramme.
Dr. Barbara Ebert, Geschäftsführerin der Gesellschaft für biologische Daten e. V. und Projektleiterin der Machbarkeitsstudie, betont die ethische Verantwortung der Wissenschaft, einen gerechten Vorteilsausgleich zu fördern. Die öffentlichen Datenbanken für digitale Sequenzinformationen sind unverzichtbar für die Forschung und der Zugang zu diesen Daten sollte offen und kostenfrei bleiben. Die Unterstützung der gerechten Verteilung von Vorteilen wird als eine moralische Verpflichtung angesehen, die auch die Betreiber wissenschaftlicher Dateninfrastrukturen einschließt.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen sicherstellen, dass biologische Datenbanken ihren offenen Charakter beibehalten, während gleichzeitig die globale Nachhaltigkeit und die Einhaltung internationaler Verträge gesichert werden. Dr. Amber Hartman Scholz hebt hervor, dass der offene Zugang zu Daten für Spitzenforscher in Deutschland von großer Bedeutung ist und dass die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur NFDI in dieser Studie von Stolz ist.
Die Initiative wurde durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Rahmen von Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unterstützt. Die Ergebnisse dieses Projekts haben das Potenzial, die Art und Weise zu transformieren, wie biologische Datenbanken in Zukunft betrieben werden, und könnten einen entscheidenden Beitrag zur gerechten Verteilung von Ressourcen und Wissen auf globaler Ebene leisten.


















































