Die Stadtwerke spielen eine entscheidende Rolle in der Energiewende und stehen vor der Herausforderung, ihre Energieversorgung auf treibhausgasneutrale Standards umzustellen und digitale Strukturen zu etablieren. Um diese komplexen Aufgaben zu bewältigen, wurde das Online-Reifegradmodell „SW.Check“ entwickelt. Dieses innovative Instrument unterstützt Stadtwerke dabei, ihre aktuelle Position zu bewerten, wichtige Handlungsfelder zu identifizieren und konkrete Maßnahmen für die Transformation zu ergreifen. Das Reifegradmodell entstand im Rahmen des Projekts „Roadmap.SW“, das von einem Konsortium unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT durchgeführt wurde. Zu den Partnern zählen unter anderem das Stadtwerke-Netzwerk ASEW, das FIR e. V. an der RWTH Aachen sowie die Ideenstadtwerke aus Neustadt am Rübenberge.
Stadtwerke sehen sich einem wachsenden Druck ausgesetzt, ihre Energieversorgung nachhaltig zu gestalten. Gleichzeitig müssen sie ihre Geschäftsmodelle und internen Prozesse grundlegend überdenken. Stefan Schulze-Sturm von der ASEW beschreibt die Situation treffend: „Die Anforderungen an die Stadtwerke wachsen stetig, während geeignete Werkzeuge zur systematischen Umsetzung oft fehlen.“ Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, wurde ein praxisnaher Ansatz entwickelt, der die Themen Dekarbonisierung und Digitalisierung miteinander verknüpft und als zusammenhängende Dimensionen der Transformation betrachtet.
Das Herzstück des Projekts ist das Reifegradmodell „SW.Check“, das als Online-Self-Assessment konzipiert ist. Durch einen strukturierten Fragebogen können Stadtwerke ihre Fähigkeiten in verschiedenen relevanten Bereichen bewerten. Das Ergebnis dieser Bewertung umfasst sowohl eine Gesamtbewertung als auch spezifische Resultate für unterschiedliche Anwendungsbereiche. Dies ermöglicht es den Stadtwerken, eine fundierte Standortbestimmung vorzunehmen, die für strategische Entscheidungen im Transformationsprozess von großer Bedeutung ist.
Neben der Analyse des aktuellen Status quo bietet das Modell einen hohen praktischen Nutzen. „Auf Grundlage der Ergebnisse können Stadtwerke gezielt Handlungsfelder priorisieren und geeignete Maßnahmen auswählen“, erklärt Anne Hagemeier von Fraunhofer UMSICHT. Die entwickelten Maßnahmen sind in strukturierten Steckbriefen zusammengefasst und reichen von Transformationsplänen über Machbarkeitsstudien bis hin zur Optimierung von Vertriebsstrategien und dem Aufbau neuer Dienstleistungen. Diese Maßnahmen lassen sich nach verschiedenen Kriterien filtern und individuell zu einer Roadmap zusammenstellen, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Gegebenheiten der jeweiligen Stadtwerke zugeschnitten ist.
Ein zentraler Aspekt des Projekts war die Praxistauglichkeit des Reifegradmodells. Daher wurde das Modell gemeinsam mit den Stadtwerken entwickelt und während der gesamten Projektlaufzeit kontinuierlich getestet und optimiert. Die vollständige Bewertung, von der Analyse über die Ableitung von Maßnahmen bis hin zur Erstellung einer individuellen Roadmap, wurde in ausgewählten Pilotstadtwerken erprobt. Die dort gesammelten Erfahrungen flossen direkt in die finale Ausgestaltung des Modells ein.
Steffen Schlakat-Hagemann, Leiter Marketing & Kommunikation bei den Ideenstadtwerken, berichtet von den positiven Erfahrungen: „Als erstes Stadtwerk durften wir das Assessment anwenden und konnten von den Ergebnissen profitieren. Die Resultate waren überraschend präzise und haben uns eine klare Orientierung gegeben. Dadurch können wir zusammen mit der Geschäftsführung auf Basis fundierter Daten Strategien für die Zukunft entwickeln, anstatt lediglich auf ein Gefühl zu setzen.“
Mit dem Reifegradmodell „SW.Check“ steht den Stadtwerken nun ein praxisbewährtes und anwendungsorientiertes Instrument zur Verfügung, das sie eigenständig nutzen können. Es ist frei zugänglich und wird durch umfangreiche Materialien und Unterstützungsangebote ergänzt.
Das Projekt „Roadmap.SW – Reifegradbewertung zur Erstellung von Umsetzungs-Roadmaps auf dem Weg zu digital-geprägten und treibhausgasneutralen Energieversorgungsunternehmen“ wurde von Januar 2023 bis Juni 2026 durchgeführt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms gefördert. Durch die Einführung des Reifegradmodells wird es Stadtwerken ermöglicht, ihre Transformation systematisch zu planen und voranzutreiben, was letztlich einen bedeutenden Beitrag zur Energiewende leisten kann.


















































