In einer Welt, die zunehmend auf Nachhaltigkeit Wert legt, wird die Wiederverwertung von Textilabfällen zu einem bedeutenden Thema. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist das Forschungsprojekt RecyTube, das kürzlich seine Ergebnisse bei der Firma Rohleder in Konradsreuth präsentierte. Nach zweieinhalb Jahren intensiver Forschung und Entwicklung haben die Projektpartner, unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, einen innovativen Ansatz zur Umwandlung von textilem Produktionsabfall in hochwertige Materialien erarbeitet. Ziel ist es, die Textilindustrie auf einen nachhaltigeren Kurs zu bringen und den Einsatz neuer Rohstoffe zu reduzieren.
Der Fokus von RecyTube lag auf der Frage, wie textile Reststoffe, die bei der Produktion von Möbelstoffen anfallen, sinnvoll genutzt werden können. Oftmals wurden Materialien wie Webleisten, Garnreste und andere Produktionsabfälle aufgrund ihrer komplexen Zusammensetzung entsorgt oder lediglich zur Energiegewinnung verwendet. Das Projekt jedoch betrachtet diese Abfälle als wertvolle Rohstoffe. Melanie Peter, die Projektmanagerin, betont die Notwendigkeit, den Anteil neuer Fasern zu senken und stattdessen auf recycelte Fasern zu setzen. Diese Überzeugung hat sich mittlerweile fest in der Nachhaltigkeitsstrategie von Rohleder verankert.
Ein zentraler Schritt im Projekt war die systematische Sammlung und Analyse der anfallenden Garnreste. Das Team konzentrierte sich besonders auf längere Fasern, die sich gut für eine hochwertige Wiederverwertung eignen. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Im Rahmen von RecyTube konnte ein Material mit einem Recyclinganteil von etwa zwei Dritteln hergestellt werden, während der Anteil an neuem Material lediglich 33 Prozent betrug. Ein weiteres Ziel der Projektpartner war es, die Mischungen frei von Additiven oder anderen Zusätzen zu halten, um einen sauberen und nachvollziehbaren Materialkreislauf zu gewährleisten.
Die Hochschule Hof spielte eine entscheidende Rolle in der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts. Ihre Aufgabe bestand darin, Verfahren zu entwickeln, die eine mechanische Aufbereitung der textilen Reststoffe ermöglichen. Während chemische Recyclingmethoden vielversprechend klingen, sind sie oft kostspielig und für die vorliegenden Materialmischungen ungeeignet. Felix Hacker, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Materialwissenschaften, berichtete von stabilen Ergebnissen während der Materialentwicklung. Diese positiven Resultate ermöglichten es, die gewählten Prozesse beizubehalten und die Effizienz zu steigern.
Neben den technischen Herausforderungen war auch das Design von großer Bedeutung. Deshalb wurde die junge Designerin Paula Holzhauser in das Projekt eingebunden. Sie arbeitete mit den Partnern zusammen, um Konzepte für Möbelobjekte zu entwickeln, die aus den neu gewonnenen Materialien gefertigt werden sollten. Die Entwicklung eines stabilen Hockers stellte sich als besonders herausfordernd heraus, da die Möbel sowohl ästhetisch ansprechend als auch wirtschaftlich herstellbar sein mussten.
Im Verlauf des Projekts traten unvorhergesehene Probleme auf, wie der Ausfall eines wichtigen Unterauftragnehmers. Dennoch bewertete Katja Rödel von BWFprotec RecyTube als eines der herausragendsten Projekte der letzten Jahre. Die Zusammenarbeit im Team verlief durchweg positiv; die anfänglichen Vorbehalte wurden durch die sichtbaren Fortschritte überwunden, und das Projekt erhielt umfassende Unterstützung von den Mitarbeitenden.
Obwohl das Projekt offiziell abgeschlossen ist, sehen die Beteiligten weiterhin Potenzial für zukünftige Entwicklungen. Der Hocker befindet sich derzeit in der Optimierungsphase, um die Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Erste Präsentationen fanden bereits im Rahmen der Coburger Designtage statt, und weitere Auftritte, darunter auf der internationalen Büromöbelmesse Orgatec in Köln, sind geplant.
Insgesamt hat RecyTube gezeigt, dass textile Produktionsreste nicht nur recycelt werden können, sondern auch die Möglichkeit bieten, wichtige Bestandteile der zukünftigen Materialkreisläufe in der Textilindustrie zu werden. Die Kooperation zwischen den Projektpartnern war von Erfolg geprägt, und es stehen bereits neue Projektideen in Aussicht. Die Botschaft ist klar: Durch innovative Ansätze in der Textilverarbeitung können wir einen positiven Beitrag zur Umwelt leisten und Ressourcen nachhaltig nutzen.


















































