Gefährdung der Tiefsee-Biodiversität durch Bergbauaktivitäten: Ein alarmierender Bericht**

Der Tiefseebergbau, der zunehmend in den Fokus des wirtschaftlichen Interesses rückt, stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Biodiversität in den Ozeanen dar, insbesondere für die einzigartigen Lebensgemeinschaften an Hydrothermalquellen. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass mehr als 60 Prozent der weltweit bewerteten Weichtierarten, die ausschließlich in diesen extremen Lebensräumen vorkommen, als bedroht gelten. Diese alarmierenden Ergebnisse stammen aus dem jüngsten Update der Roten Liste gefährdeter Arten der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN), in dem die Senckenberg Ocean Species Alliance, ein Forschungsinstitut in Frankfurt, maßgeblich beteiligt war.

Hydrothermalquellen, die in Tiefen von etwa 5.000 Metern angesiedelt sind, sind bekannt für ihre spektakulären und vielfältigen Ökosysteme, die sich an den chemischen Bedingungen und der Wärme der Quellen orientieren. Sie sind nicht nur Lebensräume für eine Fülle von Organismen, sondern auch von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der Biodiversität der Tiefsee. Die kürzlich durchgeführte Bewertung umfasste 17 bislang nicht erfasste Weichtierarten und zeigt, wie verletzlich die dort lebenden Organismen durch die Ausbeutung mineralischer Rohstoffe in der Tiefsee sind.

In den letzten Jahren hat sich das Interesse an den Rohstoffen der Tiefsee, wie etwa Metallen und Mineralien, exponentiell erhöht. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Projekte zur Exploration und zum Abbau in diesen sensiblen Gebieten initiiert werden. Die Folgen dieser Aktivitäten sind verheerend, insbesondere für Arten, die an nur einem einzigen Standort vorkommen. Ein Beispiel für die Gefährdung ist die Tiefseeschnecke Lirapex felix, die ausschließlich an einer Hydrothermalquelle im Indischen Ozean lebt. Aufgrund der dortigen Bergbauaktivitäten wurde sie als vom Aussterben bedroht eingestuft. Im Gegensatz dazu zeigt die Meeresschnecke Provanna exquisita, die in einem Meeresschutzgebiet im Pazifik lebt, eine stabilere Population und wurde als nicht gefährdet eingestuft.

Die Studie hat auch ergeben, dass von den neu bewerteten Arten 11 als bedroht eingestuft wurden. Dies verdeutlicht, wie viele Organismen an Hydrothermalquellen ausschließlich an einem speziellen Standort vorkommen und damit besonders anfällig für menschliche Eingriffe sind. Die Zerstörung eines solchen Lebensraums kann zum vollständigen Aussterben einer Art führen.

Um der Dringlichkeit der Situation gerecht zu werden, haben die Senckenberg Ocean Species Alliance und internationale Experten eine umfassende Bewertung des Aussterberisikos für mehr als 500 Arten aus Hydrothermalquellen in Planung. Diese Initiative wird durch die Marine Invertebrates Red List Authority (MIRLA) unterstützt, die die wissenschaftliche Grundlage für zukünftige Entscheidungen im Bereich des Tiefseebergbaus und des Artenschutzes liefern soll.

Die aktuelle Situation wird durch die laufenden Verhandlungen der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) in Jamaika verstärkt, wo über zukünftige Regelungen für den Tiefseebergbau diskutiert wird. Dr. Alica Torkov und Carly Rospert von der Senckenberg Ocean Species Alliance nehmen an diesen Verhandlungen teil, um die Bedeutung von wissenschaftlicher Forschung und Gefährdungsbewertungen als Grundlage für den Schutz dieser einzigartigen Lebensräume zu unterstreichen.

Experten betonen die Notwendigkeit, wissenschaftliche Daten zu sammeln, um fundierte Entscheidungen über die Nutzung der Tiefsee treffen zu können. Ohne ausreichende Informationen über die Biodiversität und das Aussterberisiko von Tiefseeorganismen ist es unmöglich, den Einfluss des Bergbaus auf diese sensiblen Ökosysteme zu bewerten und angemessene Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Tiefseebergbau nicht nur eine wirtschaftliche Chance darstellt, sondern auch eine erhebliche Bedrohung für die Biodiversität im Ozean. Es ist dringend erforderlich, das Bewusstsein für die Bedeutung des Schutzes dieser einzigartigen Lebensräume zu schärfen und die Forschung zu intensivieren, um das Überleben der dort lebenden Arten zu sichern.