Ein bedeutendes Forschungsprojekt, das unter der Leitung der Technischen Universität Graz (TU Graz) durchgeführt wurde, hat sich mit den CO2-Emissionen des europäischen Gebäudebestands über dessen gesamten Lebenszyklus befasst. Die Ergebnisse zeigen, dass der Gebäudesektor für etwa 40 Prozent der CO2-Emissionen in der Europäischen Union verantwortlich ist. Angesichts der Klimaziele der EU bis 2050 ist es entscheidend, Strategien zur Reduzierung dieser Emissionen zu entwickeln.
Das Projekt wurde im Auftrag der Europäischen Kommission ins Leben gerufen und zielt darauf ab, die Emissionen, die während der Bau-, Nutzungs-, Renovierungs- und Rückbauphasen von Gebäuden entstehen, zu analysieren. Ein innovatives Prognose-Tool namens PULSE-EU wurde speziell für diese Untersuchung entwickelt. Mit diesem Tool können verschiedene Szenarien zur Verringerung der CO2-Emissionen im Gebäudesektor simuliert werden. Die Forschung zeigt, dass neben der Erhöhung der Geschwindigkeit bei der Modernisierung von Gebäuden und dem Ausbau erneuerbarer Energien ein entscheidender Faktor die durchschnittliche Wohnfläche pro Person ist.
Alexander Passer, ein Forscher des Instituts für Tragwerksentwurf an der TU Graz, erklärt: „Frühere Analysen konzentrierten sich vor allem auf die Emissionen während des Betriebs von Gebäuden. Mit PULSE-EU können wir jedoch erstmals systematisch auch die Emissionen aus der Materialherstellung, dem Bau, der Renovierung sowie der Entsorgung von Gebäuden berücksichtigen.“ Diese umfassende Betrachtung ermöglicht eine genauere Berechnung der erforderlichen Maßnahmen zur Einhaltung des Green Deals der EU.
Im Rahmen der Studie wurden rund 15.000 repräsentative Gebäudetypen modelliert, die verschiedene Bauweisen, Altersklassen und energetische Standards abdecken. Diese Modelle wurden auf die Mitgliedstaaten der EU verteilt, um die Gesamtemissionen realistisch darzustellen. Neben den physikalischen Eigenschaften der Gebäude flossen auch politische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Rahmenbedingungen in die Berechnungen ein, was zu einer differenzierten Analyse führte.
Eine ergänzende Studie, veröffentlicht im Fachjournal „Environmental Science & Technology“, untersucht spezifische Szenarien für Österreich. Hierbei wurde festgestellt, dass durch einen ambitionierten Ansatz, der alle verfügbaren Maßnahmen wie strengere politische Rahmenbedingungen, den Einsatz effizienter Technologien und Verhaltensänderungen berücksichtigt, eine Reduktion der CO2-Emissionen um bis zu 90 Prozent bis 2050 möglich wäre. Dies würde dem internationalen Klima-Ziel von maximal zwei Grad Celsius Anstieg entsprechen.
Im Gegensatz dazu könnten moderate Ansätze, die sich auf technologische Lösungen und geringfügige Verhaltensänderungen stützen, lediglich eine Reduktion von 84 bis 86 Prozent erreichen. Ein Festhalten an den aktuellen Praktiken mit minimalen Änderungen würde lediglich zu einem Rückgang der Emissionen um 66 Prozent führen, was die Klimaziele verfehlen würde.
Ein besonders interessanter Aspekt der Studie ist die Erkenntnis, dass eine Reduzierung des durchschnittlichen Wohnraums pro Person um nur zwei Quadratmeter die signifikanteste Auswirkung auf die CO2-Emissionen hat. Weitere wichtige Einflussfaktoren sind die Renovierungsrate, die Reduktion des Energiebedarfs, die Nutzung erneuerbarer Energien und die Minimierung von Leerständen.
Die Ergebnisse dieser Forschung bieten wertvolle Erkenntnisse darüber, welche Maßnahmen im Gebäudesektor am effektivsten sind, um die Klimaziele zu erreichen. Um die gewonnenen Erkenntnisse zu veranschaulichen, wurde ein Scenario Explorer entwickelt, der es Endanwendern ermöglicht, verschiedene Szenarien selbst zu testen und deren Auswirkungen auf die CO2-Emissionen zu erkunden.
Zusammenfassend zeigt das Forschungsprojekt der TU Graz, dass die Reduktion der Wohnfläche pro Person eine der effektivsten Strategien zur Senkung der CO2-Emissionen im Gebäudesektor darstellt. Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die politische und gesellschaftliche Diskussion über nachhaltige Bau- und Wohnkonzepte, die zur Erreichung der Klimaziele der EU bis 2050 beitragen können.


















































