Anstieg der Nachfrage nach Studienkrediten: Eine neue Perspektive auf die Studienfinanzierung**

Die Nachfrage nach Studienkrediten in Deutschland hat im Jahr 2025 einen markanten Anstieg erfahren, nach dem langanhaltenden Rückgang in den vorangegangenen Jahren. Laut einer aktuellen Marktanalyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt sich, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Studienkredite um über 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist. Dies stellt einen bemerkenswerten Wendepunkt dar, besonders im Kontext der kontinuierlichen Herausforderungen, die Studierende bei der Finanzierung ihrer Ausbildung haben.

Im Jahr 2024 wurden rund 13.000 neue Studienkredite abgeschlossen; 2025 stieg diese Zahl auf etwa 15.207. Diese Zunahme könnte insbesondere durch die Unsicherheiten in Bezug auf die BAföG-Reform beeinflusst worden sein. Viele Studierende, die aufgrund der gegenwärtigen Richtlinien keinen Anspruch auf BAföG haben, sind auf der Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, um ihre finanziellen Lücken zu schließen.

Ein besonders auffälliger Erfolg wurde beim Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes verzeichnet, der mit einem Plus von fast 40 Prozent auf etwa 4.600 Neuabschlüsse im Jahr 2025 stieg, nachdem im Jahr zuvor nur 3.300 Verträge abgeschlossen wurden. Auch der KfW-Studienkredit zeigte eine positive Entwicklung, wenn auch weniger stark, mit einem Anstieg von 11 Prozent auf rund 8.000 Neuverträge.

Ulrich Müller, ein Experte für Studienfinanzierung, hebt hervor, dass der Bildungskredit, trotz seiner unauffälligen Erscheinung und der begrenzten monatlichen Auszahlungen, durch seinen attraktiven Zinssatz von 3,53 Prozent besticht. Er ermöglicht Studierenden, monatlich bis zu 300 Euro für maximal zwei Jahre zu erhalten oder eine Einmalzahlung von bis zu 7.200 Euro in Anspruch zu nehmen. Im Vergleich dazu liegt der KfW-Studienkredit, der bis zu 650 Euro pro Monat auszahlen kann, mit einem effektiven Zinssatz von 6,53 Prozent deutlich höher.

Trotz des gestiegenen Interesses am Bildungskredit bleibt die Nachfrage nach dem KfW-Studienkredit hinter den Erwartungen zurück. Müller betont, dass dies nicht auf einen mangelnden Bedarf hinweist, sondern vielmehr auf unattraktive Konditionen und Zinssätze. Um die Attraktivität des KfW-Studienkredits zu erhöhen, seien umfassende Reformen nötig, einschließlich einer Anpassung der Auszahlungshöhen und der Zinsbedingungen.

Die derzeitige Situation zeigt, dass eine Reform des BAföG, die faire Konditionen und ein zinsgünstiges Darlehen integriert, dringend erforderlich ist. Müller schlägt vor, dass eine Überarbeitung des Bildungskredits und des KfW-Studienkredits in ein neues BAföG-Modell aufgenommen werden sollte. Ein solches Modell könnte den Studierenden nicht nur mehr Sicherheit geben, sondern auch die Flexibilität erhöhen, um finanzielle Belastungen wie Mietkautionen, Laptop-Käufe oder Studiengebühren an privaten Hochschulen zu decken.

Der CHE-Studienkredit-Test, der in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt erstellt wurde, bietet eine umfassende Analyse der verschiedenen Studienfinanzierungsangebote. Dabei werden 25 unterschiedliche Kredite und Bildungsfonds hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile bewertet. Die Analyse zeigt, dass trotz des Anstiegs der Neuverträge die Rolle von Studienkrediten im gesamten deutschen Studienfinanzierungssystem nach wie vor relativ gering ist. Aktuell profitieren nur etwa 1,1 Prozent der Studierenden von einem Studienkredit, während rund 205.000 Personen sich in der Rückzahlungsphase befinden.

Insgesamt zeigt sich, dass die Studienfinanzierung in Deutschland nach wie vor Herausforderungen gegenübersteht. Es fehlt an einem breiten und verlässlichen Angebot, das allen Studierenden zugutekommt. Der CHE-Studienkredit-Test 2026, der bereits in seiner 21. Auflage erscheint, soll dazu beitragen, Transparenz und Vergleichbarkeit auf dem Markt für Studienkredite zu schaffen und Studierende bei ihrer Finanzierungsentscheidung zu unterstützen.

Die Erkenntnisse des Tests und die Entwicklungen auf dem Markt unterstreichen die Notwendigkeit, die Studienfinanzierung in Deutschland grundlegend zu reformieren, um den Bedürfnissen der Studierenden gerecht zu werden und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Ausbildungsziele ohne finanzielle Sorgen zu verfolgen.