Das ungenutzte Potenzial der sicherheitsrelevanten Forschung in Deutschland**

In Deutschland liegt ein enormes Wertschöpfungspotenzial im Bereich der sicherheitsrelevanten Forschung, das bislang nur teilweise ausgeschöpft wird. Eine aktuelle Analyse von Stifterverband und McKinsey & Company hat ergeben, dass durch gezielte Investitionen in diesen Forschungssektor jährlich bis zu 22 Milliarden Euro zusätzlich generiert werden könnten. Trotz der vorhandenen Ressourcen und Talente in der deutschen Forschungslandschaft bleibt der Übergang von Ideen zu konkreten Anwendungen und wirtschaftlichem Nutzen oft unzureichend.

Deutschland verfügt über eine vielfältige Forschungslandschaft, die von leistungsfähigen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen bis hin zu innovativen Start-ups und regionalen Technologieclustern reicht. Von den 419 untersuchten Hochschulen sind mehr als 50 Prozent in Bereichen aktiv, die für sicherheits- und verteidigungsrelevante Anwendungen relevant sind. Allerdings zeigt die Studie, dass die Umsetzung dieser Potenziale in konkrete Sicherheitslösungen und wirtschaftlichen Nutzen oft nicht gelingt.

Ein zentraler Aspekt der Analyse ist die Erkenntnis, dass sicherheitsrelevante Forschung nicht nur der Verteidigungsfähigkeit dient, sondern auch das wirtschaftliche Wachstum und die Innovationskraft der gesamten Gesellschaft ankurbeln kann. Investitionen in diesen Bereich könnten langfristig Multiplikatoreffekte hervorrufen, die der deutschen Wirtschaft zugutekommen. Der Vergleich mit den USA verdeutlicht dies: Während dort jeder investierte Euro in verteidigungsrelevante Forschung zu einer gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung von 1,70 bis 2,00 Euro führt, liegt dieser Wert in Deutschland aktuell nur bei etwa 0,94 Euro. Um die Leistungsfähigkeit auf das Niveau der USA zu heben, müssten zwei wesentliche Faktoren umgesetzt werden: Erstens eine Erhöhung der finanziellen Mittel für sicherheitsrelevante Forschung von derzeit 0,08 auf 0,36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zweitens wäre eine Verbesserung der Übergänge von der Forschung zur praktischen Anwendung notwendig, um die Wertschöpfung pro investiertem Euro deutlich zu steigern.

Die Studie identifiziert vier Hauptbarrieren, die eine vollständige Realisierung des Potenzials der Sicherheitsforschung behindern. Erstens mangelt es an einer klaren und technologieoffenen Übersetzung der Sicherheitsbedürfnisse in Forschungs- und Innovationsprioritäten. Zweitens ist die Finanzierung über die gesamte Innovationskette hinweg, besonders beim Übergang von Forschung zu industrieller Anwendung, oft unzureichend. Drittens wird die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie, Staat und Sicherheitsakteuren nicht ausreichend institutionalisiert, was dazu führt, dass Forschungsergebnisse selten in zivilen Kontexten zur Anwendung kommen. Schließlich wirken unklare rechtliche Rahmenbedingungen sowie gesellschaftliche Vorbehalte als Hemmnisse für das Engagement in der sicherheitsrelevanten Forschung.

Um diese Herausforderungen zu überwinden, betont Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes, dass Deutschland die sicherheitsrelevante Forschung nicht neu erfinden, sondern besser organisieren sollte. Es ist entscheidend, dass die verschiedenen Akteure – Wissenschaftler, Sicherheitsbehörden, Start-ups und die Industrie – eine gemeinsame Sprache finden und ein verlässlicher Rahmen geschaffen wird, der private Investitionen mobilisiert und Innovationen fördert.

Trotz der bestehenden Hindernisse zeigt die Studie, dass das Start-up-Ökosystem im Bereich der sicherheits- und verteidigungsrelevanten Technologien in Europa an Dynamik gewinnt. Das Interesse privater Investoren ist gestiegen, wobei das Volumen von Investitionen in entsprechende Start-ups in Europa zwischen 2018 und 2025 von etwa 511 Millionen US-Dollar auf über 5 Milliarden US-Dollar anwuchs. Dies zeigt, dass die Hürden weniger im anfänglichen Interesse liegen, sondern vielmehr in der Finanzierung für die Skalierung und den Anschluss.

Regionsspezifische Ansätze könnten ebenfalls dazu beitragen, die Stärken in der sicherheitsrelevanten Forschung sichtbar zu machen. Regionen wie Hamburg, die maritime Küstenregion oder Nordrhein-Westfalen könnten durch gezielte Maßnahmen ihre jeweiligen Kompetenzen bündeln und damit einen innovationsfördernden Raum schaffen.

Insgesamt ist es entscheidend, dass sicherheitsrelevante Forschung als integraler Bestandteil der regionalen und nationalen Innovationspolitik verstanden wird. Nur so kann Deutschland die Chancen, die in der sicherheitsrelevanten Forschung liegen, voll ausschöpfen und damit sowohl die Sicherheit als auch die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken.