Innovative Ansätze für nachhaltige Stadtlogistik: Praktische Lösungen für urbane Lieferketten**

Die Herausforderung, die letzte Meile der Logistik in städtischen Randgebieten nachhaltiger zu gestalten, ist ein zentrales Thema in der urbanen Entwicklung. Das Forschungsprojekt „SuCoLo – Fostering sustainable consumer behaviour with inclusive bicycle logistics infrastructure in urban outskirts“, geleitet von Salzburg Research, hat sich dieser Herausforderung angenommen und verschiedene praxisnahe Lösungen erprobt. Die gewonnenen Erkenntnisse stammen aus Pilotprojekten in Städten wie Salzburg, Leipzig und Meran und sind in einem umsetzbaren Toolkit zusammengefasst, welches Städten und Unternehmen als Leitfaden dient.

In den Randgebieten der Städte sind die Distanzen oft größer, die Bevölkerungsdichte geringer und die Abhängigkeit vom Auto höher. Gleichzeitig nimmt der Lieferverkehr zu, was zu einem Anstieg von Emissionen, Verkehrsstaus und Lärm führt. Das SuCoLo-Projekt untersucht, wie Lastenräder, Mikro-Hubs und digitale Lösungen kombiniert werden können, um den Lieferverkehr umweltfreundlicher zu gestalten und den Zugang zu Waren und Dienstleistungen für alle Bürger zu verbessern.

Projektkoordinator Michael Thelen von Salzburg Research hebt hervor, dass die Entwicklung innovativer Stadtlogistiklösungen nicht nur von technologischen Fortschritten oder der Infrastruktur abhängt. Vielmehr ist die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure entscheidend. In den Pilotprojekten zeigte sich, dass lokale Partnerschaften zwischen Kommunen, Logistikunternehmen, Kurierdiensten und dem Einzelhandel von großer Bedeutung sind.

Die Ergebnisse des SuCoLo-Projekts beruhen auf drei zentralen Säulen: digitalem Nachfragemanagement, flexibler Logistikinfrastruktur und lokalen Kooperationen. In Salzburg wurde ein Online-Shop simuliert, in dem 1.101 Teilnehmer digitale Entscheidungshilfen für nachhaltige Lieferoptionen erhielten. Die Analyse der Daten zeigt, dass Informationen zu Nachhaltigkeitsindikatoren die Entscheidungen der Nutzer positiv beeinflussen können.

In einem weniger dicht besiedelten Gebiet von Leipzig wurde ein mobiler Mikro-Hub für Lastenrad-Lieferungen getestet, der 289 Lieferungen umfasste. Zudem wurden Mietangebote für Lastenräder bereitgestellt. Die Ergebnisse belegen, dass mobile Hubs in Randgebieten Potenzial haben, jedoch auch ausreichende Liefermengen, stabile Partnerschaften und flexible Betriebsmodelle erforderlich sind, um langfristig erfolgreich zu sein.

Meran hingegen kombinierte Lastenrad-Sharing mit einem lokalen Kurierdienst für den Einzelhandel und legte besonderen Wert auf Barrierefreiheit. Hierbei kamen sechs Fahrzeuge zum Einsatz, darunter ein speziell für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen konzipiertes Modell. Bis April 2026 wurden 620 Lieferungen durchgeführt, und 120 Personen registrierten sich für die Sharing-Dienste. Diese Beispiele aus den drei Städten zeigen, dass nachhaltige Stadtlogistik in Randgebieten möglich ist, wenn digitale Anreize, flexible Infrastruktur und lokale Partnerschaften zusammenwirken.

Für einen erfolgreichen Betrieb sind jedoch verlässliche Kooperationen, ein ausreichendes Sendungsvolumen und anpassungsfähige Betriebsmodelle notwendig. Michael Thelen betont, dass Ansätze nicht einfach kopiert werden können, da jede Stadt unterschiedliche Rahmenbedingungen und Bedürfnisse aufweist.

Ein weiteres zentrales Element der Umsetzung ist die Inklusion. Die Pilotprojekte wurden in Zusammenarbeit mit Kommunen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen durchgeführt. Besondere Anforderungen an die Infrastruktur ergeben sich je nach Lebenssituation der Bürger: Ältere Menschen benötigen beispielsweise kurze, sichere Wege, während jüngere Zielgruppen von einer schnellen Abholung und einfacher digitaler Nutzung profitieren.

Das Konzept des digitalen Nudging, das im Online-Handel eingesetzt werden kann, zeigt, dass die Gestaltung von Entscheidungsprozessen das Verhalten der Kunden in eine nachhaltigere Richtung lenken kann. Indem kleine digitale Hinweise gegeben werden, können Kunden dazu angeregt werden, nachhaltig zu handeln, ohne dass ihre Wahlfreiheit eingeschränkt wird.

Das SuCoLo-Toolkit ist eine digitale Plattform, die die erprobten Ansätze und Instrumente bündelt. Dieses Werkzeug bleibt auch nach Abschluss des Projekts für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet hilfreiche Ressourcen wie digitale Planungs- und Entscheidungshilfen sowie Strategien für eine nachhaltige städtische Fahrradlogistik.

Insgesamt zeigt das SuCoLo-Projekt, dass durch innovative Ansätze und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten die Herausforderungen der Stadtlogistik in Randbereichen gemeistert werden können. Die praktischen Lösungen und das Toolkit bieten wertvolle Unterstützung für Städte, die eine nachhaltigere und gerechtere Logistik entwickeln möchten.