In der zweiten Junihälfte des Jahres 2026 erlebten nicht nur die Lufttemperaturen in Deutschland einen dramatischen Anstieg, sondern auch die Wassertemperaturen in den heimischen Seen erreichten Rekordwerte. Besonders auffällig war die Temperatur im Berliner Müggelsee, wo am 29. Juni eine außergewöhnliche Wassertemperatur von 30,2 Grad Celsius gemessen wurde, die höchste, die jemals in diesem Gewässer dokumentiert wurde. Am Ufer wurde sogar eine Temperatur von 32,7 Grad Celsius festgestellt. Diese extremen Werte werfen Fragen auf: Welche Auswirkungen haben solche hohen Temperaturen auf die aquatische Umwelt und die darin lebenden Organismen?
Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) überwacht seit mehr als 45 Jahren kontinuierlich die Wassertemperatur im Müggelsee. An einer speziellen Messstation, etwa 200 Meter vom Ufer entfernt, werden mehrmals täglich sowohl die Oberflächen- als auch die Temperatur in fünf Metern Tiefe erfasst. Neben den Temperaturen werden auch weitere wichtige Parameter wie Sichttiefe und Sauerstoffgehalt untersucht. Dr. Tom Shatwell, ein Forscher am IGB, erläutert, dass es bereits in den Jahren 2006 und 2018 Hitzewellen mit Temperaturen knapp unter 30 Grad gegeben hatte. Dennoch stellen die aktuellen Messungen einen neuen Rekord für den Müggelsee dar. Auch in fünf Metern Tiefe waren die Temperaturen mit rund 20 Grad Celsius bemerkenswert hoch.
Die allgemeine Erwärmung der Seen ist ein besorgniserregender Trend. Die Daten der letzten Jahrzehnte zeigen, dass die Durchschnittstemperaturen im Müggelsee im Sommer um etwa 0,5 Grad pro Jahrzehnt angestiegen sind, was seit den 1980er Jahren zu einem Temperaturzuwachs von über zwei Grad geführt hat. Eine umfassende Studie des IGB aus dem Jahr 2025 belegt, dass die Oberflächentemperaturen von 46 deutschen Seen im Zeitraum von 1990 bis 2020 signifikant schneller gestiegen sind als die Lufttemperaturen.
Eine der Herausforderungen, die sich aus höheren Wassertemperaturen ergeben, ist die Schichtung der Gewässer. In der Regel erwärmt sich das Oberflächenwasser schneller als das tiefere Wasser. Diese Schichtung kann dazu führen, dass sich das Wasser nicht mehr durchmischt und somit kein sauerstoffreiches Wasser mehr zu den tieferen Schichten gelangt. Während flache Seen wie der Müggelsee in der Regel durch Wind gut durchmischt werden, kann es bei anhaltenden Hitzewellen zu stabilen Schichtungen kommen, die den Sauerstoffgehalt am Gewässergrund gefährden. In der Zeit vom 17. Juni bis 4. Juli 2026 war eine solche stabile Schichtung im Müggelsee zu beobachten, die zu einem drastischen Rückgang des Sauerstoffgehalts führte. Während an der Oberfläche noch etwa 10 mg/Liter Sauerstoff vorhanden waren, sank der Gehalt in fünf Metern Tiefe auf gerade mal 2,5 mg/Liter.
Hohe Temperaturen haben weitere negative Effekte auf den Sauerstoffgehalt des Wassers. Warmer Wasser kann weniger Sauerstoff halten, und gleichzeitig steigt der Verbrauch an Sauerstoff durch gesteigerte Stoffwechselaktivitäten der Mikroorganismen. Die Untersuchungsergebnisse des IGB zeigen, dass in 51 Prozent der Sommermessungen zwischen 1990 und 2020 die Sauerstoffkonzentration in den untersuchten Seen unter dem kritischen Wert von zwei mg/Liter lag.
Die Auswirkungen auf die Fischpopulationen sind ebenfalls besorgniserregend. Im Müggelsee leben 26 verschiedene Fischarten, darunter Karpfen, Zander und Aal, die relativ temperaturtolerant sind. Dennoch verlieren kälteliebende Arten, wie die Maräne, ihren Lebensraum, da die Sauerstoffkonzentration in den tieferen Wasserschichten abnimmt. Wasserpflanzen hingegen zeigen zunächst eine positive Reaktion auf moderate Temperatursteigerungen, doch langanhaltende Hitzeperioden können die Photosyntheseleistung erheblich beeinträchtigen.
Ein weiteres Problem stellen die Muscheln dar, die für die Wasserfiltration verantwortlich sind. Invasive Arten wie die Quagga-Muschel, die im Müggelsee vorherrscht, sind besonders anfällig für hohe Temperaturen und stellen ihre Filtertätigkeit bei 28 Grad Celsius ein. Bei Temperaturen über 32 Grad sterben sie sogar. Da diese Muscheln eine wichtige Rolle für die Wasserqualität spielen, könnte ihr Rückgang zu einer Zunahme von Algenblüten führen, die in warmem Wasser besonders


















































