Globale Studie zu Ultrafeinstaub: Fast zwei Millionen vorzeitige Todesfälle jährlich**

Eine internationale Untersuchung, geleitet vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und dem Cyprus Institute in Nikosia, hat alarmierende Ergebnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen von Ultrafeinstaub in der Luft veröffentlicht. Laut dieser Studie, die in der Fachzeitschrift „Cardiovascular Research“ erschienen ist, sterben weltweit jährlich nahezu zwei Millionen Menschen aufgrund der Exposition gegenüber ultrafeinen Partikeln, die kleiner als 100 Nanometer sind. Diese Partikel sind für das menschliche Auge unsichtbar und stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, insbesondere in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Forschung zeigt, dass etwa 50 Prozent der durch Ultrafeinstaub verursachten vorzeitigen Todesfälle auf Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zurückzuführen sind. Dies macht Ultrafeinstaub zu einem bedeutenden Risikofaktor für nicht übertragbare Krankheiten, die weltweit rund fünf Prozent aller Todesfälle ausmachen. Trotz der Tatsache, dass in vielen Ländern, darunter die EU und die USA, gesetzliche Grenzwerte für Feinstaub (PM2,5) existieren, sind ultrafeine Partikel bislang nicht reguliert. Dies ist besorgniserregend, da sie aufgrund ihrer geringen Größe tief in die Lunge eindringen können und über die Blutbahn oder die Riechschleimhaut direkt ins Gehirn gelangen.

Um die globale Belastung durch Ultrafeinstaub zu kartieren, kombinierten die Forscher Satellitendaten mit Informationen zur Landnutzung und direkten Messungen aus 155 Standorten weltweit. Diese umfassende Datenanalyse ermöglichte es den Wissenschaftlern, die jahreszeitliche Ultrafeinstaubbelastung zwischen 2010 und 2019 mit einer hohen räumlichen Auflösung von einem Kilometer darzustellen. In städtischen Gebieten variieren die jährlichen Konzentrationen typischerweise zwischen 10.000 und 30.000 Partikeln pro Kubikzentimeter.

Die Schätzung von 1,99 Millionen vorzeitigen Todesfällen durch Ultrafeinstaub bringt ein Konfidenzintervall von 0,81 bis 3,89 Millionen mit sich, was bedeutet, dass die tatsächliche Zahl mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in diesem Bereich liegt. Die Studie ergab, dass die Sterblichkeitsdichte in Europa bei 35,7 und in Nordamerika bei 27,4 pro 100.000 Einwohner und Jahr liegt. Besonders stark ist die Belastung in Süd- und Osteuropa, wo nahezu 91 Prozent der durch Ultrafeinstaub bedingten Todesfälle in städtischen Gebieten auftreten, wobei 78 Prozent in dicht besiedelten urbanen Zentren stattfinden.

Professor Jos Lelieveld, der den Bericht mitverfasst hat, betont, dass Ultrafeinstaub ein vernachlässigter Aspekt der Luftreinhaltungspolitik ist. Er fordert verbindliche Grenzwerte und eine klare Strategie zur Reduzierung der Emissionen aus Quellen wie Verkehr, Industrie und Energieerzeugung. Die Forschung zeigt, dass die Hauptquellen für Ultrafeinstaub hauptsächlich mit Verbrennungsprozessen verbunden sind, insbesondere bei der Nutzung fossiler Brennstoffe.

Die gesundheitlichen Risiken, die von Ultrafeinstaub ausgehen, sind erheblich. Diese Partikel können oxidativen Stress im Körper verursachen und das Endothel der Blutgefäße schädigen, was zu einer Vielzahl von kardiovaskulären Erkrankungen führt, darunter Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzinsuffizienz. Studien belegen, dass Ultrafeinstaub die natürlichen Schutzmechanismen des Körpers umgehen kann, was zu einer direkten Beeinträchtigung des Herz-Kreislauf-Systems führt.

Die Forscher empfehlen, dass eine Senkung der Grenzwerte für Ultrafeinstaub signifikante gesundheitliche Verbesserungen zur Folge haben könnte. Insbesondere ein Wert von 5.000 Partikeln pro Kubikzentimeter könnte die weltweite Übersterblichkeit durch Ultrafeinstaub um etwa 45 Prozent reduzieren. Die Studie hat auch gezeigt, dass in Regionen mit hoher Belastung die Partikel hauptsächlich aus Ruß und organischem Kohlenstoff bestehen, wobei der Großteil der Emissionen auf fossile Brennstoffe zurückzuführen ist.

Zusammenfassend verdeutlicht diese Studie die dringende Notwendigkeit, Ultrafeinstaub in die regelmäßige Luftqualitätsüberwachung aufzunehmen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Emissionen aus verschiedenen Quellen zu reduzieren. Nur durch ein konsequentes Handeln kann die öffentliche Gesundheit geschützt und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch Luftverschmutzung verursacht werden, verringert werden