Eine umfassende Transformation hin zu einer gesünderen und nachhaltigeren Ernährung bis zum Jahr 2050 könnte die Landwirtschaft weltweit erheblich beeinflussen. Diese Erkenntnisse stammen aus einer aktuellen Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde. Die Untersuchung, die von der Cornell University geleitet wurde und auch Beiträge des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sowie des Agricultural Model Intercomparison and Improvement Project umfasst, beleuchtet sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen, die mit der Umstellung des globalen Ernährungssystems verbunden sind. Die Forscher betonen die Notwendigkeit einer proaktiven Agrar- und Ernährungspolitik, um diesen Wandel gerecht und sozialverträglich zu gestalten.
Eine gesunde und anpassungsfähige Ernährung, wie sie in der „Planetary Health Diet“ definiert ist, könnte laut dem jüngsten Bericht der EAT-Lancet-Kommission jährlich etwa 15 Millionen vorzeitige Todesfälle bei Erwachsenen verhindern. Gleichzeitig verursacht das aktuelle Ernährungssystem etwa ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen und ist maßgeblich verantwortlich für die Überschreitung von fünf planetaren Belastungsgrenzen. Darüber hinaus geht ein Drittel der produzierten Lebensmittel verloren oder wird verschwendet, während die Hälfte der bewohnbaren Flächen der Erde landwirtschaftlich genutzt wird, hauptsächlich für die Viehzucht und den Anbau von Tierfutter.
Um die Auswirkungen einer umfassenden Transformation des Ernährungssystems zu analysieren, verglich ein internationales Team von Wissenschaftlern mithilfe von zehn globalen Ernährungssystemmodellen zwei verschiedene Zukunftsszenarien bis 2050: ein „Business-as-usual“-Szenario, das die Fortführung der gegenwärtigen Praktiken beschreibt, und ein Transformationsszenario, das von gesunden Ernährungsgewohnheiten, höherer landwirtschaftlicher Produktivität und einer signifikanten Reduktion der Lebensmittelverschwendung geprägt ist.
Hermann Lotze-Campen, Leiter der Forschungsabteilung für Klimaresilienz am PIK und Mitautor der Studie, wies darauf hin, dass das Festhalten am aktuellen Kurs langfristig teurer wäre. Die wachsende Weltbevölkerung bis 2050 mit gesunder Ernährung zu versorgen, würde die Gesamtheit der landwirtschaftlichen Produktion auf dem Niveau von 2020 halten und gleichzeitig die Umwelt- und Gesundheitskosten im Vergleich zum Business-as-usual-Szenario reduzieren.
Das Business-as-usual-Szenario würde in allen Modellen zu einem Anstieg der Tierbestände, einer Vergrößerung der Anbauflächen und höheren Produktionsmengen führen, wobei auch die Umweltbelastungen in Form von Treibhausgasemissionen und Stickstoffdüngung zunehmen würden. Im Gegensatz dazu würde das Transformationsszenario einen höheren Anteil an landwirtschaftlichen Erzeugnissen vorsehen, die direkt für die menschliche Ernährung genutzt werden, und weniger für die Tierfütterung. Dies würde zu geringeren Produktionsmengen bei Fleisch, Milch, Getreide und Zuckerpflanzen führen, verbunden mit kleineren Tierbeständen und einer reduzierten Flächennutzung.
Hauptautor Matt Gibson, Research Fellow an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, erklärte, dass eine Transformation im Vergleich zum Business-as-usual-Szenario die weltweite landwirtschaftliche Flächennutzung bis 2050 um 9 Prozent und den Produktionswert der Tierhaltung um 60 Prozent senken könnte. Diese Rückgänge würden jedoch teilweise durch ein Wachstum in anderen Sektoren, wie Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten, ausgeglichen werden, wo ein Anstieg des Produktionswerts um 23 Prozent zu erwarten ist.
Ein weiterer bedeutender Vorteil des Transformationsszenarios wäre die drastische Reduzierung der CO₂-Emissionen aus landwirtschaftlichen Landnutzungsänderungen, die bis 2050 im Vergleich zum Business-as-usual-Szenario um 76 Prozent sinken könnten. Auch die direkten Emissionen von Methan und Lachgas aus der Landwirtschaft würden um ein Drittel zurückgehen.
Felicitas Beier, Wissenschaftlerin am PIK und Co-Autorin der Studie, betonte die enormen Chancen für Umwelt und Gesundheit, die sich durch diese Transformation ergeben. Gleichzeitig erfordere der Umgang mit den bestehenden Herausforderungen im Agrarsektor eine kohärente Agrar- und Ernährungspolitik sowie einen Dialog, der alle relevanten Akteure einbezieht. Die Forscher schließen daraus, dass eine ambitionierte Politik erforderlich ist, um die notwendigen Veränderungen zu ermöglichen und die Vorteile eines transformierten Ernährungssystems zu maximieren. Mutige Entscheidungen, die heute getroffen werden, können dazu beitragen, die Menschen, die am stärksten von den Veränderungen betroffen


















































