Hitzewarnungen in Europa: Aufruf zur Optimierung der Gesundheitskommunikation**

In den letzten Jahren hat sich die Situation in Europa hinsichtlich der gesundheitlichen Risiken durch extreme Hitze erheblich verschärft. Der Kontinent erwärmt sich fast doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt, was die Notwendigkeit effektiver Maßnahmen zur Sensibilisierung und zum Schutz der Bevölkerung vor Hitzewellen dringlicher denn je macht. Ein internationales Forschungsteam, geleitet vom Institute for Planetary Health Behaviour der Universität Erfurt, hat nun eine umfassende Analyse der Kommunikationskampagnen europäischer Gesundheitsbehörden durchgeführt, um deren Effektivität zu bewerten. Diese Analyse wurde im renommierten Fachjournal „Nature Health“ veröffentlicht und liefert wertvolle Erkenntnisse über die aktuellen Strategien.

Das Forschungsteam untersuchte insgesamt elf Kommunikationsmaßnahmen aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, Griechenland und den Niederlanden sowie Initiativen internationaler Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Diese Maßnahmen umfassten eine Vielzahl von Formaten, darunter Websites, Social-Media-Kampagnen, Flyer und öffentliche Warnhinweise. Insbesondere die Ansprache gefährdeter Gruppen, wie ältere Menschen und Obdachlose, sowie Besucher großer Veranstaltungen standen im Fokus der Analyse.

Eine der positiv hervorgehobenen Kampagnen stammt von der französischen Gesundheitsbehörde Santé publique France. Diese Kampagne unterscheidet sich durch ihren positiven Ansatz, indem sie anstelle von angsteinflößenden Botschaften praktische Empfehlungen gibt, z. B. zur Kühlung von Wohnräumen oder zur Verbesserung des Schlafs während Hitzewellen. Eine Umfrage mit über 3.000 Teilnehmern vor und nach der Kampagne zeigte, dass dieses positive Framing zu einem höheren Engagement führte. Fast die Hälfte der Befragten gab an, mindestens eine empfohlene Maßnahme umgesetzt zu haben, und mehr als 70 Prozent äußerten die Absicht, dies auch in Zukunft zu tun.

Eine weitere positive Initiative kam aus den Niederlanden. Das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM) evaluiert seine kommunikativen Maßnahmen im Rahmen des Hitzeaktionsplans 2024 und 2025 nach 20 Jahren erstmals umfassend. Diese Evaluation führte zu einer Neuausrichtung der Kommunikationsstrategie weg von reiner Selbstschutzinformation hin zu einem solidarischen Aufruf, gegenseitig aufeinander zu achten, insbesondere für Pflegekräfte und Angehörige.

Trotz dieser positiven Beispiele zeigt die Untersuchung, dass in den meisten europäischen Ländern Kommunikationsmaßnahmen weder vor ihrer Einführung getestet noch nach ihrer Umsetzung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit evaluiert werden. Oft beschränkt sich die Erfolgsmessung auf einfache Kennzahlen wie Klicks auf Websites, ohne dass die tatsächliche Wirkung auf Wissen, Risikowahrnehmung oder Schutzverhalten der Bevölkerung erfasst wird. Zudem setzen viele Kampagnen nach wie vor auf angstbasierte Botschaften, während eine differenzierte Ansprache spezifischer Zielgruppen, wie alleinlebende ältere Menschen oder Beschäftigte in besonders gefährdeten Branchen, selten erfolgt.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der Mangel an Austausch zwischen den europäischen Ländern über wirksame Kommunikationsstrategien oder Evaluationsmethoden. Die bestehenden Netzwerke und Institutionen werden nicht ausreichend genutzt, um voneinander zu lernen und Ressourcen zu bündeln. Das Forschungsteam fordert daher eine grundlegende Reform der Gesundheitskommunikation im Hinblick auf extreme Hitze. Sie empfehlen die systematische Vorabprüfung von Kommunikationsmaterialien, eine verpflichtende Wirkungsevaluation nach der Einführung und den Aufbau einer europaweiten Datenbank mit bewährten, evidenzbasierten Materialien.

Ein von der Universität Erfurt geleitetes Projekt, unterstützt vom Bundesgesundheitsministerium, bietet bereits eine Dateninfrastruktur, um repräsentative Daten über das Wissen, die Risikowahrnehmung und das Schutzverhalten der Bevölkerung zu sammeln. Diese Daten zeigen, dass ein erheblicher Teil der gefährdeten Bevölkerung sich ihrer Risiken nicht bewusst ist, was die Notwendigkeit gezielterer Kommunikationsstrategien unterstreicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es angesichts der zunehmenden Häufigkeit von Hitzewellen nicht ausreicht, lediglich Warnungen und Schutzmaßnahmen zu verbreiten. Es ist entscheidend, dass die Wirksamkeit dieser Maßnahmen systematisch überprüft wird. Die Forscher appellieren daher an die europäischen Gesundheitsbehörden, ihre Kommunikationsstrategien künftig evidenzbasiert zu entwickeln, zu evaluieren und länderübergreifend abzustimmen, um so effektiv Leben zu schützen und gesundheitliche Risiken zu minimieren.