Eine neue Studie, an der die Universität Greifswald beteiligt ist, hat das Potenzial von Feuchtgebieten in Europa für den Klimaschutz genauer untersucht. Feuchtgebiete, insbesondere Moore, sind entscheidende Kohlenstoffspeicher und spielen eine wesentliche Rolle im globalen Klimasystem. Um die ambitionierten Ziele der Europäischen Union zur Wiederherstellung geschädigter Feuchtgebiete zu erreichen, sind fundierte Daten über den Zustand und die Verbreitung dieser Ökosysteme unerlässlich.
Die EU hat sich verpflichtet, bis 2030 mindestens 30 Prozent der geschädigten Feuchtgebiete in den Mitgliedstaaten wiederherzustellen. Dies erfordert jedoch präzise Informationen darüber, welche Gebiete das größte Potenzial für den Klimaschutz und die Erhaltung der Biodiversität bieten. Eine internationale Forschungsgruppe, zu der auch das Greifswald Moor Centrum (GMC) und der Sonderforschungsbereich WETSCAPES2.0 der Universität Greifswald gehören, hat daher eine hochauflösende Karte der naturnahen Feuchtgebiete in Europa erstellt. Diese Karte wurde unter Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) und Satellitendaten entwickelt und in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.
Die Studie liefert erstmals umfassende Informationen darüber, welche Feuchtgebiete in Europa besonders viel Kohlenstoff speichern, wie stark sie durch menschliche Aktivitäten beeinträchtigt sind und wo gezielte Wiederherstellungsmaßnahmen am effektivsten sein könnten. Laut Dr. Gyula Máté Kovács, Erstautor der Studie, ist eine detaillierte Kartierung der Feuchtgebiete unerlässlich, um den Einfluss dieser Ökosysteme auf Klima und Biodiversität zu bewerten. Vor dieser Studie gab es keine vergleichbare Karte, die die Fragmentierung und den Zustand der Feuchtgebiete in Europa dokumentiert.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Europas Feuchtgebiete stark fragmentiert sind. Viele bestehen nur noch aus kleinen, isolierten Restflächen, und etwa ein Fünftel der erfassten Gebiete ist erheblich durch menschliche Aktivitäten beeinträchtigt. Besonders betroffen sind Binnenfeuchtgebiete und Moore, die als bedeutende Kohlenstoffspeicher fungieren.
Die Forscher aus Greifswald brachten ihr Fachwissen zu Mooren und europäischer Moorpolitik in die Studie ein und trugen zur Entwicklung der Kartierungsmethoden bei. Diese Arbeiten basieren auf den Forschungsaktivitäten des Greifswald Moor Centrums, das sich auf die Wiedervernässung und nachhaltige Nutzung von Mooren konzentriert. Moore sind besonders wichtig für den Klimaschutz, da sie über lange Zeiträume große Mengen Kohlenstoff speichern können. Bei Entwässerung hingegen setzen sie erhebliche Mengen an Treibhausgasen frei.
Sebastian van der Linden, Professor für Fernerkundung an der Universität Greifswald und Co-Autor der Studie, hebt hervor, dass die Wiederherstellung von Feuchtgebieten nicht nur eine Herausforderung für den Klimaschutz darstellt, sondern auch für den Erhalt der Biodiversität und die Sicherstellung der Wasserverfügbarkeit in Zeiten zunehmender Dürreperioden. Die neu entwickelte Karte bietet eine detaillierte Analyse der Feuchtgebiete und zeigt auf, wo die größten Potenziale für den Schutz des Bodenkohlenstoffs und typischer Lebensräume in natürlichen Feuchtgebieten liegen.
Zusätzlich bietet die Studie vergleichbare Schätzungen zum Wiederherstellungsbedarf in verschiedenen europäischen Ländern. Für Deutschland wurde ein Bedarf von rund 106.000 Hektar naturnaher Feuchtgebiete bis 2030 ermittelt. Diese Ergebnisse sind von großer Bedeutung für die Mitgliedstaaten, da sie bei der Erstellung ihrer nationalen Wiederherstellungspläne unterstützen und eine Fortschrittsdokumentation auf europäischer Ebene ermöglichen.
Das Greifswald Moor Centrum, das in Zusammenarbeit mit der Michael Succow Stiftung, DUENE e. V. und der Stiftung Moorbibliothek agiert, zählt zu den größten Zentren für Moorforschung weltweit. Es arbeitet an wissenschaftlich fundierten Lösungen für Herausforderungen in den Bereichen Klimaschutz, Biodiversität und nachhaltige Landnutzung im Zusammenhang mit Mooren. Die neue Studie bietet somit einen wichtigen Beitrag zu den Bemühungen, die europäischen Feuchtgebiete zu schützen und ihre Wiederherstellung voranzutreiben.


















































