Der Aralsee, einst das viertgrößte Binnengewässer der Welt, hat in den letzten Jahrzehnten dramatische Veränderungen durchlebt. Rund 90 Prozent seiner Wasserfläche sind mittlerweile verschwunden. Diese erschreckende Entwicklung hat nicht nur ökologische, sondern auch klimatische Konsequenzen. Eine neue Studie, die vom Centre for Advanced Studies of Blanes (CEAB-CSIC) in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) durchgeführt wurde, beleuchtet die potenziellen Vorteile einer Renaturierung des Aralsees. Sie zeigt auf, dass die Wiederherstellung des Gewässers nicht nur ökologische Vorteile mit sich bringen könnte, sondern auch signifikante Reduzierungen der Kohlendioxidemissionen bewirken könnte.
Seit den 1960er Jahren hat der Rückgang des Aralsees dazu geführt, dass große Mengen an Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre freigesetzt wurden. Insgesamt wurden durch die freigelegten Sedimente seit 1960 schätzungsweise 748 Megatonnen CO₂ emittiert. Dieser Prozess wird durch das Austrocknen des Sees begünstigt, da die Sedimente, die organisches Material enthalten, der Luft ausgesetzt werden. Mikroben zersetzen dieses Material, was zur Freisetzung von CO₂ führt. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass eine Wiederflutung der trockenen Sedimente diese Emissionen erheblich verringern könnte. Die Berechnungen der Forscher legen nahe, dass durch eine solche Maßnahme die Freisetzung von weiteren 605 Megatonnen CO₂ verhindert werden könnte, was den Emissionen Spaniens über einen Zeitraum von fast drei Jahren entspricht.
Die Auswirkungen einer Wiederbelebung des Aralsees könnten sich nicht nur auf die Umwelt beschränken. Die Forscher betonen, dass der Kohlenstoff, der im ehemaligen Seebett verbleibt, einen hohen wirtschaftlichen Wert besitzen könnte. Auf den freiwilligen Kohlenstoffmärkten könnte die Erhaltung dieses Kohlenstoffs möglicherweise Handel mit Emissionszertifikaten im Wert von 3,6 bis 18 Milliarden US-Dollar ermöglichen. Rafael Marcé, einer der Hauptautoren der Studie, hebt hervor, dass unter dem Aralsee ein wertvoller Kohlenstoffspeicher verborgen ist. Durch die Renaturierung könnte dieser Kohlenstoff von einer Quelle von Emissionen zu einem Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel werden.
Das Team macht deutlich, dass die Austrocknung eines Gewässers nicht nur hydrologische und ökologische Herausforderungen mit sich bringt, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf den Kohlenstoffkreislauf hat, die in der bisherigen Klimaforschung oft übersehen werden. Georgiy Kirillin, ein weiterer Mitautor der Studie, hebt hervor, dass die Forschungsarbeit zur Rettung des Nord-Aralsees gezeigt hat, dass sich der Zustand des Gewässers nach zwanzig Jahren tatsächlich verbessert hat. Der Sauerstoffgehalt ist stabil, und es gibt Anzeichen dafür, dass auch der trockene Teil des Aralsees das Potenzial hat, sich zu regenerieren.
Die Wiederherstellung des Aralsees sollte daher nicht nur als umweltschädliche Maßnahme betrachtet werden, sondern als eine potenzielle Klimainvestition mit messbaren Erträgen. Die Forscher schätzen, dass eine Investition von etwa 9,7 Milliarden US-Dollar in die Wiederherstellung der Wasserwirtschaft dazu beitragen könnte, die Zuflüsse so weit zu erhöhen, dass bis zu 50 Prozent der Wasseroberfläche von 1960 wiederhergestellt werden. Gleichzeitig wäre es möglich, etwa 323 Megatonnen CO₂-Äquivalent in Form von handelbaren Emissionszertifikaten zu generieren.
Die Herausforderungen bei der vollständigen Wiederherstellung des Aralsees sind jedoch enorm und erfordern technische, soziale und politische Lösungen. Dennoch könnte eine gezielte Klimafinanzierung in Kombination mit verbesserter Wasserwirtschaft und internationaler Zusammenarbeit einen entscheidenden Beitrag zur Realisierung dieser Vision leisten.
Abschließend ist der Aralsee nicht nur ein extremes Beispiel für die Folgen menschlichen Handelns auf die Umwelt, sondern auch ein Mahnmal für die Herausforderungen, die mit der Austrocknung von Gewässern weltweit einhergehen. Die Erkenntnisse dieser Studie könnten wegweisend für andere Regionen sein, in denen das Austrocknen von Seen ähnliche Auswirkungen auf den Kohlenstoffkreislauf haben könnte.


















































