Die Bekämpfung von Waldbränden ist in den letzten Jahren aufgrund des Klimawandels und der damit einhergehenden Zunahme von extremen Wetterereignissen zu einer immer größeren Herausforderung für Feuerwehren und Katastrophenschutzorganisationen in Europa geworden. In diesem Kontext hat die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts TREEADS, das über 40 Institutionen aus Europa und Taiwan zusammenbringt, bedeutende Fortschritte erzielt. Die gewonnenen Erkenntnisse zielen darauf ab, die Brandbekämpfung nicht nur effektiver, sondern auch sicherer für die Einsatzkräfte zu gestalten.
Im Rahmen von TREEADS haben Forscher der BAM und ihrer Partner untersucht, wie sich Brände in verschiedenen Vegetationstypen ausbreiten, welche Rauchgase dabei entstehen und welche Löschstrategien unter realistischen Bedingungen am wirksamsten sind. In vielen Fällen ist Löschwasser während eines Einsatzes nur begrenzt verfügbar, wodurch der Einsatz von Zusätzen wie Schaum, Netzmitteln oder sogenannten Retardants unerlässlich wird. Diese Mittel können den Wasserverbrauch reduzieren und die Effektivität der Löschmaßnahmen steigern. Die Forscher betonen jedoch, dass die Auswahl der Löschmittel nicht erst während des Einsatzes erfolgen sollte. Vielmehr ist es entscheidend, dass potenzielle Anwendungsfälle und Umweltbedingungen im Vorfeld analysiert und in die Einsatzplanung integriert werden.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, haben die Wissenschaftler praxisorientierte Handlungsempfehlungen für Feuerwehren entwickelt. Diese Empfehlungen dienen als entscheidende Hilfestellung bei der Planung und Durchführung von Löscheinsätzen und sind in einem Merkblatt veröffentlicht, das von der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb) herausgegeben wurde. Die Empfehlungen basieren auf den Ergebnissen aus fünf umfangreichen Freilandversuchen, die in einem Kiefernwald in Sachsen-Anhalt und auf landwirtschaftlichen Flächen in Brandenburg durchgeführt wurden. Mithilfe moderner Messtechnik konnten die Forscher analysieren, wie sich Brände ausbreiten, wie Schwelbrände – langsame, glimmende Feuer im Boden – entstehen und wie sich Rauch unter realistischen Bedingungen verhält.
Die Ergebnisse dieser Versuche zeigen, dass der Verlauf von Bränden stark von der Art der Vegetation, dem verfügbaren Brennstoff und den Wetterbedingungen abhängt. Während in Kiefernwäldern häufig langanhaltende Schwelbrände zu intensiver Rauchentwicklung führen, breiten sich Brände auf landwirtschaftlichen Flächen oft schnell als windgetriebene Flammenfronten aus. Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, Brandverläufe besser vorherzusagen und Einsatzstrategien spezifisch an unterschiedliche Situationen anzupassen.
Ein weiterer zentraler Aspekt des Projekts war die Verbesserung der Löschverfahren. Die Forscher testeten umweltfreundliche Löschwasserzusätze auf Tensidbasis sowie verschiedene Löschtechniken. Dabei wurden zwei neue Düsen entwickelt, die eine effizientere Anwendung des Löschschaums ermöglichen. Zudem lieferten die Studien neue Erkenntnisse zur Rauchentwicklung, die dazu beitragen können, den Schutz der Einsatzkräfte zu verbessern. Die gesammelten Daten fließen auch in computergestützte Modelle ein, die künftig eine realistischere Simulation von Vegetationsbränden ermöglichen und eine genauere Risikobewertung erlauben.
„Angesichts der steigenden Häufigkeit und Komplexität von Waldbränden durch den Klimawandel ist es für die Feuerwehr entscheidend, auf wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen zurückgreifen zu können“, erklärt Anja Hofmann-Böllinghaus, Expertin für Brandforschung und Projektkoordinatorin an der BAM. „Unsere Forschung hilft dabei, Brandverläufe vorherzusagen, die Strategien zur Brandbekämpfung zu optimieren und die Sicherheit der Einsatzkräfte zu erhöhen.“
Das TREEADS-Projekt stellt somit einen bedeutenden Schritt in Richtung eines ganzheitlichen Brandmanagementsystems dar, das sich nicht nur auf die Bekämpfung von Bränden konzentriert, sondern auch präventive Maßnahmen und die Wiederherstellung nach Umweltkatastrophen berücksichtigt. Mit den gewonnenen Erkenntnissen wird der Weg geebnet, die Herausforderungen der Zukunft im Bereich der Waldbrandbekämpfung effektiver anzugehen und somit Menschen, Umwelt und Einsatzkräfte besser zu schützen.


















































