Veränderungen in der Atmosphärenzirkulation und ihre Auswirkungen auf die Trockenheit in Europa**

In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler der Universität Leipzig untersucht, welche Faktoren zur überdurchschnittlichen Trockenheit der Böden und den steigenden Temperaturen in Europa beitragen. Ihre Forschung zeigt, dass insbesondere Veränderungen in den Zirkulationsmustern der Atmosphäre eine entscheidende Rolle spielen. Diese Zirkulationsänderungen, die typischen Wetterlagen zugrunde liegen, erklären etwa 55 Prozent des beobachteten Dürretrends in den Sommermonaten. Die Forscher identifizierten dabei eine Zunahme und Stabilität von Hochdruckgebieten, die in der Regel mit trockenem Wetter einhergehen und somit den Niederschlag reduzieren.

Dr. István Dunkl, der Erstautor der Studie, betont die Unsicherheiten, die mit der künftigen Entwicklung der Trockenheit verbunden sind, da die zugrunde liegenden Ursachen der atmosphärischen Zirkulation noch weitgehend unbekannt sind. Diese Ergebnisse wurden kürzlich im renommierten Fachjournal „Nature Geoscience“ veröffentlicht und sind Teil der umfassenderen Forschung zur Klimawirkung auf spezifische Wetterereignisse, die von der Arbeitsgruppe Klimaattribution an der Universität Leipzig durchgeführt wird.

Ein zentrales Anliegen dieser Studie ist die Untersuchung der Veränderungen in Europa, einer Region, die in den letzten Jahrzehnten signifikante Erwärmungstrends verzeichnet hat. Laut Juniorprofessor Dr. Sebastian Sippel hat die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen und Dürreperioden in den Sommermonaten stark zugenommen. Diese zunehmende Trockenheit hat weitreichende Folgen, insbesondere für die Agrarwirtschaft, die Verfügbarkeit von Wasser und die Energieproduktion.

Die Forscher fanden heraus, dass der Einfluss des Klimawandels auf die Bodenfeuchte von Jahr zu Jahr variiert. In Sommern mit wenig Niederschlag zeigt sich der negative Effekt des Klimawandels auf die Bodenfeuchte besonders stark. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass zwar die Gesamtmenge des Niederschlags abnimmt, aber extreme Niederschlagsereignisse zunehmen. In nassen Jahren kann dieser Trend teilweise kompensiert werden, da häufigere Extremereignisse zu höheren Niederschlagsmengen führen.

Ob die Trockenheit in Zukunft weiter ansteigen oder temporär zurückgehen wird, hängt laut Dr. Dunkl davon ab, ob die beobachteten Zirkulationsänderungen durch den Klimawandel verursacht werden oder ob sie Teil natürlicher Klimaschwankungen sind. Diese Frage bleibt bislang unbeantwortet und stellt eine bedeutende Herausforderung für die Klimaforschung dar.

Die Ursachen für die Zunahme von Temperaturen und Dürre in Europa sind, laut den Forschenden, bislang nicht vollständig ergründet. Einerseits sind sie ein direktes Ergebnis des Klimawandels, da die erhöhte Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre den Energiehaushalt der Erde verändert und somit die Bodentrockenheit verstärkt. Andererseits tragen Variationen in der atmosphärischen Zirkulation zur Entstehung feuchter oder trockener Sommer bei. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Muster der Zirkulation in Europa verändert, was zu mehr und längeren Hochdruckperioden führt, während Tiefdruckgebiete, die Regen bringen, seltener werden.

Die Leipziger Forscher haben sich darauf spezialisiert, den Einfluss dieser Veränderungen zu quantifizieren und den Zusammenhang zwischen atmosphärischen Zirkulationsänderungen und Dürre-Trends zu erläutern. Ihre Studie schließt eine bedeutende Wissenslücke, da frühere Beobachtungsstudien lediglich eine Korrelation zwischen Trockenheit und veränderten Wetterlagen aufzeigen konnten, ohne die zugrunde liegenden Ursachen zu klären.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind von großer Bedeutung für die Einschätzung zukünftiger Dürreereignisse, da die jährlichen Schäden durch Dürre in Europa durchschnittlich etwa neun Milliarden Euro betragen, in den Mittelmeerländern sogar noch mehr. Um robuste Anpassungsstrategien für ein zunehmend trockenes Europa zu entwickeln, ist es entscheidend, sowohl dynamische als auch thermodynamische Prozesse in die Betrachtungen einzubeziehen.

Zusätzlich plant das Team der Universität Leipzig, in einem neuen Projekt den Einfluss von Biodiversität auf Hitze und Trockenheit zu untersuchen und deren potenzielle Rolle als Schutzfaktor im Kontext des Klimawandels zu beleuchten. Derzeit arbeiten sie an drei Studien, die sich speziell mit der Verbindung zwischen Klimawandel und der Gefahr von Waldbränden, insbesondere in Spanien und Portugal, befassen.