Künstliche Intelligenz (KI) hat sich in den letzten Jahren von einem gelegentlichen Hilfsmittel zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Studienalltags entwickelt. Aktuelle Umfragen zeigen, dass fast die Hälfte der Studierenden in Deutschland KI-Tools täglich nutzt, während insgesamt etwa 80 Prozent der Befragten angeben, solche Technologien mindestens einmal pro Woche für ihre akademischen Aktivitäten einzusetzen. Diese Erkenntnisse stammen aus einer umfassenden Studie des CHE Centrum für Hochschulentwicklung, die im Wintersemester 2025/26 mehr als 28.000 Studierende aus wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Fächern befragte.
Der Einsatz von KI ist besonders bei Recherchen und der Informationsbeschaffung populär. Studierende verwenden KI häufig, um sich einen ersten Überblick über Themen zu verschaffen oder um kreative Denkprozesse, wie Brainstorming, zu unterstützen. Diese Technologien fungieren zunehmend als digitale Lernpartner oder Tutoren, obwohl die regelmäßige Nutzung von KI zur Textgenerierung noch nicht weit verbreitet ist. Laut Nina Horstmann, einer Expertin für empirische Methoden am CHE, ist die Integration von KI in den Studienalltag so weit fortgeschritten, dass Hochschulen sich nun mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie der Einsatz dieser Technologien sinnvoll und verantwortungsbewusst gestaltet werden kann.
Die Nutzungshäufigkeit von KI variiert stark je nach Studienfach. Studierende der Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaftslehre nutzen KI am intensivsten; hier greifen mehr als 90 Prozent mindestens wöchentlich darauf zurück. Im Gegensatz dazu ist die Nutzung in der Rechtswissenschaft und Sozialen Arbeit deutlich geringer. Dies führt zu einem interessanten Bild, da die Anwendungsbereiche je nach Studienrichtung unterschiedlich ausgeprägt sind. Während in der Wirtschaftsinformatik KI häufig für Programmieraufgaben eingesetzt wird, verwenden Studierende der Wirtschaftspsychologie sie besonders oft zur Ideenfindung.
Die Meinungen über den Einsatz von KI in Prüfungen, wie beispielsweise in Hausarbeiten oder Referaten, sind jedoch geteilt. Fast die Hälfte der Befragten zeigt sich offen für eine erlaubte Nutzung von KI für Prüfungsleistungen, während ein erheblicher Teil, insbesondere in der Rechtswissenschaft, eher skeptisch ist. Hier unterstützt nur etwa ein Viertel der Studierenden den Gedanken, KI in Prüfungen zuzulassen. In anderen Fächern wie Wirtschaftspsychologie oder Betriebswirtschaftslehre hingegen befürwortet die Hälfte der Studierenden die Nutzung von KI in solchen Kontexten.
Trotz der weit verbreiteten Nutzung von KI bewerten die Studierenden die Angebote ihrer Hochschulen zur Vermittlung von KI-Kompetenzen als nur durchschnittlich. Im Schnitt vergaben die Befragten 3,3 von 5 möglichen Sternen. Während etwa 46 Prozent der Studierenden die Angebote als gut oder sehr gut einschätzen, sind rund 30 Prozent weniger zufrieden und vergeben nur niedrige Bewertungen. Besonders kritisch äußern sich Studierende der Rechtswissenschaft und Sozialen Arbeit, während die Wirtschaftsinformatik tendenziell besser abschneidet.
Die Umfrage ergab zudem, dass mehr als die Hälfte der Studierenden zusätzliche Lernangebote und eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema KI in der Lehre wünscht. Ein Großteil der Befragten fordert klare Richtlinien für den ethischen Umgang mit KI und den Schutz persönlicher Daten. Horstmann betont, dass die Förderung von KI-Kenntnissen in die reguläre Lehre integriert werden sollte. Dabei sei es wichtig, nicht nur technische Fähigkeiten zu vermitteln, sondern auch einen kritisch-reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit diesen Technologien zu fördern.
Die Daten stammen aus einer der größten Befragungen an deutschen Hochschulen, die im Rahmen des CHE Hochschulrankings durchgeführt wurde. Untersucht wurden verschiedene Studiengänge, von Betriebswirtschaftslehre über Rechtswissenschaft bis hin zu Sozialer Arbeit. Die Ergebnisse zu Nutzungshäufigkeit, Anwendungszwecken und studentischen Erwartungen können durch den interaktiven DatenCHECK vertieft analysiert werden.
Insgesamt zeigt die Studie, dass Künstliche Intelligenz nicht nur ein Werkzeug für Studierende ist, sondern auch die Hochschulen vor neue Herausforderungen und Chancen stellt. Es ist entscheidend, die Integration von KI in die akademische Ausbildung aktiv zu gestalten, um den Bedürfnissen der Studierenden gerecht zu werden und sie auf die Anforderungen der digitalen Zukunft vorzubereiten.


















































