
Ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie hat eine faszinierende Entdeckung gemacht: Die Larven des Schwarzblauen Ölkäfers (Meloe proscarabaeus) verströmen einen Duft, der dem von Blumen ähnelt, um Wildbienen anzulocken. Diese Strategie ermöglicht es den Larven, als blinde Passagiere in die Nester der Bienen zu gelangen, wo sie sich von den Eiern und den Nahrungsreserven der Bienen ernähren können.
In der ersten Studie dieser Art wurde nachgewiesen, dass Insekten in der Lage sind, Blütendüfte nachzuahmen, um Bestäuber zu manipulieren. Die Forscher analysierten den Duft der Ölkäferlarven und entdeckten, dass er aus einer komplexen Mischung von Monoterpenoiden besteht, die typischerweise von vielen Blumen abgegeben werden. Verhaltensstudien zeigten, dass Bienen auf den Duft der Larven reagieren, auch wenn keine Larven sichtbar sind. Dies deutet darauf hin, dass die Anlockung vor allem durch chemische Signale geschieht.
Die Larven des Schwarzblauen Ölkäfers müssen in die Nester von solitären Bienen gelangen, um zu überleben, da sie dort die notwendigen Ressourcen finden. Um diese Nester zu erreichen, verlassen sich die Larven auf Täuschung. Sie können sich zum Beispiel als Ansammlung auf einem Halm präsentieren, was Bienen in die Irre führt und sie glauben lässt, es handele sich um eine Grasblüte. Die Forscher fanden heraus, dass chemische Mimikry eine entscheidende Rolle in dieser Strategie spielt.
Das Forschungsteam, geleitet von Ryan Alam und Tobias Köllner, wurde durch frühere Untersuchungen inspiriert, die zeigten, dass eine verwandte Ölkäferart aus Nordamerika, Meloe franciscanus, die Sexuallockstoffe bestimmter Bienen nachahmt. Dies brachte die Forscher zu der Frage, ob der europäische Schwarzblaue Ölkäfer eine ähnliche oder eine ganz andere chemische Täuschung anwendet. Um diese Frage zu beantworten, sammelten sie Ölkäfer in der Umgebung von Jena, ließen sie paaren und untersuchten die von den Larven abgegebenen flüchtigen Verbindungen.
Die chemischen Analysen ergaben, dass die Larven 17 verschiedene Monoterpenoide freisetzen, die bekannte Blütenaromen sind, wie sie beispielsweise von Pflaumen- und Kirschblüten ausgestrahlt werden. Diese Blumen blühen zur gleichen Zeit, in der die Larven auf ihren Transport durch die Bienen warten. Die Verhaltensversuche zeigten eindeutig, dass Bienen den Duft der Larven bevorzugen, was die chemische Anziehungskraft der Larven weiter unterstreicht.
Ein zentrales Rätsel, das die Forscher klären wollten, war die Herkunft der blütenduftähnlichen Substanzen. Sie untersuchten, ob die Larven diese Duftstoffe aus der Nahrung aufnehmen oder ob sie sie selbst produzieren. Die Ergebnisse zeigten, dass die Larven die Duftstoffe nicht von ihrer Umgebung beziehen, sondern sie selbst synthetisieren. Durch genetische Analysen identifizierten die Wissenschaftler zwei Cytochrom-P450-Enzyme, die an der Bildung der blütenähnlichen Verbindungen beteiligt sind.
Diese Entdeckung stellt ein neues Paradigma in der Mimikry dar. Sie zeigt, dass ein Tier in der Lage ist, chemische Signale selbst zu erzeugen und diese zu nutzen, um eine Pflanzenidentität zu imitieren. Die Larven des Schwarzblauen Ölkäfers nutzen diese chemischen Anziehungskräfte, um ein breites Spektrum an Bienenarten zu parasitieren. Indem sie eine Ressource nachahmen, die viele Bienen anzieht, erhöhen sie ihre Überlebenschancen.
Die Ergebnisse dieser Studie erweitern unser Verständnis von parasitären Beziehungen in der Natur und verdeutlichen die komplexen Kommunikationsstrukturen in Ökosystemen. Die Forscher planen, die gesamte Biosynthese der Duftstoffe weiter zu untersuchen und auch verwandte Käferarten zu analysieren, um zu verstehen, wie weit diese faszinierende Strategie verbreitet ist und wie sie sich im Laufe der Evolution entwickelt hat.


















































