Entdeckung eines neuen Bakterienstamms gibt Esparsette neuen Auftrieb**

Entdeckung eines neuen Bakterienstamms gibt Esparsette neuen Auftrieb**

Eine spannende Entwicklung in der Landwirtschaft könnte dazu beitragen, die Anbaubedingungen und das Wachstum der Esparsette (Onobrychis viciifolia) erheblich zu verbessern. Forscher des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig haben eine neue Art von Knöllchenbakterien entdeckt, die als Mesorhizobium onobrychidis OM4 bezeichnet wird. Diese Mikroorganismen haben die Fähigkeit, den Stickstoffgehalt im Boden zu erhöhen und somit das Wachstum der Esparsette anzukurbeln. Diese Entdeckung könnte den Weg für eine breitere Nutzung dieser Futterpflanze in der deutschen Agrarlandschaft ebnen, wo sie bislang nur eine marginale Rolle spielt.

Die Esparsette ist eine Leguminose, die für ihre positiven Eigenschaften in der Tierernährung bekannt ist. Sie ist gut verdaulich, nicht blähend und bietet sogar anthelmintische Wirkungen, die Tiere vor parasitären Nematoden schützen. Diese vorteilhaften Eigenschaften sind auf den hohen Gehalt an kondensierten Tanninen in der Pflanze zurückzuführen. Zudem trägt ihre lange Blütezeit von Mai bis September zur Biodiversität bei, da sie zahlreiche Bestäuber anzieht.

Trotz dieser Vorzüge wird die Esparsette in Deutschland nur selten angebaut. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen hat die Pflanze hohe Ansprüche an den Standort, zum anderen ist ihre Jugendentwicklung empfindlich und sie hat eine geringe Konkurrenzfähigkeit in Mischkulturen. Das JKI hat in einem Forschungsprojekt, das von Dr. Torsten Thünen geleitet wird, die Herausforderungen untersucht, denen die Esparsette gegenübersteht. Dr. Samad Ashrafi, ein Kollege von Dr. Thünen, hat dabei den neuen Bakterienstamm isoliert, dessen Wachstumseffekte bereits in ersten Inokulationsversuchen vielversprechend waren. Der Vergleich mit unbehandelten Kontrollpflanzen zeigte einen bis zu vierfachen Anstieg der Biomasse, was die Bedeutung dieses Bakteriums unterstreicht.

Die positiven Laborergebnisse führten dazu, dass das JKI eine Saatgutfirma informierte, die bereits die einzige in Deutschland zugelassene Esparsetten-Sorte vertreibt. Diese Firma wiederholte die Inokulationsversuche und bestätigte die wachstumsfördernde Wirkung des isolierten Stammes. Infolge dieser Bestätigung wurde eine Übertragungsvereinbarung zwischen dem JKI und der Firma Feldsaaten Freudenberger unterzeichnet, die nun mit der Produktentwicklung eines kommerziellen Inokulums auf Basis von Mesorhizobium onobrychidis OM4 begonnen hat. Eine Markteinführung ist bereits für die laufende Saison 2026 geplant.

Die Bedeutung dieser Entwicklung könnte weitreichende Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben. Die Esparsette hat Potenzial, nicht nur die Futterqualität für Tiere zu verbessern, sondern auch eine nachhaltige Anbauweise zu fördern, die den Stickstoffgehalt im Boden auf natürliche Weise erhöht. Dies könnte dazu beitragen, den Einsatz von chemischen Düngemitteln zu reduzieren und somit die Umweltbelastungen in der Landwirtschaft zu verringern.

Die Entdeckung von Mesorhizobium onobrychidis OM4 könnte also nicht nur das Wachstum der Esparsette verbessern, sondern auch dazu beitragen, diese Pflanze wieder populärer zu machen. Ihr hoher Nährwert und die umweltfreundlichen Eigenschaften machen sie zu einer vielversprechenden Option für eine nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland. Die Forscher des JKI sehen in dieser neuen Bakterienart einen Schlüssel zur Überwindung der bisherigen Anbauprobleme und zur Förderung einer breiteren Akzeptanz der Esparsette im deutschen Agrarsektor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Isolierung des neuen Bakterienstamms eine vielversprechende Perspektive für den Anbau der Esparsette eröffnet und die Grundlage für zukünftige Entwicklungen in der nachhaltigen Landwirtschaft legt. Das JKI setzt damit einen wichtigen Schritt zur Förderung von Pflanzen, die nicht nur den Nahrungsbedarf der Tiere decken, sondern auch zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur Förderung der Biodiversität beitragen.