
Zoologische Gärten sind nicht nur Orte der Tierbegegnung, sondern auch wichtige Bildungsstätten, die das Ziel verfolgen, das Bewusstsein für die Natur und den Artenschutz zu fördern. Eine aktuelle Studie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main hat nun gezeigt, dass Bildungsangebote in Zoos die Naturverbundenheit der Teilnehmenden erheblich stärken können, insbesondere bei Personen, die zuvor nur wenig Bezug zur Natur hatten.
Die Untersuchung, geleitet von Professor Paul Dierkes, umfasste Daten aus zwanzig zoologischen Einrichtungen in Europa, darunter Zoos aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Portugal. Ziel der Studie war es herauszufinden, inwieweit Zoobildungsprogramme das Gefühl der Naturverbundenheit bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern beeinflussen können und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.
Die Teilnehmenden wurden gebeten, vor und nach den Bildungsprogrammen Fragebögen auszufüllen. Diese Fragebögen erfassten nicht nur die Naturverbundenheit, sondern auch demografische Merkmale wie Alter, Geschlecht sowie die Häufigkeit von Zoo-Besuchen. Darüber hinaus wurde untersucht, ob der Kontakt zu Tieren und die Thematisierung von Natur- und Artenschutz innerhalb des Programms stattfand.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Teilnahme an Zoobildungsprogrammen die Naturverbundenheit der Teilnehmenden kurzfristig erhöhen kann. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei denjenigen, die zu Beginn der Studie nur eine durchschnittliche Verbindung zur Natur angaben. Laut Dr. Matthias Kleespies, einem der Autoren der Studie, erreichen diese Programme genau die Menschen, die weniger stark mit der Natur verbunden sind, was eine wichtige Erkenntnis für die Umweltbildung darstellt.
Die Effektivität der Programme war besonders hoch, wenn sie direkten Kontakt zu Tieren ermöglichten und Themen wie Natur- und Artenschutz behandelten oder über einen längeren Zeitraum stattfanden. Bei Personen, die bereits eine hohe Naturverbundenheit aufwiesen, waren die Veränderungen weniger stark ausgeprägt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Bildungsangebote für diese Gruppe weniger relevant sind. Professor Dierkes erklärt, dass Teilnehmer mit bereits hohen Werten weniger Spielraum für weitere messbare Steigerungen haben. Dennoch können solche Programme dazu beitragen, bestehende Einstellungen zu festigen oder zu vertiefen.
Die Studie identifizierte auch Unterschiede in den Effekten basierend auf anderen Faktoren. So zeigten Menschen, die häufiger Zoos besuchten, tendenziell stärkere Effekte als Gelegenheitsbesucher. Das Alter spielte ebenfalls eine Rolle: Besonders Kinder mit einer unterdurchschnittlichen Naturverbundenheit profitierten stark von den Programmen. Ebenso gab es Unterschiede zwischen den Geschlechtern; Frauen berichteten von größeren Zuwächsen in ihrer Naturverbundenheit als Männer.
Die Ergebnisse dieser Studie liefern wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung von Bildungsangeboten in Zoos. Die Forschenden betonen, dass es wichtig ist, die Ausgangslage der Teilnehmenden zu berücksichtigen, um die Wirksamkeit der Programme zu erhöhen. Bei der Planung und Evaluation von Angeboten sollte darauf geachtet werden, ob die Teilnehmenden bereits eine starke Verbindung zur Natur haben oder nicht.
Ob die gesteigerte Naturverbundenheit langfristig bestehen bleibt, ist derzeit noch unklar und bedarf weiterer Forschung. Dennoch sehen die Autoren in den Ergebnissen ein starkes Argument für die Bedeutung professioneller Bildungsarbeit in Zoos. Viktoria Feucht, die Erstautorin der Studie, hebt hervor, dass Zoos eine Vielzahl von Menschen erreichen und somit wichtige Orte sind, um die Naturverbundenheit unterschiedlicher Besuchergruppen gezielt zu fördern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Zoobildungsprogramme ein effektives Mittel sind, um das Bewusstsein für die Natur zu schärfen, insbesondere bei Menschen, die zuvor wenig Bezug zur Natur hatten. Die Erkenntnisse dieser Studie können dazu beitragen, zukünftige Programme noch gezielter und wirkungsvoller zu gestalten, um eine tiefere Verbindung zwischen Menschen und der Natur zu fördern.


















































