
Angesichts des Klimawandels stehen Berghütten in den Alpen vor erheblichen Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die Verfügbarkeit von Wasser. Diese Veränderungen sind nicht nur für die Betreiber der Hütten problematisch, sondern betreffen auch die Touristen, die in diesen Regionen Erholung suchen. Aufgrund von Wassermangel müssen viele Berghütten ihre Saison vorzeitig beenden, was zu Frustration bei den Besuchern führt. Um dieser Problematik zu begegnen, hat der Deutsche Alpenverein (DAV) mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein innovatives Projekt ins Leben gerufen, das den Einsatz von Trockenklos in den Hochalpen testet.
Das Projekt wird im Nationalpark Hohen Tauern in Österreich umgesetzt und erhält eine Förderung von 148.685 Euro. Der Klimawandel hat bereits spürbare Auswirkungen auf die Wasserressourcen in den Alpen, was DBU-Generalsekretär Alexander Bonde bestätigt. Er weist darauf hin, dass die Schmelze der Gletscher und die abnehmenden Schneemengen zu einer beispiellosen Wasserknappheit führen. Um den alpinen Raum als Ort der Erholung und des Naturerlebnisses zu bewahren, sind die Betreiber von Berghütten auf praktikable und finanzierbare Lösungen angewiesen.
Die Neue Prager Hütte in Osttirol, die im Rahmen dieses Projekts umgerüstet wird, hat bereits mehrfach ihre Türen aufgrund von Wassermangel schließen müssen. In den letzten Sommern kam es vor, dass die Wasserversorgung, die aus Tau- und Quellwasser besteht, nicht mehr ausreichte. Der Hauptverursacher des Wasserverbrauchs waren die herkömmlichen Spültoiletten, die nun durch Trockentoiletten ersetzt wurden. Diese Maßnahme führt zu einer signifikanten Reduzierung des Wasserverbrauchs, da Trockentoiletten kein Wasser benötigen. Laut Berechnungen sparen die neuen Toiletten der Neuen Prager Hütte täglich etwa 1.000 Liter Wasser, was die Betriebsdauer in trockenen Sommern erheblich verlängert.
Das Projekt wird von Dr. Maximilian Hempel, dem zuständigen Abteilungsleiter, als ein bedeutender Schritt zur Reduzierung des Wasserverbrauchs und zur Anpassung an die klimatischen Veränderungen angesehen. Gleichzeitig wird dadurch das empfindliche Ökosystem der Alpen geschützt. Die Neue Prager Hütte soll als Vorbild für andere Hütten dienen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Der DAV hat in den letzten Jahren regelmäßig Anfragen von Hüttenbetrieben erhalten, die Lösungen für ihre Wasserknappheit suchen.
Moritz Pfeiffer, der beim DAV für die Hütteninfrastruktur verantwortlich ist, hebt hervor, dass die Trockentoiletten in der Nutzerakzeptanz mit herkömmlichen Spül-WCs vergleichbar sind. Die neuen Sanitäranlagen bieten dank eines kontinuierlichen Luftzugs, der durch Solarluftkollektoren erzeugt wird, eine angenehme Geruchsklima, was oft ein Problem bei herkömmlichen Toiletten darstellt.
Im Rahmen des Projekts werden zwei Arten von Trockentoiletten installiert: Kompost-WCs, die alle Ausscheidungen in Komposttanks leiten, und Trennklos, die Flüssigkeiten von festen Abfällen trennen. Die flüssigen Abfälle werden zusammen mit Küchen- und Duschwasser in eine Grauwasserkläranlage geleitet, während die festen Abfälle in speziellen Behältern gesammelt und später kompostiert werden. Das Ziel ist es, die Menge der Abfälle zu minimieren, um den Transport zur thermischen Verwertung zu erleichtern.
Angesichts der extremen klimatischen Bedingungen in den Alpen wird auch untersucht, wie menschliche Ausscheidungen in dieser Höhe am besten behandelt werden können. Der DAV plant, Forschungspartner zu gewinnen, um herauszufinden, ob eine Kompostierung direkt vor Ort möglich ist und welche Auswirkungen dies auf die Umwelt hat. Die Herausforderungen des Klimawandels verlangen nach kreativen und nachhaltigen Lösungen, um den alpinen Raum zu schützen und gleichzeitig den Bedürfnissen der Besucher gerecht zu werden.


















































