
Die Lausitz, eine Region im Freistaat Sachsen, hat sich über Jahrhunderte hinweg als Zentrum der Kohlenförderung und Industrie etabliert. Mit Städten wie Dresden, Bautzen und Görlitz, die reich an Geschichte und kulturellem Erbe sind, zeichnet sich die Region nicht nur durch ihre industrielle Prägung, sondern auch durch bedeutende UNESCO-Welterbestätten aus. Angesichts des geplanten Kohleausstiegs in Deutschland bis 2038 steht die Lausitz jedoch vor einem grundlegenden Wandel, der eine Neuausrichtung der wirtschaftlichen Strukturen erfordert. In diesem Kontext setzen Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) auf innovative Ansätze, um die Region in eine internationale Logistikdrehscheibe und einen attraktiven Standort für den Tourismus zu transformieren.
Im Rahmen des Projekts „DiSTILL“, das unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Frank Straube steht, wurde ein digitales Simulationswerkzeug entwickelt, das auf frei verfügbaren Daten basiert. Dieses Tool ermöglicht es, die logistischen Kapazitäten der Lausitz zu bewerten und bietet eine solide Grundlage für die Planung und Kostenschätzung neuer Projekte. Der Fokus liegt dabei auf der Erfassung und Analyse der logistischen Anforderungen, um Unternehmen, Verwaltungen und politischen Entscheidungsträgern zu helfen, fundierte Investitionsentscheidungen zu treffen. Laut Straube ist die Lausitz aufgrund ihrer Lage an der Grenze zu drei Ländern und an mehreren europäischen Verkehrskorridoren besonders gut positioniert, um als Logistikstandort zu prosperieren. Mit drei modern ausgestatteten Binnenhäfen in Dresden, Riesa und Torgau, die den Anforderungen des heutigen Warenumschlags gerecht werden, hat die Region ein starkes Fundament für die Entwicklung einer nachhaltigen Logistik.
Das Projekt strebt an, die gesamte Logistikbranche in der Lausitz neu auszurichten. Der Übergang von der Kohlenförderung zu nachhaltigen Konsumgütern ist eine der zentralen Herausforderungen. Die Unterstützung bestehender Unternehmen bei der Optimierung ihrer logistischen Prozesse ist ebenso wichtig wie die Schaffung eines belastbaren Wertschöpfungsnetzwerks. Das Simulationswerkzeug „DiSTILL“ spielt hierbei eine entscheidende Rolle, indem es eine transparente Grundlage für Investitionen bietet und die Planung von Unternehmensansiedlungen sowie die Bewertung von Verkehrsnetzen und -anbindungen erleichtert.
Parallel zu diesen Entwicklungen wird im Rahmen des Projekts „FlexiDug“ untersucht, wie die bestehende Schieneninfrastruktur nach dem Kohleabbau nachhaltig genutzt werden kann. Prof. Dr.-Ing. Birgit Milius und ihr Team haben ein digitales Modell entwickelt, das die Umnutzung von Bahnstrecken für den Personenverkehr und die Integration von Stadt-, Regional- und Industrieentwicklung ermöglicht. Dieses Modell trägt nicht nur zur Verbesserung der regionalen Mobilität bei, sondern unterstützt auch den Tourismus, indem es die Erreichbarkeit von Naturdenkmälern und anderen Sehenswürdigkeiten verbessert.
Die Lausitz ist bestrebt, ihre Position als „Region mit Potenzial im Herzen Europas“ zu stärken. Durch die Förderung eines leistungsfähigen Logistiknetzwerks und die Ansiedlung bedeutender Unternehmen, wie beispielsweise BASF, das in Schwarzheide Elektroauto-Komponenten produziert, wird die Region zunehmend attraktiv für Investoren. Der Industriepark „Gral“, der als nachhaltige Gewerbefläche konzipiert ist und durch erneuerbare Energien betrieben werden soll, wird ebenfalls zur Stärkung des grenzüberschreitenden Verkehrs nach Polen beitragen.
Darüber hinaus beschränkt sich die Forschung der TU Berlin nicht nur auf die Lausitz. Die Wissenschaftler arbeiten auch an Lösungen für nachhaltige Logistik in strukturschwachen Regionen, insbesondere in Afrika. Dies unterstreicht die globale Dimension der Forschungsaktivitäten und die Bereitschaft, innovative logistische Lösungen zu entwickeln, die auch zur wirtschaftlichen Teilhabe in Schwellenländern beitragen.
Insgesamt zeigt die Lausitz, wie durch gezielte Forschung und Entwicklung sowie durch die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik eine Region im Umbruch durch innovative Konzepte revitalisiert werden kann. Die Initiativen der TU Berlin sind nicht nur ein Schritt in Richtung einer nachhaltigen Zukunft für die Lausitz, sondern auch ein Modell für andere Regionen, die ähnliche Herausforderungen meistern möchten.


















































