Einfluss von Ausbildungsbotschaftern auf die Berufswahl im MINT-Bereich**

Einfluss von Ausbildungsbotschaftern auf die Berufswahl im MINT-Bereich**

Die Bedeutung von Ausbildungsbotschaftern in Schulen wird zunehmend erkannt, insbesondere wenn es um die Ansprache von Schülerinnen für MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) geht. Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt belegt, dass der direkte Austausch mit Auszubildenden im Unterricht das Interesse von Schülerinnen an technischen und IT-Berufen signifikant steigern kann. Dies ist besonders wichtig angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels, da Frauen in diesen Bereichen nach wie vor stark unterrepräsentiert sind.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Schülerinnen, die an Schulbesuchen von Ausbildungsbotschaftern teilnehmen, ihr Wissen über MINT-Ausbildungsberufe erweitern und offener gegenüber einer Karriere in diesen Bereichen werden. Im Gegensatz dazu konnten bei den männlichen Schülern keine nennenswerten Veränderungen festgestellt werden. Dies wirft die Frage auf, inwiefern die Geschlechterdifferenzierung bei der Ansprache von Jugendlichen in der Berufswahl eine Rolle spielt.

Ein bemerkenswerter Aspekt der Studie ist der hohe Anteil männlicher Ausbildungsbotschafter, die in den Schulbesuchen aktiv waren. Während frühere Untersuchungen oft weibliche Vorbilder in den Vordergrund stellten, zeigt diese Studie, dass auch männliche Vorbilder bei der Förderung des Interesses von Schülerinnen an MINT-Berufen eine wichtige Rolle spielen können. Diese Erkenntnis widerspricht der verbreiteten Annahme, dass Mädchen ausschließlich durch weibliche Vorbilder in technischen Berufen inspiriert werden können.

Professor Hubert Ertl, Forschungsdirektor am BIBB, hebt hervor, dass persönliche Einblicke in die berufliche Praxis durch Ausbildungsbotschafter nicht nur Informationen vermitteln, sondern auch die Ausbildung greifbar und realistisch machen. Solche direkten Begegnungen können den jungen Menschen neue Perspektiven eröffnen und helfen, stereotype Vorstellungen zu überwinden, die oft die Berufswahl einschränken.

Die Studie zeigt jedoch auch, dass es Grenzen in der Wirksamkeit dieser Maßnahme gibt. Obwohl das Wissen über MINT-Berufe und die Bereitschaft, sich für diese zu interessieren, gestiegen sind, hat sich die berufsspezifische Selbstwirksamkeit – das Gefühl, eine Ausbildung in einem MINT-Beruf erfolgreich meistern zu können – nicht verändert. Dies deutet darauf hin, dass weitere Maßnahmen erforderlich sind, um das Selbstvertrauen von Schülerinnen zu stärken und sie zu ermutigen, eine technische Ausbildung in Erwägung zu ziehen.

Insgesamt wurden 1.041 Schülerinnen und Schüler ab der neunten Klasse befragt, um zu untersuchen, inwiefern persönliche Erfahrungsberichte von Auszubildenden dazu beitragen, MINT-Berufe besser kennenzulernen und als mögliche berufliche Optionen in Betracht zu ziehen. Die Umfrage wurde sowohl vor als auch nach den Besuchen der Ausbildungsbotschafter durchgeführt, um die Auswirkungen zu messen. Eine Kontrollgruppe wurde ebenfalls einbezogen, um die Ergebnisse zu validieren.

Die Studie „Can vocational role models change the gendered perception of STEM VET occupations?“ hebt sich durch fünf wesentliche Merkmale hervor: Sie fokussiert sich auf MINT-Berufe in der beruflichen Ausbildung anstelle von akademischen Laufbahnen, untersucht reale Begegnungen im Klassenzimmer und betont die Rolle von Auszubildenden, die den Schülerinnen und Schülern altersnah und auf Augenhöhe berichten. Zudem wird die Wirkung der männlichen Ausbildungsbotschafter auf beide Geschlechter untersucht, was über die bisherigen Annahmen hinausgeht.

Für die zukünftige berufliche Orientierung junger Menschen ist es entscheidend, dass solche Initiativen weiter ausgebaut werden. Ausbildungsbotschafter können nicht nur als Informationsquelle dienen, sondern auch als Inspirationsquelle, die den Jugendlichen hilft, ihre beruflichen Möglichkeiten zu erweitern und ihre Karriereentscheidungen bewusster zu treffen. Dies ist besonders wichtig in einem gesellschaftlichen Kontext, in dem technische Berufe nach wie vor stark geschlechtsspezifisch wahrgenommen werden. Die Erkenntnisse dieser Studie bieten wertvolle Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung von Ausbildungsprogrammen und Berufswahlinitiativen.