
Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger Berlins überwiegend positive Einstellungen zu Maßnahmen haben, die darauf abzielen, den Durchgangsverkehr in Wohngebieten zu reduzieren und den öffentlichen Raum neu zu gestalten. Diese Studie wurde von der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) am Helmholtz-Zentrum Potsdam durchgeführt. Der Fokus lag auf der Analyse von sogenannten Kiezblock-Maßnahmen, die insbesondere die Einrichtung von mehr Grünflächen und sicheren Verkehrsbereichen in den Quartieren betreffen.
Die Erhebung ergab, dass die Unterstützung für verkehrsberuhigende Maßnahmen in Berliner Wohngebieten moderat bis hoch ist. Dirk von Schneidemesser, Forschungsgruppenleiter am RIFS, erläutert: „Wir haben untersucht, wie die Bewohner von Berliner Wohnvierteln auf häufig umgesetzte Maßnahmen reagieren. Diese Ergebnisse belegen, dass das Interesse an der Umgestaltung des öffentlichen Raums weitreichender ist, als es in politischen Debatten oder Medienberichten oft wahrgenommen wird. Die Menschen wünschen sich Verbesserungen für die Luftqualität, die Lebensqualität und die Sicherheit in ihren Vierteln.“
Die Umfrage umfasste 13 spezifische Maßnahmen, bei denen die Zustimmung zwischen 61 und 88 Prozent lag. Zu den am meisten befürworteten Veränderungen zählen die Schaffung von Orten für soziale Interaktionen, das Einrichten von kleinen öffentlichen Plätzen sowie die Umwandlung von Parkflächen in Grün- oder Multifunktionsräume. Diese Initiativen, die in verschiedenen europäischen Städten unter unterschiedlichen Begriffen wie „Superblocks“ in Barcelona oder „Low-Traffic Neighborhoods“ in London bekannt sind, haben das Ziel, den Durchgangsverkehr zu minimieren. Dazu gehören unter anderem Umleitungen, Einbahnstraßen und Schulzonen. Auch die Umwidmung von zuvor für den motorisierten Verkehr genutztem Raum zu Fußgängerzonen oder Grünanlagen wird als positiv angesehen, da solche Maßnahmen die Verkehrssicherheit erhöhen, die Luftqualität verbessern und den Lärm reduzieren können.
Die Studie hat auch untersucht, welche Faktoren die Akzeptanz dieser Maßnahmen beeinflussen. Es hat sich gezeigt, dass Menschen, die aktiv mobil sind – wie zum Beispiel zu Fuß gehen oder Rad fahren – sowie solche, die in Haushalten mit Kindern leben oder eine starke Verbindung zur Natur haben, eine höhere Zustimmung zeigen. Im Gegensatz dazu zeigt sich, dass eine hohe Nutzung des motorisierten Individualverkehrs sowie ein höheres Alter negativ mit der Unterstützung der vorgeschlagenen Maßnahmen korreliert. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, wie eng die Einstellungen zur städtischen Verkehrsgestaltung mit den persönlichen Mobilitätsgewohnheiten und Lebensumständen verbunden sind, was die Notwendigkeit gezielter Kommunikationsstrategien und partizipativer Ansätze unterstreicht.
Die breite Unterstützung für Maßnahmen wie die Schaffung neuer Grünflächen und höhere Sicherheitsstandards, insbesondere für Kinder, zeigt, dass die gesellschaftliche Spaltung hinsichtlich der Förderung gesünderer und nachhaltiger Mobilitätssysteme weniger stark ausgeprägt ist, als oftmals angenommen. Von Schneidemesser weist darauf hin, dass besonders gut bewertete Maßnahmen pragmatische Vorteile für politische Entscheidungsträger und Kommunalverwaltungen bieten. „Diese ‚Quick Wins‘ sollten priorisiert werden, da sie den Anwohnern unmittelbar zugutekommen und möglicherweise eine breitere Unterstützung für die Mobilitätswende fördern“, erklärt er.
Die Methodik der Studie umfasste eine zufällige Auswahl von 10.657 Bürgerinnen und Bürgern ab 18 Jahren aus dem Berliner Bürgerregister. Diese wurden eingeladen, an einer Umfrage teilzunehmen, die sowohl online als auch in Papierform in mehreren Sprachen – darunter Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und Russisch – ausgefüllt werden konnte. Letztendlich gaben 1.480 Personen aus vier verschiedenen Berliner Wohnvierteln ihre Meinungen zwischen September 2024 und Mai 2025 ab. Zwei Viertel mit geplanten Kiezblock-Maßnahmen – die Nördliche Luisenstadt und der Antonkiez – wurden mit zwei vergleichbaren Vierteln ohne solche Planungen – dem Stephankiez und dem Westfälischen Viertel – verglichen. Die Zustimmung wurde mithilfe von Likert-Skalen ermittelt, die von „extrem negativ“ bis „extrem positiv“ reichten.
Diese Studie bietet wichtige Einblicke in die öffentliche Wahrnehmung und Unterstützung von Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Berliner Wohnvierteln und hebt die Notwendigkeit hervor, die Bürger in den Planungsprozess einzubeziehen, um die Lebensqualität und Sicherheit in den Städten zu verbessern.


















































