Nutzung von stehend gelagertem Fichtenschadholz für die Herstellung hochwertiger Holzprodukte**

Nutzung von stehend gelagertem Fichtenschadholz für die Herstellung hochwertiger Holzprodukte**

In den letzten Jahren hat der Klimawandel in Deutschland und Europa zu massiven Waldschäden geführt, insbesondere durch extreme Wetterereignisse und die Ausbreitung von Borkenkäfern. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass große Mengen an Fichtenschadholz entstanden sind. Viele Waldbesitzer stehen vor der Herausforderung, diese geschädigten Bäume zu bewirtschaften, da die Ernte und Verarbeitung oft nicht zeitnah erfolgen kann. Ein Teil dieser Bäume bleibt über längere Zeit im Wald stehen, was die Frage aufwirft, ob und wie dieses Holz weiterhin für die Holzverarbeitung genutzt werden kann.

Forschende des Fraunhofer-WKI (Wilhelm-Klauditz-Institut für Holzforschung) haben gemeinsam mit Partnern aus der Industrie herausgefunden, dass Fichtenholz, das nicht länger als zwei Jahre stehend gelagert wurde, durchaus geeignet ist, um daraus massiven Holzprodukte herzustellen. Darüber hinaus können aus Holz, das bis zu vier Jahre lang gelagert wurde, noch Holzwerkstoffe wie Oriented Strand Boards (OSB), Spanplatten und mitteldichte Faserplatten (MDF) gewonnen werden, ohne signifikante Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen. Diese Erkenntnisse sind besonders wertvoll, da sie eine nachhaltige Nutzung eines potenziell wertvollen Rohstoffs ermöglichen und somit der Kreislaufwirtschaft zugutekommen.

Das Projekt hatte das Ziel zu klären, ob sich Fichtenholz, das durch Borkenkäferbefall geschädigt wurde und entweder im Wald verbleibt oder in anderen Lagerungsvarianten aufbewahrt wird, noch für die Herstellung von Holzprodukten eignet. Oftmals wird solches Schadholz nur energetisch verwertet, wodurch wertvolle Ressourcen verloren gehen. Die Forschenden betonten die Wichtigkeit einer Kaskadennutzung, bei der das Holz zuerst für hochwertige Produkte verwendet wird, bevor es einer energetischen Verwertung zugeführt wird.

Um diese Fragen zu beantworten, wurden an zwei unterschiedlichen Standorten in Deutschland – im Nationalpark Harz und im Sauerland – Fichten mit unterschiedlichen Absterbezeitpunkten untersucht. Die Studien umfassten die Analyse des Verfallsfortschritts des Holzes in Abhängigkeit von der Lagerungsdauer und die Herstellung und Bewertung verschiedener Holzprodukte, darunter Schnittholz sowie geklebte Holzprodukte wie Brettsperrholz und Brettschichtholz.

Die Ergebnisse zeigen, dass bei einer systematischen Erfassung der Holzqualität und Anwendung standardisierter Prüfmethoden, das Fichtenschadholz auch nach längerer Lagerung noch für viele Anwendungen geeignet ist. Die Forschenden führten umfassende Tests durch, um die mechanischen Eigenschaften des Holzes zu bewerten, einschließlich Biege- und Zugfestigkeit sowie Delaminierungseigenschaften. Es stellte sich heraus, dass das Holz für die Herstellung von OSB, Spanplatten und MDF verwendet werden kann, wenngleich ein höherer Anteil an Feinpartikeln und Stäuben zu erwarten ist.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde ein praxisnaher Leitfaden erstellt, der der Holzindustrie dabei hilft, die bestmöglichen Holzsortimente aus Schadholz zu gewinnen. Dieser Leitfaden enthält spezifische Sortierkriterien, die den Waldbesitzern und der Holzindustrie an die Hand gegeben werden, um die Nutzung von Fichtenschadholz zu optimieren.

Die langfristige Zielsetzung des Projekts ist es, die Ressource Holz auch unter veränderten klimatischen Bedingungen nachhaltig zu nutzen. Die gewonnenen Forschungsergebnisse und der Leitfaden bieten nicht nur für die deutsche Holzindustrie, sondern auch für andere Regionen in Europa wertvolle Ansätze zur Bewältigung ähnlicher Herausforderungen bei der Holzernte und -verarbeitung.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass durch innovative Forschungsansätze und die Entwicklung konkreter Handlungsempfehlungen, die Nutzung von Fichtenschadholz vorangetrieben werden kann. Dies ist nicht nur ein Gewinn für die Holzindustrie, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft.